Katharina adlergleich

Katharina adlergleich
Vergiss nicht, dass du Flügel hast ...

Samstag, 23. September 2017

… was recht ist

„Ich werde euch geben, was recht ist.“ Erinnern Sie sich? Das sagte der Gutsbesitzer zu den Männern, die er um die dritte, sechste und neunte Stunde zur Arbeit in seinem Weinberg anheuerte. Das ist schon eine clevere Antwort, finden Sie nicht? Wenn er ihnen gesagt hätte, dass auch sie einen Denar bekommen, dann wäre es schon früher zur Meuterei gekommen. 

Und man muss auch sagen, dass die Arbeiter ein ganz schönes Vertrauen mitbrachten, dass der Gutsbesitzer sie nicht übers Ohr haut. „Ich werde euch geben, was recht ist“ – und das kurz vor Zwölf? Er gibt ihnen einen Denar und ist damit echt großzügig. 


Wir wissen ja nun, dass mit dem Gutsbesitzer Gott gemeint ist. Und der will nun mal nur das Gute für uns, das, was recht ist. Der ist nun mal großzügig und lohnt jeden guten Willen, den wir zeigen. 

Genau davon war Katharina Kasper geprägt. Ihr Vertrauen ist beispiellos und grenzenlos.

„Haben wir doch ganz besonders ein großes Gottvertrauen auf Gottes Macht und Barmherzigkeit, und wir werden nicht zu Schanden werden.“ (Brief 45) Genau aus diesem Grund wäre Katharina auch noch zu später Stunde in den Weinberg gegangen.

„Wir wollen auf den Herrn vertrauen und dabei tun, was wir können.“ (Brief 98) Passt das nicht auch gut zu unseren Arbeitern im Weinberg? Geheuert werden wir immer und zu jeder Stunde. Und wir bekommen, was recht ist. Wir müssen nur Vertrauen haben und tun, was wir können, also unseren guten Willen zeigen. 

Für Katharina gilt immer: „Wir müssen anbeten die Vorsehung. Gott weiß am besten, wo es fehlt und wie es am besten ist.“ (Brief 66) Wenn wir auch nur ein bisschen von diesem  Vertrauen hätten, könnten wir ganz gelassen unseren Alltag leben.
STH

Samstag, 16. September 2017

Reißt das Beispiel fort?


Gehören Sie auch zu der Generation, der immer wieder gesagt wurde: „Du musst ein gutes Beispiel geben.“? Wenn der Vater den Joghurtbecherdeckel in aller Öffentlichkeit ableckt, dann wird das sein Filius auch tun. 

Als ich dann in der Schule tätig war, lernte ich, dass das wirklich stimmt: Der Sohnemann leckt den Deckel ab – sehr zum Ärger des Umfeldes. Ich musste aber auch lernen, dass das gute Beispiel nicht nur nicht nachgeahmt wird; es wird noch nicht einmal wahrgenommen. 

Daran muss ich bei dem Evangelium am Sonntag denken. Da gewährt der Gutsverwalter dem Diener, der ihm eine Riesenmenge Geld schuldet, den Schuldenerlass und lässt ihn mit einer Mahnung gehen. Der Diener aber bleibt seinem Kumpel gegenüber, der ihm vergleichsweise wenig Geld schuldet, gnadenlos. Er lässt ihn sogar ins Gefängnis werfen.  

„Worte bewegen; Beispiele aber reißen fort.“ (Brief 108) Das sagt Katharina Kasper. Sie hat diese Erfahrung gemacht. Viele junge Frauen, die sie erlebten, nahmen sie sich zum Beispiel, ließen sich mitreißen und traten in die Gemeinschaft ein.  

Im Brief an Schwester Centolla geht es um das Beispiel, das die Vorgesetzte ihren Schwestern sein soll: „Tragen Sie, meine gute Schwester, recht Sorge … dass immer Friede, Eintracht und Liebe miteinander geübt wird. Jeden Tag müssen wir anfangen, fortsetzen, als sei er der erste und der letzte, am Morgen beten, um die Gnade zu erlangen, welche Sie für sich und Ihre Mitschwestern bedürfen und notwendig haben  ... Worte bewegen, aber Beispiele reißen fort. " (Brief 65) 

Wie wichtig dieses Wort Katharina ist, zeigt sich daran, dass es noch einmal in ihren Briefen auftaucht – in einem anderen Zusammenhang: „Wir … beten, arbeiten, pflegen die Kranken, suchen den Kindern nützlich zu werden und eine gute Erziehung zu erzielen, besonders aber unsere eigene Heiligung zu erstreben, welches ja auch das Erste und Notwendigste ist. Worte bewegen ja nur, aber das Beispiel reißt uns fort. So wollen wir uns denn bemühen, recht fromm … zu leben und zu wirken, zur größeren Ehre Gottes ... “ (Brief 179) Hier geht es also um die Menschen, die mir anvertraut sind, die sich an mir orientieren.
 


„Worte bewegen ja nur, aber das Beispiel reißt uns fort.“ Diese Erfahrung haben wir sicher alle schon gemacht: Worte bewirken nicht viel bei den Menschen, die uns wichtig sind. Im günstigsten Fall lassen sie sich bewegen. Aber die, denen wir ein Stück Orientierung sein sollen, dürfen, müssen, - die orientieren sich vor allem an unserem Tun. Denken Sie an Vater und Sohn mit ihrem Joghurtbecherdeckel. 

Vielleicht reißt das Beispiel nicht fort. Aber steter Tropfen höhlt den Stein. Wir müssen eben Geduld und Liebe haben.
STH

Samstag, 9. September 2017

Wo zwei oder drei …


Zurzeit wütet der Hurrikan Irma in der Karibik. Ganze Inseln, wie zum Beispiel Saint Martin, werden in „Schutt und Asche“ gelegt. Menschen bangen um ihr Leben. Mexiko wurde von einem schweren Erdbeben heimgesucht, und die Menschen haben Angst vor den Nachbeben, die oft schlimmer sind, und dazu kommt noch die Warnung vor einem Wirbelsturm, der Kurs nimmt auf die mexikanische Küste. 

Die dunklen Wolken ziehen sich immer mehr zusammen. Der hl. Wille Gottes möge in allem geschehen. Beten wir viel für- und miteinander.“ (Brief 55) 

Mit den „dunklen Wolken“ meinte Katharina Kasper damals den Kulturkampf. „Dunkle Wolken“ sind auch Irma und die Erdbeben.

Füreinander beten, miteinander beten – in fast jedem der uns erhaltenen Briefe von Katharina fordert sie dazu auf. 

… wie dunkel liegt die Zukunft vor uns. Beten wir doch viel, viel für- und miteinander in diesen harten Zeiten, damit wir keinen Schaden leiden ...“ (Brief 61) 

Heute Morgen kam ein Anruf unserer Schwestern aus Mexiko: „Betet für uns, das wir glimpflich davon kommen.“ 

Füreinander beten – die eigene Erfahrung zeigt, wie wichtig das fürbittende Gebet ist. Wenn ich nichts anderes tun kann, wenn mir die Hände gebunden sind, wenn ich vollkommen ohnmächtig bin, - so habe ich doch die mächtigste Waffe, die es gibt: das Gebet. Das vertrauende fürbittende Gebet vermag wirklich, Berge zu versetzen. 

Miteinander beten – Gott will gebeten werden, Gott lässt sich bitten, Gott hört die inständigen Bitten vieler. Miteinander sind wir stark – das gilt auch für das Gebet. Wenn Gott sieht, dass viele im gleichen Anliegen bitten, dann kann er nicht anders, dann muss er helfen. 

Wenn wir so denken, wenn wir so vertrauen, dann tun wir genau das, was das Sonntagsevangelium uns nahebringt. Da heißt es nämlich:

„Alles, was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Mt 18, 19-20) 

Katharina Kasper wusste von der Wirkmacht des Gebetes, sie vertraute total auf das Gebet. Letztlich geht es ihr immer darum:

„Wir wollen denn beten für- und miteinander, dass Gottes heiliger Wille in allem und überall geschehen möge.“  (Brief 132) 

Beten Sie bitte mit uns für die Menschen in Mexiko.
STH

Samstag, 26. August 2017

Hätten Sie´s gewusst?


Heute lesen Sie den 300. Post dieses Blogs „Katharina adlergleich“! Wahnsinn, oder?
Seit sechs Jahren erzähle ich Ihnen jeden Samstag etwas über Katharina Kasper. 

Wetten, dass Sie nicht viel von Katharina Kasper wissen?  
 
Erinnern Sie sich? So habe ich vor sechs Jahren angefangen. Heute kann ich diese Wette nicht mehr wagen; denn wenn Sie damals noch nichts wussten und Sie sind heute noch dabei, dann ist diese Bildungslücke in der Tat geschlossen worden. 

Sie haben in diesen sechs Jahren und 300 Posts gelesen und erfahren, dass Katharina wirklich eine Powerfrau ist, die wirklich reicher ist als Aldi und Bill Gates zusammen, die freier ist als alle Vögel am Himmel, die viele Töchter – und heute auch Söhne – hat, die Managerin eines internationalen Unternehmens ist und es trotz dürftiger Schulbildung mit Politikern und Kirchenfürsten aufnehmen konnte. Sie haben erlebt, dass Katharina heute lebendiger ist als vor 100 Jahren. 

Sechs Jahre, 300 Posts – täglich sind im Schnitt 25 Personen auf der Seite, so die Mitteilung der Statistik. Mitte August durfte ich stolze 33.756 Besucher vorweisen. Irgendwann habe ich ja den Übersetzungsbutton eingesetzt. Seitdem bin ich jedes Mal neu erstaunt, aus welchen Ländern die Menschen auf diesen Blog zugreifen. Natürlich Deutschland und ganz viel USA, dann Frankreich, Niederlande, Spanien, Brasilien, Schweiz, Rumänien, Russland, Indien, Österreich, England, Irland, Schweiz, Dänemark, Ukraine, China, Polen … Da staunen Sie, nicht wahr? Mit Sicherheit habe ich jetzt Länder vergessen. 

„Katharina adlergleich“ – eine Erfolgsstory, so kann ich sicher mit bescheidenem Stolz behaupten. 

Ich gebe zu, dass ich immer mal wieder darüber nachdenke, ob ich nicht aufhören sollte. Nicht, weil es nichts mehr über Katharina zu sagen gäbe. Da käme man sicher nie an ein Ende. Meine Arbeit in der Gemeinschaft hat sich verändert, mein Zeitfenster ist kleiner geworden, und ich möchte den Post nicht nur flüchtig hinschmieren, damit etwas da steht. 

Und dann sehe ich wieder, wie viele Menschen jeden Tag auf den Blog zugreifen …
Heißt das nicht im Klartext, Sie wollen etwas von Katharina hören?

Aber es ist gut, dass wir mal darüber gesprochen haben. Dann sind Sie nicht zu überrascht, wenn es plötzlich passieren sollte … 

Auf jeden Fall tröste ich mich mit Katharinas Wort:
„Wenn wir tun, was wir können, so ist der liebe Gott zufrieden.“ (Brief 65)
Und darauf kommt es ja letztlich an, nicht wahr? 

Danke für Ihre Treue. Machen wir weiter …
STH


Wichtige Info! In der kommenden Woche bin ich nicht zu Hause. Ich werde an einem Ort sein, an dem ich digital total im Abseits stehe. So etwas gibt es wirklich noch. Den Post am kommenden Samstag kann ich von daher nicht liefern. Aber in zwei Wochen kommt Katharina wieder zu Ihnen.

Samstag, 19. August 2017

Kontaktpflege alá Katharina


Kontaktpflege – zu allen Zeiten war das wichtig, heute ebenso wie damals. Allerdings haben sich die Formen und Möglichkeiten verändert. Von WhatsApp, SMS und Email hätte man im 19. Jahrhundert noch nicht einmal zu träumen gewagt. Das war jenseits jeglicher Vorstellung. Zur Zeit Katharinas gab es noch nicht einmal ein Telefon. Briefe waren die Kommunikationsmöglichkeit mit den Schwestern. Heute kann man im Normalfall davon ausgehen, dass der Brief am nächsten Tag beim Adressaten ankommt. Damals war das natürlich nicht so; da brauchte er schon ein paar Tage, und wenn er ins Ausland ging – selbst nur nach Holland – dann dauerte es auch schon mal eine Woche oder länger.

  
 
Kontaktpflege – für Katharina Kasper war der Kontakt zu ihren Schwestern ganz wichtig. Und auch in dieser Beziehung war sie sehr erfinderisch wie der folgende Brief zeigt. Schwester Fausta, die Adressatin, lebte und wirkte in Amstenrade/ Holland, einer vom Mutterhaus entfernten Filiale.


 
„Meine liebe Schwester Fausta,

Wie geht es denn noch in dem stillen, ruhigen Amstenrade? Hoffentlich noch gut mit Gott und seiner Gnade. Oft, ja sehr oft täglich mache ich Besuche bei Ihnen. Diese Besuche, die man zu jeder Zeit machen kann, sind mir ganz zur Gewohnheit geworden. Keine Entfernung und kein anderes Land hindert mich daran. O wie schön ist es doch, diese Reise und Besuche so leicht und ungestört machen zu können. …“ (Brief 206) 

Kontaktpflege – Katharina wusste genau und hatte oft diese Erfahrung gemacht, wie wirkungsvoll und wirkungsstark die Gedanken sind. Da ist schon was dran, wenn man schon mal fragt: „Haben dir nicht die Ohren geklungen?“, wenn man intensiv von jemanden gesprochen oder an jemanden gedacht hat. Positive Gedanken wirken positiv auf den anderen. Das gilt umgekehrt auch für negative Gedanken; die machen den anderen zu, unfrei. 

Kontaktpflege – in einer Zeit, in der sie keine anderen Möglichkeiten hatte, machte sich Katharina oft in Gedanken auf den Weg zu den Schwestern auf der Filiale. „Keine Entfernung und kein anderes Land hindert mich daran.“ Und wenn sie den Schwestern dann auf ihren Visitationsreisen begegnete, dann war es so, als hätten sie sich erst gestern gesehen. 

Wäre der gedankliche Besuch nicht auch mal eine Möglichkeit für uns heute? Wenn wir seiner Bedeutung vertrauen, dann wird der Kontakt vielleicht intensiver als durch jede SMS.
STH

Samstag, 12. August 2017

Grund zum Feiern!


Am Dienstag feiert die Katholische Kirche Maria Himmelfahrt.  Dieses Hochfest gilt auch als Gründungstag der Gemeinschaft der Armen Dienstmägde Jesu Christi. Am 15. August 1851 nämlich – also vor 166 Jahren – legten die ersten ADJC ihre ersten Gelübde ab und erhielten das Ordenskleid. 

In der Chronik der späteren Generalsekretärin Sr. M. Beata Breidenbach – Katharina Kasper hatte die Anfänge selbst diktiert -  kann man lesen:
„Im selben Jahr, den 15. August, wurden die ersten fünf eingetretenen Jungfrauen eingekleidet. Es waren diese: Katharina Kasper, Katharina Schönberger, Anna Maria Müller, Elisabetha Meuser und Elisabetha Haas. Dieselben wurden feierlich in Prozession von der Geistlichkeit und der Gemeinde in ihrer Wohnung abgeholt und zur Kirche geführt, wo sie vom Hochwürdigsten Herrn Bischof das Ordenskleid erhielten. Es hatte sich eine große Menge Volkes eingefunden aus der ganzen Gegend; da in dieser Gegen keine Ordensleute waren, hatten die guten Leute gar keinen Begriff und kannten nicht die Bedeutung dieses Festes. Der Hochwürdigste Herr sprach in seiner Predigt von der Entstehung unseres Vereins und Entwicklung desselben und daß, wenn Gott Wohlgefallen daran habe, derselbe zu einer Klostergemeinde später werde. An diesem Tage legten wir im Stillen unsere Gelübde vor dem Hochwürdigsten Herrn Bischof ab im Pfarrhause.“ 

Der spätere Superior der Gemeinschaft Johann Jakob Wittayer verfasste auch eine Chronik der ersten Jahre des frommen Vereins und der Ordensgemeinschaft. Er bringt noch ein paar andere Aspekte.
„Die als Vorsteherin für den Verein bestimmte Katharina Kasper legte am Feste der Himmelfahrt Mariä 1851 mit diesen 4 Jungfrauen die hl. Gelübde ab in die Hände des Hochwürdigsten Herrn Bischofs in der Pfarrkirche zu Wirges und erhielten von demselben das geweihte Kleid und neue Namen, und zwar die Vorsteherin Katharina Kasper den Namen Schwester Maria, Jungfrau Katharina Schönberger Schwester Theresia, Jungfrau Maria Müller Schwester Elisabeth, Jungfrau Elisabetha Meuser Schwester Clara, Jungfrau Elisabeth Haas Schwester Agnes. Die bisher schon wegen ihrer guten Krankenpflege, Anspruchslosigkeit und erbaulichen Aufführung geliebten, nah und fern zu den Kranken gerufenen Jungfrauen erhielten jetzt, erscheinend im Ordenskleide, noch mehr Ansehen und meldeten sich namentlich sehr viele Jungfrauen zum Eintritt in den Verein.“ 

Katharina Kasper sah immer Gott als Gründer ihrer Gemeinschaft. Sie selbst sah sich als demütiges Werkzeug in Seiner Hand. Von daher war ihre ganze Haltung geprägt. Von daher wurde sie nicht müde, ihre Schwestern zu ermutigen:
„Dem lieben Gott wollen wir danken, dass er in seiner unendlichen Liebe, Güte und Barmherzigkeit unsere Gemeinschaft hervorgerufen durch seine heilige Kirche, uns zu derselben berufen durch seine Gnade und Liebe und mit der Fülle seiner Gnade überhäufte im allgemeinen und eine jede insbesondere.“ (Brief 50) 

Wir freuen uns auch dieses Jahr auf die Feier unseres Gründungstages. Feiern Sie doch in Ihrem Herzen mit uns – vor allem: Danken Sie mit uns …
STH

Sonntag, 6. August 2017

Ausnahmezustand …


Haben Sie gestern einen Post vermisst??? Das tut mir gut!

Nein, ich bin nicht mehr im Urlaub, und ich hatte auch keinen Wasserunfall oder Ähnliches. 

Die letzten drei Tage befand sich unser Mutterhaus in einem Ausnahmezustand. Beide Server waren kaputt, das gesamte IT-System damit zusammengebrochen. Alle am PC-Arbeitenden Schwestern und Mitarbeiter waren lahm gelegt. So viel wie in diesen drei Tagen wurde noch nie aufgeräumt – Büros, Archive, Schreibtische … So viel Däumchen wurden noch nie gedreht – linksherum, rechtsherum. So viel Small Talks wurden noch nie zwischen Tür und Angel geführt – und damit Beziehungen geknüpft, aufgefrischt oder intensiviert. 

Das Erschreckende an diesem Ausnahmezustand: Wir erfuhren alle – oft grenzwertig – wie abhängig wir von der digitalen Welt geworden sind. Ohne PC ist ja nichts mehr möglich. 

Ja, wie würde Katharina Kasper reagiert haben? Sie wäre sicher wesentlich gelassener geblieben als so manche Mitschwester, sie wäre sicher wesentlich ruhiger geblieben als so mancher Mitarbeiter. Sicher hätte sie nach dem Sinn dieses Malheurs gefragt, in dem sie ganz sicher Ihn gesehen hätte. Deshalb: 

„Der heilige Wille Gottes geschehe in allem und über alles.“ (Brief 93) 

Vor allem hätte Katharina die Ruhe bewahrt und genau gewusst, was zu tun ist. Nämlich:

„Suchen wir diese Zeit gut zu nutzen zur Ehre Gottes.“ (Brief 154) 

Jetzt läuft wieder alles, und wir können die Arbeit am PC nutzen zur Ehre Gottes. Das fällt vielen sicher leichter.
STH

Samstag, 29. Juli 2017

Gewiss wundern Sie sich …


Katharina Kasper schreibt am 05. Juni 1887: 

„Ihre beiden Briefe sind hier angekommen. Ich schreibe Ihnen jetzt nur ein Lebenszeichen von hier. Ich war ebenfalls über 3 Wochen auf Reise, und heute Abend kommt der Hochwürdigste Herr Bischof hier an. Dienstag, den 7ten, haben wir Einkleidung und Gelübdeablegung und stecken somit ganz tief drin, wie Sie aus Erfahrung wissen. Gewiss wundern Sie sich, dass ich Ihnen noch schreiben kann, nicht wahr? Wir kleiden ein 22 Postulantinnen, und dreiundvierzig Novizinnen legen ihre Gelübde ab. Die Exerzitien mitzumachen ist Erholung für mich; aber alle fehlenden Lücken auszufüllen, kostet Mühe und macht allezeit Sorgen. Wir haben noch viele Postulantinnen, welche eintreten, und dennoch immer nicht genug. Sonst geht es nach Gottes heiligem Willen noch gut. Ich habe unsere lieben Schwestern in Westfalen besucht; denselben ging es noch gut. … Es kostet uns armen Menschenkindern Mühe, und wir müssen viel beten, dulden, uns selbst verleugnen …, damit wir nur noch leben und wirken für Gott und den Beruf. Viel und fromm müssen wir beten mit- und füreinander,…“ (Brief 122)

Samstag, 22. Juli 2017

Was will man mehr?


Katharina Kasper schreibt am 03. Januar 1883: 

„ … wir haben es ja schon alle erfahren, dass unsere Seele eher keine Ruhe findet, bis dass sie Ruhe gefunden in Gott. Um dahin zu gelangen, müssen wir recht üben das Gebet. Beten wir immer, beten wir allezeit, wie der hl. Apostel Paulus sagt, betet allezeit, möget ihr essen oder trinken, arbeiten und euch erholen, alles soll Gebet sein (vgl. 1 Kor 10,31). Wandeln wir so in Gottes Gegenwart, dass Sie alle Ihre Berufspflichten gut verrichten und der liebe Gott alles sehen kann. Suchen wir dem lieben Gott allein gefallen zu wollen, Seine Ehre zu fördern, so gelangen wir zur Vereinigung mit dem lieben Gott. Wir finden Frieden, Ruhe in unseren Seelen, Ergebung in den göttlichen Willen. Ja, dann leben wir in Frieden miteinander, mit unseren Pflegebefohlenen und mit allen Menschen, mit denen wir durch unseren Beruf zusammengeführt werden. Dann werden wir sagen: Der heilige Wille Gottes ist und soll mein Alles sein. Alles will ich nur begehren und wünschen nach dem heiligen Willen Gottes. …“ (Brief 72)

Samstag, 15. Juli 2017

Wollen Sie nicht ein paar Tage Urlaub machen?


Jesus, Maria, Josef 

Liebe Schwester Firmata, 

Die Schwester Angelona soll Schwester Canisia ersetzen. Dieselbe ist eine gewandte Krankenschwester, wie ich gesagt bekommen, auch noch recht gesund. Wir wollen nun hoffen, dass es gut geht. Die Schwestern sagen mir, Sie wären so elend. Wollen Sie nicht auf ein paar Tage oder Wochen nach Königstein gehen oder auch hierher kommen, dann geht es vielleicht besser. Was nun die Schwester für Gelsenkirchen anbelangt, so tun Sie, wie es geht. Wenn nicht, so müssen dieselben bis zur Einkleidung warten. Noch notwendiger hätten die Königsteiner eine Schwester. Vielleicht hätten Sie eine für dorthin, die sich auch zugleich etwas erholen könnte in dortiger Luft, bis wir einkleiden können. Was ist man doch beständig in Not, weil überall Zuwachs verlangt wird, was ja einerseits gut ist. Sonst noch alles beim alten. Schon im Voraus wünsche ich ein gesegnetes Osterfest. Hier viel Sorgen und Arbeit. Aber alles für Gott, so ist ja alles gut. Es freuen mich so sehr die Schwestern, welche im Berufe aus Liebe zu Gott arbeiten und ihn allein suchen. Es grüßet und empfiehlt Sie mit allen lieben Schwestern den heiligsten Herzen Jesu und Maria 

                                                                                              Ihre
 Dernbach, den 20/3/85                                             unwürdige

                                                                                              Mutter Maria

                                                                                              a. D. Ch.
 

(Brief 100)

Samstag, 8. Juli 2017

Den andern im Blick, sich selber nicht schonend


Katharina Kasper schreibt im Juni 1876: 

„… Ich weiß nicht, dass sie ewig über Arbeitskräfte klagen und sind doch 7 Novizinnen dort. Schw. Servula und Odilia: letztere wollen Sie gut in acht nehmen. Sie wollen dieselbe grüßen und ihr sagen, es sei für sie besser, im Mutterhaus zu bleiben und sich ganz zu erholen. … Ich bin, so Gott will, Fronleichnam in Fürstenberg, Freitag in Westheim, Sonntag, so Gott will, in Medebach, also den Schluss von Westfalen. Wäre ich noch rüstiger, so reiste ich noch nach Forst und Pförten. So muss ich sehen, ob ich nach Wipperfürth, Engelskirchen und Bensberg komme. Den Schwestern geht es noch gut. Alle lassen bestens grüßen. …“ (Brief 55)

 

Samstag, 1. Juli 2017

Reif für die Insel


Sie kennen das auch – da bin ich mir ganz sicher: Vieles von dem, was Sie anpacken, geht schief; alles geht viel langsamer von der Hand; Kleinigkeiten bringen Sie unter die Decke; Sie haben zu nichts mehr Lust; alles ist zu viel. All das ist ein sicherer Beweis dafür, dass Sie reif sind für die Insel – oder zumindest reif für die Ferien. 

Mir geht es im Moment so, und ich freue mich riesig auf den kommenden Mittwoch – da geht es nämlich auf die Insel. 

Ob Katharina Kasper auch schon mal solche Gefühle hatte? 

Eines ist sicher: Immer hat sie die anderen im Blick. Sie sieht sofort, wenn es dem Spiritual oder der Mitschwester schlecht geht; und immer fällt ihr etwas ein, wie sie dem anderen gut sein kann, seine Lage erleichtern kann. Und wenn es auch nur ein so scheinbar banaler Ratschlag ist: „Nun lassen Sie auch Ihre Beinerchen etwas ruhen. Sie haben gewiss genug Kartöffelchen.“ (Brief 91) 

Aber wie schaut es mit Katharina selber aus? Sie hat ja ein riesiges Arbeitspensum, sie hat ja gerade Strapazen genug – heute würden wir sagen: Sie hat ja gerade Stress genug. Und dann kommen solche Aussagen: „Ich bin seit gestern hier in Godesberg und könnte so gut die Kur hier gebrauchen, weil dasselbe Wasser hier ist wie in Schwalbach. Doch ist es mir so verlorene Zeit und ich denke, es nützt mir doch nichts bei meinen beständigen Strapazen. Ruhe mit angenehmer Beschäftigung ist mir ebenso eine gute Arznei.“ (Brief 62) 

Da klingt Katharinas Geheimnis an: Ruhe. Und das ist offensichtlich etwas, was sie durchaus in ihren Alltag einbauen kann. „O wenn der gute Gott mir nicht die Gnade der Ruhe und Ergebung verliehe, so möchte man alsmal sagen, es ist zu viel.“ (Brief 16) Katharina lebt und pflegt ihre Beziehung zu Gott, und damit wird sie ganz offen und empfänglich für diese Gnade, die er ihr gibt. Und wenn sie in ihm ruht und seine Gegenwart genießt (vgl. Brief 67), dann schöpft sie daraus neue Kraft und neue Energie.  
 
 
Wahrscheinlich geht es Ihnen da wie mir: Davon bin ich noch weit entfernt. Manchmal gelingt mir das. Aber irgendwann kommt der Zeitpunkt, „so möchte [ich] … sagen, es ist zuviel.“ Und dann tut es gut, die Segel zu streichen und ein paar Wochen an andere Ufer zu schippern. Ich freue mich drauf. 

Auch Ihnen wünsche ich schöne Ferien, eine gute Auszeit vom stressigen Alltag, damit es danach wieder mit frischer Energie heißt: „Alles zur größeren Ehre Gottes.“
STH

Samstag, 24. Juni 2017

Liebesbeweis Gottes


Gestern hat die Katholische Kirche das Herz-Jesu-Fest gefeiert. Das Fest wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von Papst Pius IX. eingeführt. Katharina Kasper hat das also miterlebt. Die Herz-Jesu-Verehrung ist aber viel älter. Im 17. Jahrhundert  gab es eine Ordensschwester mit Namen Margareta Maria Alacoque (1647-1690). Aus den Jahren 1673 bis 1675 sind vier Visionen überliefert, in denen ihr Christus erschienen sein soll, der auf sein Herz deutete. Fortan setzte sie sich für ein Herz-Jesu-Fest ein, was sich allerdings als sehr schwierig erwies. 

Der Ursprung der Verehrung liegt im Johannesevangelium. Dort steht geschrieben, der römische Hauptmann habe nach dem Tod Jesu mit seiner Lanze eine Seite von dessen Körper und damit zugleich sein Herz durchbohrt, um so den Tod festzustellen. Dabei strömten Wasser und Blut aus dem Körper Jesu. Sie stehen stellvertretend für das Leiden Jesu, der für die Menschen gestorben ist und sie dadurch erlöst hat. 

Das Herz Jesu ist also ein Zeichen seiner unendlichen Liebe, mit der er uns beschenkt. Damit wird Jesus zu einem Liebesbeweis Gottes an uns Menschen. 
 

 
Auch Katharina Kasper verehrte das Herz Jesu. Es wird von ihr berichtet, dass sie sich bei Lobreden gerne ins hl. Herz Jesu verbarg, „wo man dann gar nichts mehr hört,“ wie sie einmal selbst erzählte. (Aurelia, S. 7) 

In ihren Briefen erwähnt sie das Herz Jesu nicht so häufig. Aber die wenigen Male, die sie das tut, machen deutlich, wie sehr sie von der Liebeskraft dieses Herzens überzeugt ist, wie sehr sie an die Gnadenkraft glaubt, die von dem göttlichen Herzen ausgeht. 

„Es geht mir noch gut, wenn ich mit meinem Bündelchen Kreuzchen ins liebe Herz Jesu mich flüchte und bei meiner lieben Mutter bleibe. Halten wir uns ruhig und bewahren unter allen Verhältnissen den Frieden unserer Seele. Auf Regen folgt Sonnenschein.“ (Brief 17) 

Sie wendet sich auch betend an das Herz Jesu – voller Vertrauen und sicher, dass sie erhört wird. „Wiederholen wir jeden Tag … mit wenigen Worten die kleine, demütige, aber kindliche und großmütige Hingabe an Gott und das göttliche Herz Jesu. Flehen wir zu demselben, dass er unsre Hingabe annehmen wolle, uns belebe und beseele, in uns leben und wirken möge nach seinem Wohlgefallen; dass er in und mit uns beten, in und mit uns arbeiten, in und mit uns leiden, in und mit uns kämpfen wolle …“ (Brief 97) 

Ein solches Vertrauen kann nur Ruhe und Gelassenheit schenken, finden Sie nicht auch? Gott schenkt uns seinen Liebesbeweis, damit wir vertrauen …
STH

Samstag, 17. Juni 2017

Katharina, eine Unternehmerin in ihrer Zeit


Katharina Kaspers Projekt war schon zu ihren Lebzeiten ein expandierendes mittelständisches Unternehmen.  

Das galt nicht nur für die beständig wachsende Kernbelegschaft, sondern auch für die zunehmende Zahl der Institutionen, die betrieben wurden: Krankenhäuser, Schulen, Kinderheime und Ambulanzdienste. Dies wiederum bedeutete eine steigende Zahl der Mitarbeitenden und der Menschen, für die Katharina Verantwortung trug. Die finanzielle Seite eines solchen Unternehmens war damals nicht einfacher als heute. 

Katharina Kasper war 47 Jahre lang unangefochtene Leiterin dieses Betriebes. Das ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass dies eine demokratische Entscheidung der Belegschaft war. 

Bei einer solch beeindruckenden Bilanz tut sich die Frage nach ihrem Führungsstil auf, der ja sicher zu ihrem großen Erfolg beitrug.

Ich möchte ein paar Punkte benennen, ohne Beispiele anzuführen. Das würde unseren Rahmen hier sprengen. 

  1. Katharina entscheidet situationsgerecht und macht ihre Amtsausübung transparent Heute spricht man so viel von Transparenz. Im 19. Jh. war das nicht üblich. Für KK war es selbstverständlich, ihre Entscheidungen offen zu legen; denn Machtstreben und Eigenmächtigkeit waren ihr fremd.
  2. Sie entscheidet unparteiisch Katharina entscheidet stets ohne Ansehen der Person. Bevorzugungen irgendeiner Art gibt es bei ihr nicht. Das gilt auch für höher stehende Persönlichkeiten, z.B. die Stifter/innen einer Niederlassung.
  3. Sie kann delegieren und Hilfe annehmen Dies  ist schon deshalb von ungeheurer Wichtigkeit, weil Katharina oft große Visitationsreisen machte, die sie lange von zu Hause fortführte.
  4. Sie ermöglicht ihren Mitarbeiterinnen (= Schwestern) eigenständiges Handeln.
  5. Sie ist bereit, in wichtigen Angelegenheiten die letzte Verantwortung zu tragen. Das gilt vor allem dann, wenn andere die Ausführenden sind oder waren. Sie hat dann durchaus den Mut, Entscheidungen der Assistentinnen oder Oberinnen abzuändern, wenn nötig. Sie setzt sich auch durchaus mit ihrer Ansicht durch und verantwortet diese Bischof und Superior gegenüber.
  6. Katharina sieht den Menschen, sie lebt mit den Menschen, auch mit den Menschen, die keinen Einfluss haben und „nur“ gewissenhaft und einfach ihre Arbeit tun. Katharinas Kommunikationsmittel in einer Zeit, in der es noch kein Telefon und keine Emails gab, war der Brief. In drei Briefen schreibt sie von der „Milch-Katharina“. Dies war eine Frau, die viele Jahre auf der Ökonomie für Milch und Butter zuständig war. Im ersten Brief erwähnt sie, dass sie verstorben ist (Brief 178); im zweiten Brief teilt sie mit, dass Milch-Katharina beerdigt wurde (Brief 180); der dritte Brief enthält sogar einen Nachruf auf Milch-Katharina (Brief 181).

 

In wenigen Punkten habe ich den Führungsstil Katharina Kaspers beleuchtet. Ganz sicher hat er dazu beigetragen, dass ihr Unternehmen über Jahrzehnte hinweg erfolgreich war und beständig wuchs. 
 
Noch entscheidender aber war sicher ihr Ziel, ihre Grundeinstellung: „Alles zur größeren Ehre Gottes und zum Heil des Nächsten.“ (Brief 105)
Das ist ihr Geheimnis.
STH

 

 

 

Samstag, 10. Juni 2017

So viel geht gar nicht


Katharina Kasper schreibt 1886 an Schwester Sekunda Germesheimer, damals Provinzoberin in Amerika, dass Schwestern für Ungarn und Österreich angefordert worden seien. 

Was sagen Sie dazu? Und das in einer Zeit, in der es noch kein Internet, keinen Fernseher und kein Handy gab. Wie kommt man da auf die Idee, Schwestern aus einem kleinen, unbedeutenden Dorf im Westerwald für Ungarn und Österreich anzufordern, noch dazu wo die südlichste Filiale der ADJC Frankfurt ist? 

Ganz konkret schreibt Katharina damals: „Ihre gute Fürstin schrieb einen Brief und bat um Schwestern für Ungarn. Eine andere bat um 6 Schwestern für Paula in Österreich, für eine Seestadt am Adriatischen Meer und für noch zwei andere Stationen in Österreich.“ (Brief 114) Wie ist das nun wieder zu erklären? 

„Wen Katharina mit der Bezeichnung: „Ihre gute Fürstin“ meint, lässt sich mit Hilfe der Chronik der Filiale in London klären,“ so lesen wir in der Einleitung zu diesem Brief. „ Von der Gründung dieses Hauses im Jahre 1876 an bis 1881 führt diese Chronik Jahr für Jahr großzügige Unterstützungen durch Frau Gräfin Batthyany auf. Unter den Eintragungen zum Jahr 1883 hält die Chronistin dann fest: `Unsere edelmüthige Wohltäterin, Frau Fürstin Batthyany, hat noch immer, wenn auch jetzt in
Das Wappen der Batthyanys
Ungarn wohnend, dasselbe warme Interesse für die Schwestern und unsere armen Kinder hier.´ Katharina berichtete nun Schwester Secunda, dass die Fürstin um Schwestern für Ungarn gebeten hatte, weil Schwester Secunda von Oktober 1877 bis zum Mai 1885, dem Zeitpunkt ihrer Versetzung nach USA, Oberin in verschiedenen Filialen in England, und zwar auch in dem Haus in London, gewesen war. Der weitere Hinweis Katharinas, es seien 6 weitere Schwestern angefordert worden `für Paula in Österreich´ mag damit zu erklären sein, dass zu dem Zeitpunkt Schwester Paula Görs in Prag wirkte, so dass möglicherweise eine Persönlichkeit aus Österreich versuchte hatte, über diese Schwester Kontakt nach Dernbach aufzunehmen.“
 
 

Klar, ist das eine Erklärung für die Fragen oben. Aber die Schwestern müssen auch einen solchen Eindruck auf die Fürstin gemacht haben, dass sie ihnen einen Einsatz in Ungarn auch zutraute. Sie müssen einen so guten Ruf gehabt haben, das man ihnen ohne Bedenken so etwas sich zuzumuten traute.  

Woran scheitert es damals?

„Da  müsste man viele Schwestern haben, um alle Bedürfnisse befriedigen zu wollen. … mir machen noch immer die meisten Sorgen die beständigen Anfragen für neue Niederlassungen zu gründen. Ja, man wird gewissermaßen genötigt, Ja sagen zu müssen, und es fehlt dann an den notwendigen Kräften, alle Häuser nach Bedürfnis zu besetzen.“ (Brief 114) Und Katharina macht sich wirklich sehr große Sorgen um ihre Schwestern: „Dieser Übelstand ist sehr nachteilig für den inneren Geist sowohl als für die körperliche Erhaltung der Schwestern. Ich möchte so gerne sehen, dass man so ruhig, demütig und schlicht in Ruhe wirkt und arbeitet im hl. Berufe, in Frieden und Eintracht zuerst an unserer Heiligung, und erst dann befähigen wir uns, am Heile des Nächsten, am Weh und Wohl des Mitmenschen Mitarbeiterin sein zu können.“ (Brief 114) 

Ist das nicht wunderbar? Zuerst geht es ihr um ihre Schwestern. Wenn es ihnen gut geht – sowohl körperlich wie geistig, wenn es stimmt zwischen ihnen und ihrem Gott, - erst dann sind sie fähig, sich für das Wohl ihrer Mitmenschen einzusetzen. 

Wenn wir das heute doch auch immer im Blick hätten …
STH

Samstag, 3. Juni 2017

Wir haben ihn auch!!!


Mir ging es in diesen Tagen wahrscheinlich genauso wie unseren Schwestern aus Indien: Ich wurde wieder neu begeistert von dieser großen Frau, diesem wunderbaren Menschen Katharina Kasper. Wir alle wissen, aus welch armseligen Verhältnissen sie stammte, wie gering ihre Schulbildung war. Wir alle wissen, welch ein beeindruckendes Werk sie geschaffen hat. Trotzdem. Wie geht das? 

Katharina Kasper lebte mit Gott und vertraute Ihm. Sie war davon überzeugt, dass Sein Geist – der Heilige Geist in ihr war und wirkte. Das gab ihr ein unerschütterliches Selbstbewusstsein, wenn sie wusste, was sie tun sollte. Sie tat nie das, was sie tun wollte; sie hörte genau hin, was sie tun sollte. „Das hat mir der Geist gesagt, der in mir ist“, pflegte sie zu sagen. Von daher erwuchs ihr all das, was sie für die Entfaltung ihres Werkes brauchte. Von daher ist es nur verständlich, dass sie immer in Gott den Gründer ihrer Gemeinschaft sah. 

„Das hat mir der Geist gesagt, der in mir ist.“ Katharina war davon überzeugt, dass das bei jedem Menschen so ist. Und damit hat sie ja eigentlich Recht, oder? In Firmung und Konfirmation haben wir den Heiligen Geist empfangen. Morgen feiern wir das Pfingstfest, an dem diese Geistsendung an uns erneuert wird – jedes Jahr neu. Ist dieser Heilige Geist in unserem Leben eine Realität? Vertrauen und erfahren wir von seiner Wirkkraft? Geben wir ihm überhaupt Raum? 
 

Ignatius von Loyola sagte einmal: „Wenige Menschen ahnen, was Gott an ihnen machen würde, wenn sie sich ihm ganz überließen.“ Vielleicht ist dies das Geheimnis? 

Vielleicht ist dies das Geheimnis. Vielleicht ist dies das Geheimnis auch in unserer Gesellschaft, in unserer Kirche? 
 
Was würde Gott aus uns machen, wenn wir uns ihm ganz überließen? Katharina hat es getan. Wir könnten mal einen Versuch machen. Die Voraussetzungen bekommen wir von ihm selbst geschenkt. 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesegnetes Pfingstfest.
STH

 

Samstag, 27. Mai 2017

Und sie kam selbst!


Gestern haben wir Geburtstag gefeiert! Den 197. von Katharina Kasper. Das Mittagsgebet – es war sehr gut besucht von unseren Mitarbeitenden im Haus und in der GmbH – war schön gestaltet mit Liedern zu Katharina und persönlichen Botschaften Katharinas an uns. 

„Wandeln wir so in Gottes Gegenwart, daß Sie alle Ihre Berufspflichten gut verrichten und der liebe Gott alles sehen kann. Suchen wir dem lieben Gott allein gefallen zu wollen, Seine Ehre zu fördern, so gelangen wir zur Vereinigung mit dem lieben Gott. Wir finden Frieden, Ruhe in unseren Seelen, Ergebung in den göttlichen Willen. Ja, dann leben wir in Frieden miteinander, mit unseren Pflegebefohlenen und mit allen Menschen, mit denen wir durch unseren Beruf zusammengeführt werden. Dann werden wir sagen: Der heilige Wille Gottes ist und soll mein Alles sein.“ (Brief 72) 

Am Abend traf sich die Hausgemeinschaft mit unseren indischen Schwestern, die so einiges vorbereitet hatten, um den Geburtstag richtig zu feiern. Die verschiedensten Tänze brachten Schwung in die Runde. 

Und dann kam sie selbst – Katharina Kasper in ihrem Ordenskleid. Das war eine Überraschung – und ein gelungener Spaß. Und sie hatte auch noch etwas mitgebracht: Birnen. Sie kennen doch diese Geschichte, oder? 

 
Als Katharina noch ein Kind war, stand vor ihrem Elternhaus ein Birnbaum. Wenn die Birnen reif waren und der Vater sie erntete, durfte Katharina sich so viele Birnen nehmen wie sie wollte. Mit diesen Birnen ging sie dann zu den Kranken im Dorf, um ihnen eine Freude zu machen; auch an die Kinder verteilte sie sie. 

Ja, und gestern verteilte sie die Birnen an ihre Schwestern. Und die hatten viel Freude mit Katharina …
STH

 

 

 

 

Samstag, 20. Mai 2017

Back to the roots


„Was Amerika anlangt,“ so schreibt Katharina Kasper einmal, „so kenne ich keine fremden Länder und keine ausländischen Schwestern, sondern nur Dienstmägde Christi, welche vom Geiste ihres Berufes beseelt sind und so recht segensreich wirken.“ (Brief 80)
 
Wie wahr dieses Wort ist, können wir in diesen Tagen hautnah erleben. 

Unsere indischen Mitschwestern haben irgendwann einmal das Versprechen bekommen, einmal in ihrem Leben an den Ursprungsort der Entstehung unserer Gemeinschaft gehen zu dürfen. Die Zahl der Schwestern, die noch nie in Deutschland waren, ist inzwischen stark gewachsen. Die beiden indischen Provinzen zählen heute fast so viele Schwestern wie die deutsche Provinz. 
 

Die Generalleitung hat ein dreiwöchiges Programm erarbeitet, und letzte Woche betraten 19 Schwestern aus Indien deutschen Boden – voller Erwartung und Spannung auf den Ort, an dem ihre geliebte und verehrte Gründerin Katharina Kasper gelebt und gewirkt hat. 

Das Programm ist abwechslungsreich, vielfältig, bereichernd. Natürlich werden alle Orte aufgesucht, die im Leben und Wirken Katharinas von Bedeutung sind – Dernbach, Wirges, Limburg, Holland -, aber auch inhaltlich wird den Schwestern viel geboten. Unter anderem erfahren die Schwestern, was Katharina unter Demut versteht. Und das ist schon ziemlich entgegengesetzt zu dem, was die indische Kultur erwartet und fordert. Das fordert natürlich ein totales Umdenken der Schwestern. Vor allem müssen sie ihr Bild der Gründerin ganz neu zeichnen. Weiter wird mit ihnen über die Mystik Katharina Kaspers gearbeitet, und das löst auch so manches Aha-Erlebnis aus.  

Neben einer tieferen Kenntnis der Gründerin ist den Schwestern die Begegnung mit den deutschen Schwestern wichtig. Es ist eine gute Idee, sie zum Abendessen auf die Mutterhauskonvente zu verteilen.  Wir hatten gleich vier Schwestern zu Gast, und wir hatten sehr viel Spaß miteinander. Das Lachen und Singen war über die Flure hinweg zu hören. 

Die drei Wochen sind noch lange nicht um. Aber schon jetzt teilen wir Katharinas Erfahrung, die sie schon 1883 in ihrem Brief an Schwester M. Bartholomäa schreibt:  „Was Amerika anlangt,“ – wir können sagen: was Indien angeht -  „so kenne ich keine fremden Länder und keine ausländischen Schwestern, sondern nur Dienstmägde Christi, welche vom Geiste ihres Berufes beseelt sind und so recht segensreich wirken.“ (Brief 80)
STH

 

Samstag, 13. Mai 2017

Jesus ist der Weg


Das ist ja mal wirklich eine Frohe Botschaft, die uns am Sonntag geschenkt wird! Im Haus des Vaters gibt es viele Wohnungen, und Jesus ist vorausgegangen, um uns einen Platz zu bereiten. Wenn er das getan hat, dann kommt er wieder und holt uns zu sich. (vgl. Joh, 14,1-4) Ist das nicht ein tröstlicher Gedanke für alle, die dem Tod ganz aktuell ins Auge schauen? Ist das kein tröstlicher Gedanke für alle, die Abschied nehmen mussten von einem lieben Menschen? Ist dies nicht auch ein tröstlicher Gedanke für uns alle, die den Tod noch vor sich haben?  

Wie Thomas hören auch wir: „Den Weg, den ich gehe, den kennt ihr.“  (Joh 14,4) Wie Thomas sind auch unsere Augen und Herzen oft gehalten, und wir verstehen nicht, dass Jesus selbst der Weg ist. Wie geht das denn, könnten wir fragen. Ich muss an Jesu Worte denken, die uns ganz klar zu verstehen geben, wie wir leben sollen, damit wir ein erfülltes Leben haben. Ich denke an Jesu Taten - Beispiele, die uns anspornen sollen: Handelt ebenso! Seine Worte? Seine Taten? Wir begegnen ihnen auf jeder Seite der Bibel. Wir können ihnen auch in unserem Alltag begegnen, wenn wir mit Gott zu leben versuchen. 



Jesus ist der Weg, der uns in diesem Leben zu einem geglückten, erfüllten Leben führt. Er ist der Weg, der uns letztlich zu Gott führt. Bei Katharina Kasper hört sich das so an: „Nur eins ist notwendig, nur eins kann die Seele glücklich in Gott machen, daß sie alles für Gott, mit Gott und durch den lieben Gott tut. Denn Gott allein ist gut (vgl. Mk 10,18), ihm allein, allein müssen wir angehören und ihm allein dienen (Mt 4,10).“ (Brief 18) 

Wie die Wohnung aussieht, die er uns bereitet hat, wissen wir natürlich nicht. Mir ist das eigentlich ziemlich egal. Wichtig ist mir, dass ich dann bei Gott bin. Katharina sagte einmal: „Der Himmel ist alles wert.“ (Brief 80) Damit ist alles ausgesagt. Aber diese Überzeugung hat die Konsequenz, dass wir den Weg Jesus gehen: „Der Himmel ist alles wert. Wenn wir so allezeit leben und streben, so ist der liebe Gott … zufrieden mit uns.“ (ebd.) Einen Versuch ist der Himmel allemal wert …
STH