Katharina adlergleich

Katharina adlergleich
Vergiss nicht, dass du Flügel hast ...

Samstag, 18. November 2017

Wuchern verlangt!


Eines ist sicher: Jesus bricht im Gleichnis vom klugen Verwalter keine Lanze für maßlosen Kapitalismus. Der hebräischen Geldeinheit dürfen wir schon die Bedeutung unserer deutschen Übersetzung geben: nämlich Talente. 

Jeder von uns hat Talente – Gaben und Fähigkeiten – mit auf den Lebensweg bekommen. Für die sind wir verantwortlich, mit denen sollen, ja müssen wir arbeiten, wir können und dürfen sogar mit ihnen wuchern.  

Jeder von uns hat Talente bekommen. Zugegeben, nicht immer sind die sofort sichtbar. Aber wir sollten auch nicht Großes oder Außergewöhnliches erwarten und sehen wollen.

Katharina Kasper brachte auch keine super Voraussetzungen mit. Sie war ein schwächliches, kränkliches Kind, das deshalb die Schule nicht regelmäßig besuchen konnte. Sie war sowieso nur an Religion interessiert. Das war damals schon ein Interesse, mit dem man keine Erfolge feiern konnte.  

Schon als Kind zeigte sich, dass Katharina zuhören konnte. Sie besuchte Kranke, setzte sich an ihr Bett und ließ sie reden. Schon als Kind zeigte sich, dass sie begeistern konnte. Sie sammelte andere Kinder um sich, lehrte sie den Rosenkranz und ging mit ihnen zum Heilborn. Schon als Kind zeigte sich, dass sie eine irre gute Auffassungsgabe hatte und Dinge, die ihr wichtig waren, mitteilen konnte. Nach dem Sonntagsgottesdienst wurde sie oft aufgefordert, die Sonntagspredigt für die, die die Messe nicht besuchen konnten, zu wiederholen. 

Als junge Frau zeigte sich, dass Katharina eine ungeheure Ausdauer und Beharrlichkeit hatte. Wenn sie von etwas überzeugt war, konnte sie nichts und niemand davon abbringen, bis es realisiert war. Denken Sie nur an das erste kleine Häuschen. Als junge Frau zeigte sich ihre Empathie. In dieses erste kleine Häuschen nahm sie schon eine behinderte Frau und Kinder auf, die niemanden mehr hatten. Als junge Frau bewies sie immer wieder ihren Mut – auch Obrigkeiten gegenüber, sei es dem Bischof gegenüber, dem sie ganz klar sagte, wie ihre Gemeinschaft zu heißen habe, sei es der Dorfobrigkeit gegenüber, die sie mal zur Rede stellen wollte, warum sie in „Uniform“ durch die Gegend laufe.

 

Klar, das sind keine Talente, mit denen man glänzen und berühmt werden kann. Aber Katharina nutzte diese und all ihre anderen Talente, wucherte mit ihnen und nutzte sie für ihr Unternehmen. Als der Herr zu ihr kam und Rechenschaft von ihr verlangte – sie starb am 02. Februar 1898 -, da konnte sie ihm eine Ordensgemeinschaft mit fast 2000 Schwestern hinhalten und zahllose Elementarschulen und Kindergärten, Sozialstationen und Krankenhäuser. Ja, sie war bekannt geworden – im Westerwald und weit darüber hinaus, und dies durch scheinbar unbedeutende, unscheinbare, unauffällige Talente. Letztlich kommt es nur darauf an, die eigenen Talente zu nutzen und mit ihnen zu wuchern. 

„Tun wir, was wir können. Mehr verlangt Gott nicht von uns.“ (Brief 203)

Aber auch nicht weniger …
STH

 

Samstag, 11. November 2017

Be attentive!


Das Gleichnis von den „Klugen und törichten Jungfrauen“ (Mt 25, 1-13) hat für mich zu tun mit

  • Achtsamkeit – dass meine Lampe nicht erlischt
  • Wachsamkeit – dass ich den Herrn erkenne, wenn er kommt
  • Bereitschaft – dass ich dem Herrn folge, wenn er mich einlädt.
In Katharina Kasper brannte die Liebe zu Gott, und groß war ihre Sehnsucht, ihn noch mehr, noch tiefer, noch leidenschaftlicher zu lieben: „Keinen andern Wunsch möchte ich hegen, als dass wir alle den lieben Gott so vollkommen liebten, wie uns nur möglich ist mit Gottes Gnade …“ (Brief 45) Und: „Ich will meinen Jesus, meinen Heiland allein, allein besitzen; ja ich muss ihn täglich vollkommen lieben und besitzen; er allein muss mein Herz besitzen, muss walten und schalten über all meine Seelen- und Körperkräfte sowie über all mein Tun und Lassen.“ (Brief 64) 

Katharina war davon überzeugt, in jedem Menschen – besonders aber in jedem Menschen, der der Hilfe bedarf, ob physisch oder psychisch – dem Herrn zu begegnen. Ganz aufmerksam war sie dem Menschen gegenüber, der vor ihr stand; in diesem Augenblick war er der wichtigste Mensch auf der ganzen Welt, denn in ihm sah sie den Herrn. An keiner Stelle sagt sie das ausdrücklich. Aber ihre ganze Haltung dem Menschen gegenüber macht dies deutlich. Immer geht es ihr bei den ihr anvertrauten Menschen um Leib und Seele, die Pflege des Leibes ist für sie ein Vehikel, am Heil der Seele mitzuwirken (vgl. Brief 69), damit diese Gott zugeführt werde. (vgl. Brief 224) Gottes- und Nächstenliebe sind für Katharina nicht voneinander zu trennen. (vgl. Brief 11) 

Bereitschaft – Katharina macht deutlich, wie sie die verstanden haben will: „Hängen wir uns ja nicht an diese Erde, weder an eine Stelle noch Person, noch einen Ort, noch Sachlichkeit, damit wir für jede Zeit ‘bereitstehen mit unsern Lampen und sie gut mit Öl gefüllt sind.’ (Mt 25,4)“ (Brief 111) „Jeder Zeit bereitstehen“ bedeutet für Katharina eine ständige Offenheit für den Willen Gottes, ein permanentes Hören auf den Willen Gottes, um ihn sofort, zu jeder Zeit, an jedem Ort sofort zu tun. Dazu ist sie immer bereit, denn sie ist davon überzeugt: „Sonst geht alles gut, wenn nur der heilige Wille Gottes geschieht in allem und überall.“ (Brief 241) 
 
Achtsamkeit, Wachsamkeit, Bereitschaft – vieles will uns davon im Alltag abbringen, fernhalten; und auch die Müdigkeit ist eine Versuchung, die wir nicht unterschätzen dürfen. Jesus macht deutlich, was uns geschenkt wird, wenn wir achtsam, wachsam und bereit unseren Alltag leben: „… der Bräutigam kam. Die Jungfrauen, die bereit waren, gingen mit ihm in den Hochzeitssaal, und die Türe wurde geschlossen.“ (Mt 25,10) Das bedeutet Gemeinschaft mit dem Herrn, seine lebendige Gegenwart und damit Freude und Liebe erfahren. 

Davon war Katharina überzeugt und deshalb ermutigt sie: „Wir wollen vereinigt Gott dienen und lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, damit wir in der Zeit und Ewigkeit unsern guten Gott immer bei uns haben und wir als seine Kinder ihn lieben und so in Ihm ruhen und Seine Gegenwart genießen können.“ (Brief 67)
STH

 

 

 

 

 

 

Samstag, 4. November 2017

Diener sein!?


Diener sein!? Das will ja wohl keiner wirklich wollen. “Dienen“ ist ja wohl das antiquierteste Wort, das man sich vorstellen kann.

„Dienen“ – seien wir mal ehrlich: wissen wir überhaupt, was das ist?  

Bei Katharina Kasper kommt das Wort „dienen“ 65 mal vor. Dienen will sie – und dazu ermahnt sie auch ihre Schwestern – nur Gott. Sie stellt auch ganz eindeutig klar: „Es ist nicht so schwer,… Gott zu dienen, als es qualvoll ist, der Welt und unserer stolzen Eigenliebe zu dienen.“ (Brief 97) Und es ist hochinteressant, dass Dienen meistens in einem Atemzug mit Lieben genannt wird. So sagt sie zum Beispiel: „Wir wollen in dem neubegonnenen Jahre mit Gottes Gnade uns bessern und so ernstlich anfangen, Gott zu lieben und zu dienen ...“ (Brief 63)

Oder: „Bis dahin wollen wir recht beten für- und miteinander, damit wir … mit großem Eifer Gott dienen und lieben.“ (Brief 74)

Die Gottesliebe ist also nicht vom Dienen zu trennen. Man könnte sagen: Mein Dienen ist nur möglich durch meine Liebe zu Gott; meine Liebe zu Gott erwartet das Dienen.  

Aber – wie kann ich Gott dienen?

Für Katharina gibt es diese Frage nicht. Sie ist sicher: „Ja, wir alle wissen es ja aus Erfahrung, wie glücklich das Leben nach dem heiligen Glauben uns schon in dieser Welt macht, besonders …wo wir im Dienste der Armen und Kranken dem lieben Heiland dienen dürfen.“ (Brief 50) Aber es gibt noch mehr Möglichkeiten, Gott zu dienen.
 
Einmal macht Katharina deutlich: „Wenn wir die Reinheit unseres Herzens erstreben, die Sünde hassen und verabscheuen, unsere unordentlichen Neigungen bekämpfen, … das Gebet und die Gnadenmittel gut gebrauchen, … und dieses alles üben und beobachten in der Absicht und Meinung: aus Liebe zu Gott, meinen Herrn und Gott will ich dadurch lieben und beständig ihm dienen.“ (Brief 64) Letztlich aber spielt es keine Rolle, was ich im Dienst Gottes tue. Meiner Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt: „Es kann uns ja auch einerlei sein, wie und wo wir Gott dienen.“ (Brief 54) 

Auf diesem Hintergrund bekommt Jesu Forderung: „Der Größte von euch soll euer Diener sein.“ (Mt 23,11) eine ganz andere Bedeutung. Immer geht es um den Dienst an Gott, auch wenn ich ihn an Menschen verrichte. Immer gilt: „Wenn wir alle mit Eifer Gott dienen, so geht es gut und [wir] können viel Gutes wirken.“ (Brief 178)

Ja, und Katharina weiß gewiss und gibt uns diese Zusicherung: „Wenn wir dem lieben Gott eifrig dienen und [ihn] innig lieben, so ist und bleibt Er immer bei uns.“ (Brief 270) Was wollen wir mehr?
STH

 

 


Samstag, 28. Oktober 2017

Das wichtigste Gebot


Sie kennen das wichtigste Gebot, oder???
Es ist älter als 2000 Jahre. Die Frage ist nur, ob es auch für uns das wichtigste Gebot ist, ob wir uns ernsthaft danach richten. Das mit der Nächstenliebe geht ja gerade noch. Bei der Selbstliebe wird es schon schwieriger. Als Egoisten wollen wir sicher alle nicht da stehen. Aber Gottesliebe? Da weiß man ja noch nicht einmal, wie das richtig gehen soll. Und irgendwie ist das doch auch von allen dreien das Unwichtigste, oder? 

Nun, Jesus sieht das anders. Auf die Frage nach dem wichtigsten Gebot antwortet er ganz eindeutig: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Mt 22, 37-39) 

 
Katharina Kasper machte ernst mit diesem Gebot – ganz selbstverständlich, ohne viel darüber nachzudenken oder zu hinterfragen.

Die Liebe zu Gott war ihr Lebensinhalt. Die Liebe zu Gott prägte ihr Leben, gab ihrem Leben Orientierung und Ziel. Und obwohl sie schon glühte aus Liebe zu Gott, wurde sie nicht müde, um eine größere Liebe zu Gott zu bitten und zu beten: „Möge der liebe Gott … mir geben eine vollkommenere Liebe zu Ihm, [eine Liebe] die nichts sucht und nichts ausschlägt, jene Liebe, die Gott allein sucht, die Ihn allein ehrt, liebt und [ihm] von Herzen dient …“ (Brief 67) 

Katharina trennt Gottes- und Nächstenliebe nicht voneinander. Ja, sie ist davon überzeugt: „Aus wahrer Gottesliebe erwächst uns auch die wahre Nächstenliebe.“ (Brief 11) Ja, wenn ich behaupte, Gott zu lieben, muss sich dies in meinem Verhalten zu meinen Mitmenschen zeigen. Vielleicht kann man sagen: daran, wie ich meinen Nächsten behandle, kann man erkennen, ob und wie ich Gott liebe. 

Das Wort „Selbstliebe“ kommt bei Katharina nicht vor, nur im Sinne von „verkehrter Selbstliebe“ (Brief 25). Aber sie spricht von Heiligung und von eigener Heiligung oder Selbstheiligung. „Wir beten sehr viel für die Heiligung der Schwestern.“ (Brief 109) schreibt sie häufig und fordert auch dazu auf. Warum ist die Heiligung so wichtig? Diese Antwort bleibt sie uns auch nicht schuldig: „Ich möchte so gerne sehen, dass man ruhig, demütig und schlicht in Ruhe wirkt und arbeitet … zuerst an unserer Heiligung, und erst dann befähigen wir uns, am Heile des Nächsten, am Weh und Wohl des Mitmenschen Mitarbeiterin sein zu können.“ (Brief 114) 

Für Katharina gehören Gottes-, Nächsten- und Selbstliebe zusammen. Das wird immer wieder in ihren Briefen deutlich. Nicht selten fordert sie die Adressaten auf: „Beten und verrichten wir alle unsere guten Werke mit- und füreinander, alles zur größeren Ehre Gottes, zu unserem und des Nächsten Heile.“ (Brief 184) 

Wenn man Katharina „hört“, dann gewinnt man den Eindruck, dass das wichtigste Gebot gar nicht so schwer ist, nicht wahr? Vielleicht ist es das ja auch gar nicht. Versuchen wir es doch einfach mal. Und – „Tun wir, was wir können; mehr verlangt Gott nicht von uns.“ (Brief 203)
STH

 

Samstag, 21. Oktober 2017

Gebt Gott, was Gott gehört


„Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört.“ (Mt 22,21)

Wir brauchen nicht darüber zu streiten, ob es rechtens ist, dem Staat zu geben, was ihm gehört. Das war damals – zur Zeit Jesu - so und ist heute so. Dass wir Steuern zahlen, gehört dazu und ist schlicht notwendig, wenn der Staat funktionieren soll. Das war damals so und ist heute so. 

Aber „gebt Gott, was Gott gehört“? Was gehört ihm? Komische Frage. Eigentlich gehört ihm doch alles, oder? Aber wie sollen wir ihm das geben?

Wir spüren: hinter Jesu Forderung steckt ein enormer Anspruch. 

Im Katechismus lesen wir: Der Glaube an Gott verlangt u.a. in Danksagung leben; immer auf ihn vertrauen, selbst in Widerwärtigkeiten; die Würde aller Menschen erkennen, weil sie nach seinem Bilde erschaffen sind; die von ihm geschaffenen Dinge in rechter Weise gebrauchen. (vgl. Katechismus der katholischen Kirche, Erstes Kapitel, Nr. 43) 

„Alles zur größeren Ehre Gottes.“ (Brief 9 u.a.) So drückt es Katharina Kasper aus. Ihm die Ehre geben, - ganz gleich, was wir tun oder wie wir leben.
 
 
Die Dankbarkeit ist für Katharina ganz wichtig, sie ist für Katharina eine Tugend. „Auf eine Tugend möchte ich noch besonders aufmerksam machen zu üben, es ist die ‘Dankbarkeit gegen Gott’ (Kol 3,16) …“ (Brief 136) Aber sie weiß auch, dass es nicht einfach ist, Gott die eigene Dankbarkeit zu zeigen. Sie rät: „Wir wollen unsere Dankbarkeit gegen Gott beweisen durch ein eifriges Streben…, indem wir täglich daran uns erinnern, dass der, der uns … gerufen hat, uns eine Regel gegeben durch die Kirche, wodurch wir sicher gehen können auf dem Wege zur Vollkommenheit.“ (Brief 105)

Schon in ihrer ersten Ordensregel spricht Katharina von den „Pflichten gegen den Nächsten“ und immer hat sie den Mitmenschen im Blick: „… befähigen wir uns, am Heile des Nächsten, am Weh und Wohl des Mitmenschen Mitarbeiterin sein zu können.“ (Brief 114)

Über Katharinas unerschütterliches Vertrauen haben wir schon oft gesprochen. 

„Gebt Gott, was Gott gehört!“ Das ist vor allem die Ehre, die Dankbarkeit, das Vertrauen, die Liebe zum Nächsten, man kann auch sagen – das eigene Herz. 

„Nichts Außergewöhnliches verlangt der liebe Gott von uns, aber unser ganzes Herz mit allem, was wir haben, geben wir Ihm und tun alles zu Seiner Ehre, zu unserem und aller Menschen Heile.“ (Brief 209)
STH

 

 

Samstag, 14. Oktober 2017

Man kann´s nicht verstehen …


Man kann nicht alles verstehen, was man in der Bibel liest, finden Sie nicht auch? 

Ein König lädt alle, die auf der Straße angetroffen werden, zur Hochzeit ein, weil die offiziellen Gäste die tollsten Ausreden fanden, um der Einladung nicht zu folgen. Das ist ja toll, dass er die Armen, Gestrandeten, Bettler und so weiter holen lässt. Aber ist es nicht logisch, dass die nicht alle mit einem Hochzeitsgewand erscheinen? Viele besitzen ja wahrscheinlich nicht einmal eines. Und was macht der König? Er setzt ihn wütend vor die Tür. (Mt 22, 1-14) Wenn ich davon ausgehe, dass der König ein Bild für Gott sein soll, dann ist das doch noch weniger verständlich, oder? 

Die Dernbacher, die mit ihrem Napf an der Klosterpforte bimmelten, sahen wahrscheinlich auch oft ziemlich heruntergekommen aus. Katharina Kasper hat jedem zu Essen gegeben, der zum Kloster kam, ohne Ausnahme. 

Aber wahrscheinlich geht es um viel mehr bei diesem Bibeltext. Der König lädt ja zum Hochzeitsmahl ein, weil sein Sohn heiratet. Es geht also um Freude und Gemeinschaft, die dem Menschen angeboten werden. Es geht um Freude und Gemeinschaft, die viele Menschen einfach abweisen, ja verweigern. Letztlich geht es um Freude und Gemeinschaft mit Gott. Und dann ist es schon verständlich, dass man sich irgendwie bereiten soll, sprich Hochzeitsgewand. 

„Wandeln wir so in Gottes Gegenwart, dass Sie alle Ihre Pflichten gut verrichten und der liebe Gott alles sehen kann.“ (Brief 72) So drückt das Katharina Kasper aus. Und: „Ja, … beten wir täglich vereint mit- und füreinander, damit der Herr mit Freude sehen kann auf unser Wirken und Arbeiten und wir … nach Heiligkeit streben immer mehr.“ (Brief 193) 

Katharina war also immer bereit für den Herrn. Sie war immer offen für seine Gegenwart. Und die Erfahrung seiner Gegenwart wollte sie nicht missen. Das hört sich dann so an:

„Wir wollen … vereinigt Gott dienen und lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, damit wir in der Zeit und Ewigkeit unsern guten Gott immer bei uns haben und wir als seine Kinder ihn lieben und so in Ihm ruhen und Seine Gegenwart genießen können.“ (Brief 67) 

So ist der Bibeltext doch verständlicher, oder? Bleiben wir also offen für seine Freude und Gegenwart.
STH

 

 

Samstag, 7. Oktober 2017

Eine häretische Frage?


Ein Gutsbesitzer verpachtet seinen Weinberg und reist in ein anderes Land. Zur Erntezeit schickt er Mitarbeiter zu den Winzern, um seinen Anteil zu holen. Die Mitarbeiter werden unschädlich gemacht. Daraufhin sendet der Gutsbesitzer seinen Sohn. Den bringen sie sogar um die Ecke, in der irrigen Annahme, den Weinberg dann zu erben. (Mt 21, 33-44) Sie kennen die Geschichte, nicht wahr? Natürlich wissen wir, dass mit dem Gutsbesitzer Gott und mit dem Sohn Jesus gemeint ist, und das diese Geschichte Grundlegendes aussagt über Gott, Jesus und die Menschen. 

Und doch lässt mir eine Frage keine Ruhe – vielleicht ist die ja sogar häretisch?: Warum geht der Gutsbesitzer nicht selbst zu seinen Winzern? Katharina Kasper hätte das getan. 

Katharina war wochen-, monatelang unterwegs in ihrem Weinberg, der Gemeinschaft. Die Arbeit zu Hause überließ sie vertrauensvoll ihren dortigen Mitarbeiterinnen. Ihr war es wichtig zu sehen, ob vor Ort alles in Ordnung war. 

Lebten ihre Mitarbeiterinnen dort unter Umständen, die sie Früchte bringen lassen konnten? Wenn das nicht der Fall war, dann wurden sie ganz schnell nach Hause geholt. Da war Katharina gar nicht zimperlich. Den Schwestern musste es gut gehen, damit sie auch fruchtbar werden konnten. 

Lebten ihre Mitarbeiterinnen wirklich den Willen Gottes? Denn darauf kam es ja an, um im Sinne Gottes und der Gemeinschaft  und für die Menschen Frucht bringen zu können. Katharina wird nicht müde, dies immer wieder einzufordern. Möge der heilige Wille Gottes in allem geschehen und möchten wir allezeit Gottes heiligen Willen erfüllen.“ (Brief 54) Sie erinnern sich, nicht wahr? 

Ging es ihren Mitarbeiterinnen gut – an Leib und Seele? Das ist ja die Voraussetzung, um gute Früchte zu bringen. Katharina war da sehr sensibel. Und sie wusste immer einen Rat, sie wusste immer zu helfen. Da konnte es auch schon mal unkonventionell zugehen. Schauen Sie mal. Hier schreibt Katharina an die Oberin einer sehr kranken Schwester. 

„Es ist mir lieb, dass die arme Schwester noch dort ist. Dieselbe kann nicht nach Königstein, weil sie dafür zu schwach ist. Pflegen Sie dieselbe gut. Gebrauchen Sie den Arzt. Ich schicke Ihnen etwas guten Wein. Davon geben Sie zuerst einen Löffel voll, kann sie ihn vertragen, so geben Sie ihr alle paar Minuten einen Löffel, bis zu einem Gläschen, so dass sie jeden Tag ein Fläschchen nimmt. Mittags besorgen Sie ihr ein Glas guten alten Rotwein oder auch alten Weißwein und ein wenig Kartoffelbrei mit leicht gebratenem Fleisch, so wie sie es nehmen kann. Und was sie am besten nehmen kann, das geben Sie ihr, immer wenig und dann öfter. … Kann die Kranke Milch trinken, so geben Sie ihr soviel, als sie nehmen kann. Ihr Husten wird sich bessern, wenn sie kräftiger wird. …“ (Brief 87) 

Katharina Kasper kann mit dem großen Gutsbesitzer mithalten, finden Sie nicht?
STH

 

Samstag, 30. September 2017

Ich will nicht


Ein Mann hatte zwei Söhne. Beiden gab er einen Auftrag. Der erste sagte Ja zu diesem Auftrag und machte sich aus dem Staub. Der zweite hatte keine Lust, gab das auch zu, machte es aber doch. (Mt 21, 28-32) Sie kennen diese Geschichte, nicht wahr? Als junger Mensch fand ich mich immer in dem zweiten Sohn wieder. Der kommt bei Jesus ja gut weg. Denn er ist es ja, der den Willen des Vaters getan hat, - wenn auch verzögert. 

Warum soll man eigentlich den Willen des Vaters sprich Gottes tun? 

Im Katechismus der katholischen Kirche heißt es: „Es ist der Wille des Vaters, `dass alle Menschen gerettet werden´.(1 Tim 2,4) Damit ist eigentlich ganz klar, warum wir den Willen Gottes tun sollen; denn wer will nicht gerettet werden? 

In Katharina Kaspers Leben gab es nichts Wichtigeres, als den Willen Gottes zu tun. Und weil es für sie so wichtig war – es war ihr Lebensinhalt, kann man sagen – wollte sie auch, dass das für ihre Schwestern, Mitmenschen und Gemeinschaft so ist. Es gibt kaum einen Brief, in dem sie nicht dazu auffordert: „In allem und überall geschehe der heilige Wille Gottes.“ (Brief 14, 27, 29 u.a.) „überall“, das heißt zu allen Zeiten und an allen Orten, immerzu, ohne Unterlass. „in allem“ das heißt in all meinem Denken, Reden und Tun. Also: Den Willen Gottes tun, ist eine Lebensaufgabe. 

Das ist allerdings nicht immer so einfach wie bei den beiden Jungs oben. Manchmal braucht es schon seine Zeit, bis wir den Willen Gottes erkennen. Aber wenn wir das wirklich wollen, dann werden wir erkennen, weil wir das vor allem spüren. Ruhe, Gelassenheit, Friede begleiten dieses Erkennen. „Friede im Herzen und im Hause ist das größte Glück auf Erden. Den heiligen Willen Gottes erfüllen zu wollen, ist ja unsere Bestimmung auf dieser Erde.“ (Brief 279) 

Ja, Katharinas Leben ist geprägt von dem Wunsch, der Sehnsucht, den Willen Gottes zu tun:

„Wir wollen ruhig, demütig, aber mit großem Gottvertrauen der Zukunft entgegengehen, nichts suchen noch wünschen, als den heiligen Willen Gottes erfüllen. O möge der heilige Wille des Allerhöchsten in allem und überall erfüllt werden wie im Himmel so auch auf Erden.“ (Brief 23) 

Der Sohn, der sich besonnen hat und den Willen des Vaters getan hat, der hat sicher einen großen Frieden empfunden und hat die Liebe des Vaters erfahren.
STH

 

 

Samstag, 23. September 2017

… was recht ist

„Ich werde euch geben, was recht ist.“ Erinnern Sie sich? Das sagte der Gutsbesitzer zu den Männern, die er um die dritte, sechste und neunte Stunde zur Arbeit in seinem Weinberg anheuerte. Das ist schon eine clevere Antwort, finden Sie nicht? Wenn er ihnen gesagt hätte, dass auch sie einen Denar bekommen, dann wäre es schon früher zur Meuterei gekommen. 

Und man muss auch sagen, dass die Arbeiter ein ganz schönes Vertrauen mitbrachten, dass der Gutsbesitzer sie nicht übers Ohr haut. „Ich werde euch geben, was recht ist“ – und das kurz vor Zwölf? Er gibt ihnen einen Denar und ist damit echt großzügig. 


Wir wissen ja nun, dass mit dem Gutsbesitzer Gott gemeint ist. Und der will nun mal nur das Gute für uns, das, was recht ist. Der ist nun mal großzügig und lohnt jeden guten Willen, den wir zeigen. 

Genau davon war Katharina Kasper geprägt. Ihr Vertrauen ist beispiellos und grenzenlos.

„Haben wir doch ganz besonders ein großes Gottvertrauen auf Gottes Macht und Barmherzigkeit, und wir werden nicht zu Schanden werden.“ (Brief 45) Genau aus diesem Grund wäre Katharina auch noch zu später Stunde in den Weinberg gegangen.

„Wir wollen auf den Herrn vertrauen und dabei tun, was wir können.“ (Brief 98) Passt das nicht auch gut zu unseren Arbeitern im Weinberg? Geheuert werden wir immer und zu jeder Stunde. Und wir bekommen, was recht ist. Wir müssen nur Vertrauen haben und tun, was wir können, also unseren guten Willen zeigen. 

Für Katharina gilt immer: „Wir müssen anbeten die Vorsehung. Gott weiß am besten, wo es fehlt und wie es am besten ist.“ (Brief 66) Wenn wir auch nur ein bisschen von diesem  Vertrauen hätten, könnten wir ganz gelassen unseren Alltag leben.
STH

Samstag, 16. September 2017

Reißt das Beispiel fort?


Gehören Sie auch zu der Generation, der immer wieder gesagt wurde: „Du musst ein gutes Beispiel geben.“? Wenn der Vater den Joghurtbecherdeckel in aller Öffentlichkeit ableckt, dann wird das sein Filius auch tun. 

Als ich dann in der Schule tätig war, lernte ich, dass das wirklich stimmt: Der Sohnemann leckt den Deckel ab – sehr zum Ärger des Umfeldes. Ich musste aber auch lernen, dass das gute Beispiel nicht nur nicht nachgeahmt wird; es wird noch nicht einmal wahrgenommen. 

Daran muss ich bei dem Evangelium am Sonntag denken. Da gewährt der Gutsverwalter dem Diener, der ihm eine Riesenmenge Geld schuldet, den Schuldenerlass und lässt ihn mit einer Mahnung gehen. Der Diener aber bleibt seinem Kumpel gegenüber, der ihm vergleichsweise wenig Geld schuldet, gnadenlos. Er lässt ihn sogar ins Gefängnis werfen.  

„Worte bewegen; Beispiele aber reißen fort.“ (Brief 108) Das sagt Katharina Kasper. Sie hat diese Erfahrung gemacht. Viele junge Frauen, die sie erlebten, nahmen sie sich zum Beispiel, ließen sich mitreißen und traten in die Gemeinschaft ein.  

Im Brief an Schwester Centolla geht es um das Beispiel, das die Vorgesetzte ihren Schwestern sein soll: „Tragen Sie, meine gute Schwester, recht Sorge … dass immer Friede, Eintracht und Liebe miteinander geübt wird. Jeden Tag müssen wir anfangen, fortsetzen, als sei er der erste und der letzte, am Morgen beten, um die Gnade zu erlangen, welche Sie für sich und Ihre Mitschwestern bedürfen und notwendig haben  ... Worte bewegen, aber Beispiele reißen fort. " (Brief 65) 

Wie wichtig dieses Wort Katharina ist, zeigt sich daran, dass es noch einmal in ihren Briefen auftaucht – in einem anderen Zusammenhang: „Wir … beten, arbeiten, pflegen die Kranken, suchen den Kindern nützlich zu werden und eine gute Erziehung zu erzielen, besonders aber unsere eigene Heiligung zu erstreben, welches ja auch das Erste und Notwendigste ist. Worte bewegen ja nur, aber das Beispiel reißt uns fort. So wollen wir uns denn bemühen, recht fromm … zu leben und zu wirken, zur größeren Ehre Gottes ... “ (Brief 179) Hier geht es also um die Menschen, die mir anvertraut sind, die sich an mir orientieren.
 


„Worte bewegen ja nur, aber das Beispiel reißt uns fort.“ Diese Erfahrung haben wir sicher alle schon gemacht: Worte bewirken nicht viel bei den Menschen, die uns wichtig sind. Im günstigsten Fall lassen sie sich bewegen. Aber die, denen wir ein Stück Orientierung sein sollen, dürfen, müssen, - die orientieren sich vor allem an unserem Tun. Denken Sie an Vater und Sohn mit ihrem Joghurtbecherdeckel. 

Vielleicht reißt das Beispiel nicht fort. Aber steter Tropfen höhlt den Stein. Wir müssen eben Geduld und Liebe haben.
STH

Samstag, 9. September 2017

Wo zwei oder drei …


Zurzeit wütet der Hurrikan Irma in der Karibik. Ganze Inseln, wie zum Beispiel Saint Martin, werden in „Schutt und Asche“ gelegt. Menschen bangen um ihr Leben. Mexiko wurde von einem schweren Erdbeben heimgesucht, und die Menschen haben Angst vor den Nachbeben, die oft schlimmer sind, und dazu kommt noch die Warnung vor einem Wirbelsturm, der Kurs nimmt auf die mexikanische Küste. 

Die dunklen Wolken ziehen sich immer mehr zusammen. Der hl. Wille Gottes möge in allem geschehen. Beten wir viel für- und miteinander.“ (Brief 55) 

Mit den „dunklen Wolken“ meinte Katharina Kasper damals den Kulturkampf. „Dunkle Wolken“ sind auch Irma und die Erdbeben.

Füreinander beten, miteinander beten – in fast jedem der uns erhaltenen Briefe von Katharina fordert sie dazu auf. 

… wie dunkel liegt die Zukunft vor uns. Beten wir doch viel, viel für- und miteinander in diesen harten Zeiten, damit wir keinen Schaden leiden ...“ (Brief 61) 

Heute Morgen kam ein Anruf unserer Schwestern aus Mexiko: „Betet für uns, das wir glimpflich davon kommen.“ 

Füreinander beten – die eigene Erfahrung zeigt, wie wichtig das fürbittende Gebet ist. Wenn ich nichts anderes tun kann, wenn mir die Hände gebunden sind, wenn ich vollkommen ohnmächtig bin, - so habe ich doch die mächtigste Waffe, die es gibt: das Gebet. Das vertrauende fürbittende Gebet vermag wirklich, Berge zu versetzen. 

Miteinander beten – Gott will gebeten werden, Gott lässt sich bitten, Gott hört die inständigen Bitten vieler. Miteinander sind wir stark – das gilt auch für das Gebet. Wenn Gott sieht, dass viele im gleichen Anliegen bitten, dann kann er nicht anders, dann muss er helfen. 

Wenn wir so denken, wenn wir so vertrauen, dann tun wir genau das, was das Sonntagsevangelium uns nahebringt. Da heißt es nämlich:

„Alles, was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Mt 18, 19-20) 

Katharina Kasper wusste von der Wirkmacht des Gebetes, sie vertraute total auf das Gebet. Letztlich geht es ihr immer darum:

„Wir wollen denn beten für- und miteinander, dass Gottes heiliger Wille in allem und überall geschehen möge.“  (Brief 132) 

Beten Sie bitte mit uns für die Menschen in Mexiko.
STH

Samstag, 26. August 2017

Hätten Sie´s gewusst?


Heute lesen Sie den 300. Post dieses Blogs „Katharina adlergleich“! Wahnsinn, oder?
Seit sechs Jahren erzähle ich Ihnen jeden Samstag etwas über Katharina Kasper. 

Wetten, dass Sie nicht viel von Katharina Kasper wissen?  
 
Erinnern Sie sich? So habe ich vor sechs Jahren angefangen. Heute kann ich diese Wette nicht mehr wagen; denn wenn Sie damals noch nichts wussten und Sie sind heute noch dabei, dann ist diese Bildungslücke in der Tat geschlossen worden. 

Sie haben in diesen sechs Jahren und 300 Posts gelesen und erfahren, dass Katharina wirklich eine Powerfrau ist, die wirklich reicher ist als Aldi und Bill Gates zusammen, die freier ist als alle Vögel am Himmel, die viele Töchter – und heute auch Söhne – hat, die Managerin eines internationalen Unternehmens ist und es trotz dürftiger Schulbildung mit Politikern und Kirchenfürsten aufnehmen konnte. Sie haben erlebt, dass Katharina heute lebendiger ist als vor 100 Jahren. 

Sechs Jahre, 300 Posts – täglich sind im Schnitt 25 Personen auf der Seite, so die Mitteilung der Statistik. Mitte August durfte ich stolze 33.756 Besucher vorweisen. Irgendwann habe ich ja den Übersetzungsbutton eingesetzt. Seitdem bin ich jedes Mal neu erstaunt, aus welchen Ländern die Menschen auf diesen Blog zugreifen. Natürlich Deutschland und ganz viel USA, dann Frankreich, Niederlande, Spanien, Brasilien, Schweiz, Rumänien, Russland, Indien, Österreich, England, Irland, Schweiz, Dänemark, Ukraine, China, Polen … Da staunen Sie, nicht wahr? Mit Sicherheit habe ich jetzt Länder vergessen. 

„Katharina adlergleich“ – eine Erfolgsstory, so kann ich sicher mit bescheidenem Stolz behaupten. 

Ich gebe zu, dass ich immer mal wieder darüber nachdenke, ob ich nicht aufhören sollte. Nicht, weil es nichts mehr über Katharina zu sagen gäbe. Da käme man sicher nie an ein Ende. Meine Arbeit in der Gemeinschaft hat sich verändert, mein Zeitfenster ist kleiner geworden, und ich möchte den Post nicht nur flüchtig hinschmieren, damit etwas da steht. 

Und dann sehe ich wieder, wie viele Menschen jeden Tag auf den Blog zugreifen …
Heißt das nicht im Klartext, Sie wollen etwas von Katharina hören?

Aber es ist gut, dass wir mal darüber gesprochen haben. Dann sind Sie nicht zu überrascht, wenn es plötzlich passieren sollte … 

Auf jeden Fall tröste ich mich mit Katharinas Wort:
„Wenn wir tun, was wir können, so ist der liebe Gott zufrieden.“ (Brief 65)
Und darauf kommt es ja letztlich an, nicht wahr? 

Danke für Ihre Treue. Machen wir weiter …
STH


Wichtige Info! In der kommenden Woche bin ich nicht zu Hause. Ich werde an einem Ort sein, an dem ich digital total im Abseits stehe. So etwas gibt es wirklich noch. Den Post am kommenden Samstag kann ich von daher nicht liefern. Aber in zwei Wochen kommt Katharina wieder zu Ihnen.

Samstag, 19. August 2017

Kontaktpflege alá Katharina


Kontaktpflege – zu allen Zeiten war das wichtig, heute ebenso wie damals. Allerdings haben sich die Formen und Möglichkeiten verändert. Von WhatsApp, SMS und Email hätte man im 19. Jahrhundert noch nicht einmal zu träumen gewagt. Das war jenseits jeglicher Vorstellung. Zur Zeit Katharinas gab es noch nicht einmal ein Telefon. Briefe waren die Kommunikationsmöglichkeit mit den Schwestern. Heute kann man im Normalfall davon ausgehen, dass der Brief am nächsten Tag beim Adressaten ankommt. Damals war das natürlich nicht so; da brauchte er schon ein paar Tage, und wenn er ins Ausland ging – selbst nur nach Holland – dann dauerte es auch schon mal eine Woche oder länger.

  
 
Kontaktpflege – für Katharina Kasper war der Kontakt zu ihren Schwestern ganz wichtig. Und auch in dieser Beziehung war sie sehr erfinderisch wie der folgende Brief zeigt. Schwester Fausta, die Adressatin, lebte und wirkte in Amstenrade/ Holland, einer vom Mutterhaus entfernten Filiale.


 
„Meine liebe Schwester Fausta,

Wie geht es denn noch in dem stillen, ruhigen Amstenrade? Hoffentlich noch gut mit Gott und seiner Gnade. Oft, ja sehr oft täglich mache ich Besuche bei Ihnen. Diese Besuche, die man zu jeder Zeit machen kann, sind mir ganz zur Gewohnheit geworden. Keine Entfernung und kein anderes Land hindert mich daran. O wie schön ist es doch, diese Reise und Besuche so leicht und ungestört machen zu können. …“ (Brief 206) 

Kontaktpflege – Katharina wusste genau und hatte oft diese Erfahrung gemacht, wie wirkungsvoll und wirkungsstark die Gedanken sind. Da ist schon was dran, wenn man schon mal fragt: „Haben dir nicht die Ohren geklungen?“, wenn man intensiv von jemanden gesprochen oder an jemanden gedacht hat. Positive Gedanken wirken positiv auf den anderen. Das gilt umgekehrt auch für negative Gedanken; die machen den anderen zu, unfrei. 

Kontaktpflege – in einer Zeit, in der sie keine anderen Möglichkeiten hatte, machte sich Katharina oft in Gedanken auf den Weg zu den Schwestern auf der Filiale. „Keine Entfernung und kein anderes Land hindert mich daran.“ Und wenn sie den Schwestern dann auf ihren Visitationsreisen begegnete, dann war es so, als hätten sie sich erst gestern gesehen. 

Wäre der gedankliche Besuch nicht auch mal eine Möglichkeit für uns heute? Wenn wir seiner Bedeutung vertrauen, dann wird der Kontakt vielleicht intensiver als durch jede SMS.
STH

Samstag, 12. August 2017

Grund zum Feiern!


Am Dienstag feiert die Katholische Kirche Maria Himmelfahrt.  Dieses Hochfest gilt auch als Gründungstag der Gemeinschaft der Armen Dienstmägde Jesu Christi. Am 15. August 1851 nämlich – also vor 166 Jahren – legten die ersten ADJC ihre ersten Gelübde ab und erhielten das Ordenskleid. 

In der Chronik der späteren Generalsekretärin Sr. M. Beata Breidenbach – Katharina Kasper hatte die Anfänge selbst diktiert -  kann man lesen:
„Im selben Jahr, den 15. August, wurden die ersten fünf eingetretenen Jungfrauen eingekleidet. Es waren diese: Katharina Kasper, Katharina Schönberger, Anna Maria Müller, Elisabetha Meuser und Elisabetha Haas. Dieselben wurden feierlich in Prozession von der Geistlichkeit und der Gemeinde in ihrer Wohnung abgeholt und zur Kirche geführt, wo sie vom Hochwürdigsten Herrn Bischof das Ordenskleid erhielten. Es hatte sich eine große Menge Volkes eingefunden aus der ganzen Gegend; da in dieser Gegen keine Ordensleute waren, hatten die guten Leute gar keinen Begriff und kannten nicht die Bedeutung dieses Festes. Der Hochwürdigste Herr sprach in seiner Predigt von der Entstehung unseres Vereins und Entwicklung desselben und daß, wenn Gott Wohlgefallen daran habe, derselbe zu einer Klostergemeinde später werde. An diesem Tage legten wir im Stillen unsere Gelübde vor dem Hochwürdigsten Herrn Bischof ab im Pfarrhause.“ 

Der spätere Superior der Gemeinschaft Johann Jakob Wittayer verfasste auch eine Chronik der ersten Jahre des frommen Vereins und der Ordensgemeinschaft. Er bringt noch ein paar andere Aspekte.
„Die als Vorsteherin für den Verein bestimmte Katharina Kasper legte am Feste der Himmelfahrt Mariä 1851 mit diesen 4 Jungfrauen die hl. Gelübde ab in die Hände des Hochwürdigsten Herrn Bischofs in der Pfarrkirche zu Wirges und erhielten von demselben das geweihte Kleid und neue Namen, und zwar die Vorsteherin Katharina Kasper den Namen Schwester Maria, Jungfrau Katharina Schönberger Schwester Theresia, Jungfrau Maria Müller Schwester Elisabeth, Jungfrau Elisabetha Meuser Schwester Clara, Jungfrau Elisabeth Haas Schwester Agnes. Die bisher schon wegen ihrer guten Krankenpflege, Anspruchslosigkeit und erbaulichen Aufführung geliebten, nah und fern zu den Kranken gerufenen Jungfrauen erhielten jetzt, erscheinend im Ordenskleide, noch mehr Ansehen und meldeten sich namentlich sehr viele Jungfrauen zum Eintritt in den Verein.“ 

Katharina Kasper sah immer Gott als Gründer ihrer Gemeinschaft. Sie selbst sah sich als demütiges Werkzeug in Seiner Hand. Von daher war ihre ganze Haltung geprägt. Von daher wurde sie nicht müde, ihre Schwestern zu ermutigen:
„Dem lieben Gott wollen wir danken, dass er in seiner unendlichen Liebe, Güte und Barmherzigkeit unsere Gemeinschaft hervorgerufen durch seine heilige Kirche, uns zu derselben berufen durch seine Gnade und Liebe und mit der Fülle seiner Gnade überhäufte im allgemeinen und eine jede insbesondere.“ (Brief 50) 

Wir freuen uns auch dieses Jahr auf die Feier unseres Gründungstages. Feiern Sie doch in Ihrem Herzen mit uns – vor allem: Danken Sie mit uns …
STH

Sonntag, 6. August 2017

Ausnahmezustand …


Haben Sie gestern einen Post vermisst??? Das tut mir gut!

Nein, ich bin nicht mehr im Urlaub, und ich hatte auch keinen Wasserunfall oder Ähnliches. 

Die letzten drei Tage befand sich unser Mutterhaus in einem Ausnahmezustand. Beide Server waren kaputt, das gesamte IT-System damit zusammengebrochen. Alle am PC-Arbeitenden Schwestern und Mitarbeiter waren lahm gelegt. So viel wie in diesen drei Tagen wurde noch nie aufgeräumt – Büros, Archive, Schreibtische … So viel Däumchen wurden noch nie gedreht – linksherum, rechtsherum. So viel Small Talks wurden noch nie zwischen Tür und Angel geführt – und damit Beziehungen geknüpft, aufgefrischt oder intensiviert. 

Das Erschreckende an diesem Ausnahmezustand: Wir erfuhren alle – oft grenzwertig – wie abhängig wir von der digitalen Welt geworden sind. Ohne PC ist ja nichts mehr möglich. 

Ja, wie würde Katharina Kasper reagiert haben? Sie wäre sicher wesentlich gelassener geblieben als so manche Mitschwester, sie wäre sicher wesentlich ruhiger geblieben als so mancher Mitarbeiter. Sicher hätte sie nach dem Sinn dieses Malheurs gefragt, in dem sie ganz sicher Ihn gesehen hätte. Deshalb: 

„Der heilige Wille Gottes geschehe in allem und über alles.“ (Brief 93) 

Vor allem hätte Katharina die Ruhe bewahrt und genau gewusst, was zu tun ist. Nämlich:

„Suchen wir diese Zeit gut zu nutzen zur Ehre Gottes.“ (Brief 154) 

Jetzt läuft wieder alles, und wir können die Arbeit am PC nutzen zur Ehre Gottes. Das fällt vielen sicher leichter.
STH

Samstag, 29. Juli 2017

Gewiss wundern Sie sich …


Katharina Kasper schreibt am 05. Juni 1887: 

„Ihre beiden Briefe sind hier angekommen. Ich schreibe Ihnen jetzt nur ein Lebenszeichen von hier. Ich war ebenfalls über 3 Wochen auf Reise, und heute Abend kommt der Hochwürdigste Herr Bischof hier an. Dienstag, den 7ten, haben wir Einkleidung und Gelübdeablegung und stecken somit ganz tief drin, wie Sie aus Erfahrung wissen. Gewiss wundern Sie sich, dass ich Ihnen noch schreiben kann, nicht wahr? Wir kleiden ein 22 Postulantinnen, und dreiundvierzig Novizinnen legen ihre Gelübde ab. Die Exerzitien mitzumachen ist Erholung für mich; aber alle fehlenden Lücken auszufüllen, kostet Mühe und macht allezeit Sorgen. Wir haben noch viele Postulantinnen, welche eintreten, und dennoch immer nicht genug. Sonst geht es nach Gottes heiligem Willen noch gut. Ich habe unsere lieben Schwestern in Westfalen besucht; denselben ging es noch gut. … Es kostet uns armen Menschenkindern Mühe, und wir müssen viel beten, dulden, uns selbst verleugnen …, damit wir nur noch leben und wirken für Gott und den Beruf. Viel und fromm müssen wir beten mit- und füreinander,…“ (Brief 122)

Samstag, 22. Juli 2017

Was will man mehr?


Katharina Kasper schreibt am 03. Januar 1883: 

„ … wir haben es ja schon alle erfahren, dass unsere Seele eher keine Ruhe findet, bis dass sie Ruhe gefunden in Gott. Um dahin zu gelangen, müssen wir recht üben das Gebet. Beten wir immer, beten wir allezeit, wie der hl. Apostel Paulus sagt, betet allezeit, möget ihr essen oder trinken, arbeiten und euch erholen, alles soll Gebet sein (vgl. 1 Kor 10,31). Wandeln wir so in Gottes Gegenwart, dass Sie alle Ihre Berufspflichten gut verrichten und der liebe Gott alles sehen kann. Suchen wir dem lieben Gott allein gefallen zu wollen, Seine Ehre zu fördern, so gelangen wir zur Vereinigung mit dem lieben Gott. Wir finden Frieden, Ruhe in unseren Seelen, Ergebung in den göttlichen Willen. Ja, dann leben wir in Frieden miteinander, mit unseren Pflegebefohlenen und mit allen Menschen, mit denen wir durch unseren Beruf zusammengeführt werden. Dann werden wir sagen: Der heilige Wille Gottes ist und soll mein Alles sein. Alles will ich nur begehren und wünschen nach dem heiligen Willen Gottes. …“ (Brief 72)

Samstag, 15. Juli 2017

Wollen Sie nicht ein paar Tage Urlaub machen?


Jesus, Maria, Josef 

Liebe Schwester Firmata, 

Die Schwester Angelona soll Schwester Canisia ersetzen. Dieselbe ist eine gewandte Krankenschwester, wie ich gesagt bekommen, auch noch recht gesund. Wir wollen nun hoffen, dass es gut geht. Die Schwestern sagen mir, Sie wären so elend. Wollen Sie nicht auf ein paar Tage oder Wochen nach Königstein gehen oder auch hierher kommen, dann geht es vielleicht besser. Was nun die Schwester für Gelsenkirchen anbelangt, so tun Sie, wie es geht. Wenn nicht, so müssen dieselben bis zur Einkleidung warten. Noch notwendiger hätten die Königsteiner eine Schwester. Vielleicht hätten Sie eine für dorthin, die sich auch zugleich etwas erholen könnte in dortiger Luft, bis wir einkleiden können. Was ist man doch beständig in Not, weil überall Zuwachs verlangt wird, was ja einerseits gut ist. Sonst noch alles beim alten. Schon im Voraus wünsche ich ein gesegnetes Osterfest. Hier viel Sorgen und Arbeit. Aber alles für Gott, so ist ja alles gut. Es freuen mich so sehr die Schwestern, welche im Berufe aus Liebe zu Gott arbeiten und ihn allein suchen. Es grüßet und empfiehlt Sie mit allen lieben Schwestern den heiligsten Herzen Jesu und Maria 

                                                                                              Ihre
 Dernbach, den 20/3/85                                             unwürdige

                                                                                              Mutter Maria

                                                                                              a. D. Ch.
 

(Brief 100)