Katharina adlergleich

Katharina adlergleich
Vergiss nicht, dass du Flügel hast ...

Samstag, 30. Dezember 2017

Ein gesegnetes Neues Jahr!


Katharina Kasper schreibt:
 
„Obwohl man ja beim Jahreswechsel nur immer eins und dasselbe zu sagen und zu schreiben hat, so möchte ich doch in diesen Zeilen, die ich an Euch … richte, ganz besonders erinnern, für die Gnaden und Wohltaten, die der Herr uns gerade in diesem Jahre so reichlich gespendet hat, recht kindlich und mit demütigem Herzen zu danken.“ (Brief 105) 

„Menschlich gedacht, wäre das Jahr [ 2017 ] ein hartes gewesen; aber im Glauben betrachtet, war es ein Jahr der Gnaden und Huld des Herrn; denn Kreuz und Leiden sind ja Gnadenerweise Gottes. Dem Herrn Dank für alles, ja tausend Dank für alle Wohltaten.“ (Brief 81) 

„Wir wollen mit Gottes Gnade das alte Jahr schließen nach Gottes heiligem Willen, der wolle alle unsere unvollkommenen Werke durch seine Verdienste ersetzen, wo wir es haben fehlen lassen. Mit Vertrauen wollen wir das kommende Jahr anfangen …“ (Brief 181) 
 
 
Von Herzen wünsche ich Ihnen, dass Sie Ihr zu Ende gehendes Jahr im Glauben betrachten können, dass Sie gleichzeitig das kommende Jahr mit großem Vertrauen beginnen können. 

Ein gesegnetes und frohes Neues Jahr 2018!

Ich freue mich, wenn Sie nächstes Jahr wieder reinschauen.
STH

Samstag, 23. Dezember 2017

… und auf Erden ist Friede


„Verherrlicht ist Gott in der Höhe, und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade.“ (LK 2,14)

Das ist die Botschaft der Heiligen Nacht. Eine wunderbare Botschaft! Ist Frieden nicht das, was wir uns alle ersehnen und erhoffen? Frieden in unserem Land, Frieden in unseren Familien, Frieden im eigenen Herzen. Garant für diesen Frieden ist das Kind, das in der Heiligen Nacht geboren wird. Aber Friede wird nur möglich, wenn wir mittun – wenn wir ihn wahrhaft ersehnen, erhoffen und erstreben. Nur dann sind wir Menschen seiner Gnade. 

Der Friede im Herzen und im Hause war eines von Katharina Kaspers großen Anliegen. Sie wird nicht müde, immer wieder daran zu erinnern, dazu zu ermutigen; denn Friede im Hause und Herzen hat mit Glück zu tun. Dass Sie … miteinander in Frieden leben und wirken, ist ja ein großes Glück für Sie und für mich, und besonders wird sich der liebe Gott erfreuen.“ (Brief 174) 

Frieden können wir verhindern, Frieden können wir schaffen. Katharina ist davon überzeugt, dass der geistliche Mensch sehr wohl weiß, wie er den Frieden stören oder schaffen kann. „Sie wissen … was wir zu tun und zu lassen haben, was uns den Frieden des Herzens und des Hauses bringt und auch, wodurch der Friede im Herzen und im Haus gestört wird“, schreibt sie einmal ganz deutlich. „Bestreben wir uns der Reinheit des Herzens und der Seele; sind wir rein in unsern Gedanken, Worten und Werken; rein in unserem Gedächtnis, Verstand und Willen sowie in unsern Sinnen, im Charakter und Natur. Ist dieses allezeit unsere Absicht und gute Meinung, frei zu werden von aller ungeordneten Liebe gegen alle Geschöpfe und geschaffenen Dinge und auf der anderen Seite nur das Wohlgefallen Gottes zu erstreben und nur zu leben, zu leiden für Gott, mit Gott und weil es Gott so will; alles Gute zu üben und alles Böse zu meiden, so werden wir hienieden schon genießen eine große Seligkeit in Gott, ja dann wird in allem und überall der Friede in Gott gefunden, und unsere Seele wird glücklich sein …“ (Brief 200) 

„Verherrlicht ist Gott in der Höhe, und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade.“ (LK 2,14)

Das ist die Botschaft der Heiligen Nacht. Eine wunderbare Botschaft! An uns ist es, mit seiner Gnade, die er uns schenkt, mitzuwirken. 

Mit Katharina wünsche ich Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest und die Erfahrung seiner liebenden Nähe.
„Was soll ich denn Ihnen und den ganzen Hausbewohnern wünschen? Den Frieden, welchen die Engel verkündigt, Friede den Menschen, welche einen guten Willen haben. O wie tröstlich: die einen guten Willen haben, sollen schon den Frieden haben. Ja, von Herzen wünsche ich … Frieden im Herzen und Hause.“ (Brief 181)
STH

Samstag, 16. Dezember 2017

Zeugnis für das Licht


„ Er kam, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen.“ (Joh 1, 7) 

Die Rede ist von Johannes dem Täufer. Er kam, um Zeugnis abzulegen für das Licht. Für das Licht? Mit Licht ist hier Jesus Christus gemeint, den Johannes als Bote angekündigt hat. Zeugnis ablegen für Jesus Christus, den er als den erkannt hatte, dem er die Schuhe aufzuschnüren nicht wert war. 

Zeugnis ablegen für Jesus Christus – das war Katharinas Lebensinhalt, Lebensziel. Ihr war dieser Jesus Christus so wichtig, dass sie nicht müde wurde, Zeugnis für ihn abzulegen – verbal und nonverbal. Wie das verbal geht, ist ja klar. Aber wie kann man für das Licht Zeugnis ablegen, ohne viel Worte zu machen? 



Katharina fand da viele Möglichkeiten. Drei will ich nennen:

  1. Katharina war davon überzeugt, dass Gott da ist, dass er gegenwärtig ist in ihrem Leben. Deshalb war sie beständig im Gespräch mit ihm. Ihr Leben war Gebet. Viele konnten beobachten, wie sie plötzlich innehielt und still betete. Auch in ihren Briefen sprang sie häufig ganz plötzlich ins Gebet. Ja, Katharina lebte im Gespräch mit Gott, sie lebte das Gebet, weil Er doch immer da ist.
  2. Wenn Jesus das Licht ist, dann kann es in unserem Leben nicht richtig dunkel werden. Auch davon war Katharina überzeugt. Sie wusste aber auch, dass wir vertrauen müssen, dass das wirklich so ist. „Behalten Sie Mut und Vertrauen, und Gott wird helfen.“ (Brief 88)
  3. Auch was dunkel zu sein scheint, ist für Katharina noch nicht richtig finster. Er ist ja das Licht. Und Katharina ist davon überzeugt, dass Er unser Heil will, uns nur gut will. Deshalb ist alles, was uns geschieht, letztlich gut, auch wenn wir es oft erst viel später erkennen. „Man muss die Vorsehung anbeten und sich ruhig der Gnade des Herrn unterwerfen. Erst später wird es uns klar werden, warum solche Prüfung vom lieben Gott zugelassen wurde.“ (Brief 16)
Katharina gibt Zeugnis vom Licht, und Menschen kommen zum Glauben durch sie.

Sollten wir nicht auch Zeugnis geben? Wir haben allen Grund dafür, auch wenn es nicht immer offensichtlich ist. Katharina würde uns zurufen: „Der liebe Gott hat uns noch nicht verlassen, das dürfen wir doch schließen aus den vielen Liebesbeweisen, welcher er uns würdiget.“ (Brief 16) Wir müssen sie aber auch sehen wollen. Vielleicht kommen auch durch uns Menschen zum Glauben, weil sie erkennen: Glauben lohnt sich.
(STH)

Samstag, 9. Dezember 2017

Bote sein


Johannes der Täufer ist die Gestalt des Advent. Er ist der Bote, der dem Herrn vorangeht und ihm den Weg bereitet. 

Der Witz ist: Das, was von ihm vor 2000 Jahren gesagt wird, gilt heute im Jahre 2017 für jeden von uns: „Ich sende meinen Boten … Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen.“ (Mk 1, 2-3) 

Sicher kannte Katharina Kasper diese Stelle aus der Liturgie der Adventszeit. Ob sie sich der Bedeutung dieser Worte für ihr eigenes Leben bewusst war, wage ich nicht zu beurteilen. Eindeutig ist, dass sie so gelebt hat: als Botin des Herrn, die ihn verkündet hat und ihm so in ihrer Welt den Weg bereitet hat – verbal und nonverbal. 

Spontan denke ich da an diese Episode: Sie arbeitete als junge Frau mit vielen anderen auf dem Feld. Die Menschen, die in ihrer Nähe waren, erzählten später: „Wenn man das Kathrinchen arbeiten sah, wollte man die Hände falten und beten.“



Ihre ganze Haltung drückte eine solche Gottverbundenheit aus, dass andere von der Gegenwart Gottes überzeugt wurden und sich auch betend an ihn wenden wollten. 

Katharina wurde nicht müde, den Kranken und Kindern von Jesus zu erzählen, sie wurde nicht müde, immer wieder von ihm zu schreiben – ihren Schwestern und anderen Menschen, mit denen sie im Briefkontakt stand. Alle ihre Briefe verkünden Gottes Liebe, Barmherzigkeit und Herrlichkeit. Ich käme an kein Ende, wenn ich Beispiele aufzählen wollte. Aber dieses Gebet, das sie in einem Brief weitergab, spricht Bände: 

„Mein Jesus, mein alles. Mein Jesus, mein Leben. Mein Jesus, mein Gewinn. Alles für Gott, alles mit Gott. Mein Jesus soll ganz mein sein, und ich will ganz Dein sein! O mein Jesus, meine Liebe!“ (Brief 97) 

Katharina war Botin Gottes. Gerade durch dieses Gebet macht sie deutlich, dass Jesus für den glaubenden Menschen Lebensinhalt sein kann, Ziel und Erfüllung. Jesus ist da, gegenwärtig; er will mit uns verbunden sein. Seine Sehnsucht ist der Mensch, wie unsere Sehnsucht der Herr ist. Indem Katharina uns dies verkündet, ebnet sie bei den Menschen den Weg für ihn – bei den Menschen guten Willens und einem Herzen voller Sehnsucht. 

Wie wollen wir Bote sein? Wie wollen und können wir ihm den Weg bereiten?
STH

Samstag, 2. Dezember 2017

Seid wachsam


Der Herr ließ einer älteren Frau mitteilen, er würde sie am nächsten Tag besuchen. Die Frau freute sich sehr und begann sofort mit den Vorbereitungen. Sie räumte ihr Haus auf, sie putzte, sie dekorierte es und bereitete auch das Menü vor, mit dem sie den Herrn überraschen wollte. Im Laufe des Nachmittags kamen ein Kind, ein Obdachloser, eine hungrige Frau an ihre Tür und baten um ihre Hilfe. Sie wies sie ab mit dem Vorwand, sie bekomme Besuch und habe keine Zeit. Schließlich war alles bereit, aber der Herr kam nicht. Am übernächsten Tag machte die Frau dem Herrn Vorhaltungen deswegen. Er aber sagte: „Ich war dreimal an deiner Tür. Aber du hast mich abgewiesen, weil du keine Zeit hattest.“ 

Kennen Sie diese Geschichte? Ich musste an sie denken, als ich Jesu wiederholtes und eindringliches „Seid wachsam! Denn ihr wisst nicht, wann der Herr kommt.“ las. (Mk 13, 35)

Katharina Kasper war die Wachsamkeit für den Menschen ein großes Anliegen. Katharina war davon überzeugt, in jedem Menschen – besonders aber in jedem Menschen, der der Hilfe bedarf, ob physisch oder psychisch – dem Herrn zu begegnen. Ganz aufmerksam war sie dem Menschen gegenüber, der vor ihr stand; in diesem Augenblick war er der wichtigste Mensch auf der ganzen Welt, denn in ihm sah sie den Herrn. An keiner Stelle sagt sie das ausdrücklich. Aber ihre ganze Haltung dem Menschen gegenüber macht dies deutlich. Immer geht es ihr bei den ihr anvertrauten Menschen um Leib und Seele, die Pflege des Leibes ist für sie ein Vehikel, am Heil der Seele mitzuwirken (vgl. Brief 69), damit diese Gott zugeführt werde. (vgl. Brief 224) Gottes- und Nächstenliebe sind für Katharina nicht voneinander zu trennen. (vgl. Brief 11) 

„Seid wachsam!“ Das ist Jesu Aufforderung an uns zu Beginn des Advent.

 
Advent – warum feiern wir Advent? Worauf kommt es an im Advent? 

Advent ist eine Zeit des Wartens. – Wir warten auf den, der uns vor vielen Jahrhunderten schon verheißen wurde.

Advent ist eine Zeit der Sehnsucht. – Wir ersehnen die Erfüllung der Prophezeiung; wir sehnen uns nach dem verheißenen Frieden.

Advent ist eine Zeit der Suche und der beginnenden Erfüllung. Diese Spannung gilt es auszuhalten. – Wir suchen was uns verheißen ist im Alltag. Wir erahnen jeden Tag neu – in vielen kleinen Begebenheiten -, dass sich unsere Sehnsucht erfüllen kann.

Advent ist die Zeit der beginnenden Erfüllung. Unsere Aufgabe in dieser Zeit ist es, das Kind zu erwarten. Unsere Aufgabe ist es, nicht nur das Kind, sondern mit ihm das Göttliche anzunehmen. Unsere Aufgabe ist es, ihm ein Zuhause zu geben in unserem Herzen, in unserem Leben, - damit es wachsen kann, damit es uns verwandeln kann. Damit das gelingt, müssen wir wachsam sein. 

Für Katharina Kasper ist die Adventszeit eine wichtige Zeit, eine Vorbereitungszeit. Sie schreibt: „Es ist so wichtig, dass wir uns immer vorbereiten auf die besonderen Feste, welche in der Kirche zu den besonderen Zeiten des Jahres zählen“ – wie auch vor Weihnachten – „dass wir beim Anfang daran denken, diese Zeit gut nach Gottes heiligem Willen zu verleben.“ (Band I, Brief 107) 

Für Katharina ist die Adventszeit eine heilige Zeit, eine Gnadenzeit. Das göttliche Kind will ja zu uns kommen und in uns wachsen und uns das schenken, was uns zum Heil dient. 

Eines ist sicher: Das tut es auch, wenn wir nicht warten, wenn wir uns nicht nach ihm sehnen, wenn wir es nicht suchen. Aber es ist wirkkräftiger, wenn wir mittun.
STH

Samstag, 25. November 2017

… das habt ihr mir getan!


„Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25, 40) Dieses Wort Jesu ist für die einen eine Herausforderung, für die anderen ein Grund der Gelassenheit. 

Kaum einer von uns wird von sich sagen können, dass er einen Obdachlosen bei sich aufgenommen hat, oder dass er einem Nackten begegnet ist, dem er Kleidung geben konnte, oder dass er einen Verbrecher im Gefängnis besucht hat. Bedeutet das jetzt, dass wir keine Chance haben, dem Herrn unsere Liebe zu zeigen? 

Das Wort oben gilt auch für viele andere, nicht so extreme Beispiele, die hier nicht aufgeführt sind. Ich könnte auch lesen: „Was ihr meinen Brüdern und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan.“ Dazu gehört zu allererst: Alle Liebe, die ihr ihnen schenkt, die schenkt ihr auch mir. Und die Liebe hat so viele Gesichter wie es Menschen gibt. Vor allem: Sie ist unendlich einfallsreich. 

Dieses Gedicht drückt das so wunderbar aus:

Wer liebt
erkennt
ER ist
Gott ist da
In Jesus ist Gott da


 Jesus
ist da in den Seinen
in den Kleinen
in jedem der Dir begegnet

Wer liebt
erkennt
Es ist der Herr
 
 
Der Dich
anschaut
in der Schwester                               

neben Dir


Wer liebt
erkennt
Es ist der Herr


 Der zu Dir
kommt
in dem Bruder
auf dem Weg


ER IST
DER HERR

                            sms
Genauso hat Katharina Kasper empfunden, genauso hat sie gelebt. Für sie war ganz klar, dass sie „im Dienste der Armen und Kranken dem lieben Heiland dienen“ (Brief 50) wollte. Warum? Weil sie im Menschen, in jedem Menschen Gottes Ebenbild sah, Jesus Christus erkannte.
 
Deshalb sind ihr auch die Werke der Barmherzigkeit ganz wichtig. Beten wir besonders, dass in der ganzen Gemeinschaft Gott mit großem Eifer gedient wird …, dass die Werke der Barmherzigkeit gut geübt werden an den Kranken und Notleidenden, Armen, die Kinder gut angeleitet werden.“ (Brief 101)
 
Wer liebt, erkennt, Es ist der Herr. Katharina hat geliebt – den Menschen – und in ihm den, dem sie ihr Leben hingab.
STH





 
 
 
 
 
 
 


 



 






 






 
 
 
 
 
 

 


Samstag, 18. November 2017

Wuchern verlangt!


Eines ist sicher: Jesus bricht im Gleichnis vom klugen Verwalter keine Lanze für maßlosen Kapitalismus. Der hebräischen Geldeinheit dürfen wir schon die Bedeutung unserer deutschen Übersetzung geben: nämlich Talente. 

Jeder von uns hat Talente – Gaben und Fähigkeiten – mit auf den Lebensweg bekommen. Für die sind wir verantwortlich, mit denen sollen, ja müssen wir arbeiten, wir können und dürfen sogar mit ihnen wuchern.  

Jeder von uns hat Talente bekommen. Zugegeben, nicht immer sind die sofort sichtbar. Aber wir sollten auch nicht Großes oder Außergewöhnliches erwarten und sehen wollen.

Katharina Kasper brachte auch keine super Voraussetzungen mit. Sie war ein schwächliches, kränkliches Kind, das deshalb die Schule nicht regelmäßig besuchen konnte. Sie war sowieso nur an Religion interessiert. Das war damals schon ein Interesse, mit dem man keine Erfolge feiern konnte.  

Schon als Kind zeigte sich, dass Katharina zuhören konnte. Sie besuchte Kranke, setzte sich an ihr Bett und ließ sie reden. Schon als Kind zeigte sich, dass sie begeistern konnte. Sie sammelte andere Kinder um sich, lehrte sie den Rosenkranz und ging mit ihnen zum Heilborn. Schon als Kind zeigte sich, dass sie eine irre gute Auffassungsgabe hatte und Dinge, die ihr wichtig waren, mitteilen konnte. Nach dem Sonntagsgottesdienst wurde sie oft aufgefordert, die Sonntagspredigt für die, die die Messe nicht besuchen konnten, zu wiederholen. 

Als junge Frau zeigte sich, dass Katharina eine ungeheure Ausdauer und Beharrlichkeit hatte. Wenn sie von etwas überzeugt war, konnte sie nichts und niemand davon abbringen, bis es realisiert war. Denken Sie nur an das erste kleine Häuschen. Als junge Frau zeigte sich ihre Empathie. In dieses erste kleine Häuschen nahm sie schon eine behinderte Frau und Kinder auf, die niemanden mehr hatten. Als junge Frau bewies sie immer wieder ihren Mut – auch Obrigkeiten gegenüber, sei es dem Bischof gegenüber, dem sie ganz klar sagte, wie ihre Gemeinschaft zu heißen habe, sei es der Dorfobrigkeit gegenüber, die sie mal zur Rede stellen wollte, warum sie in „Uniform“ durch die Gegend laufe.

 

Klar, das sind keine Talente, mit denen man glänzen und berühmt werden kann. Aber Katharina nutzte diese und all ihre anderen Talente, wucherte mit ihnen und nutzte sie für ihr Unternehmen. Als der Herr zu ihr kam und Rechenschaft von ihr verlangte – sie starb am 02. Februar 1898 -, da konnte sie ihm eine Ordensgemeinschaft mit fast 2000 Schwestern hinhalten und zahllose Elementarschulen und Kindergärten, Sozialstationen und Krankenhäuser. Ja, sie war bekannt geworden – im Westerwald und weit darüber hinaus, und dies durch scheinbar unbedeutende, unscheinbare, unauffällige Talente. Letztlich kommt es nur darauf an, die eigenen Talente zu nutzen und mit ihnen zu wuchern. 

„Tun wir, was wir können. Mehr verlangt Gott nicht von uns.“ (Brief 203)

Aber auch nicht weniger …
STH

 

Samstag, 11. November 2017

Be attentive!


Das Gleichnis von den „Klugen und törichten Jungfrauen“ (Mt 25, 1-13) hat für mich zu tun mit

  • Achtsamkeit – dass meine Lampe nicht erlischt
  • Wachsamkeit – dass ich den Herrn erkenne, wenn er kommt
  • Bereitschaft – dass ich dem Herrn folge, wenn er mich einlädt.
In Katharina Kasper brannte die Liebe zu Gott, und groß war ihre Sehnsucht, ihn noch mehr, noch tiefer, noch leidenschaftlicher zu lieben: „Keinen andern Wunsch möchte ich hegen, als dass wir alle den lieben Gott so vollkommen liebten, wie uns nur möglich ist mit Gottes Gnade …“ (Brief 45) Und: „Ich will meinen Jesus, meinen Heiland allein, allein besitzen; ja ich muss ihn täglich vollkommen lieben und besitzen; er allein muss mein Herz besitzen, muss walten und schalten über all meine Seelen- und Körperkräfte sowie über all mein Tun und Lassen.“ (Brief 64) 

Katharina war davon überzeugt, in jedem Menschen – besonders aber in jedem Menschen, der der Hilfe bedarf, ob physisch oder psychisch – dem Herrn zu begegnen. Ganz aufmerksam war sie dem Menschen gegenüber, der vor ihr stand; in diesem Augenblick war er der wichtigste Mensch auf der ganzen Welt, denn in ihm sah sie den Herrn. An keiner Stelle sagt sie das ausdrücklich. Aber ihre ganze Haltung dem Menschen gegenüber macht dies deutlich. Immer geht es ihr bei den ihr anvertrauten Menschen um Leib und Seele, die Pflege des Leibes ist für sie ein Vehikel, am Heil der Seele mitzuwirken (vgl. Brief 69), damit diese Gott zugeführt werde. (vgl. Brief 224) Gottes- und Nächstenliebe sind für Katharina nicht voneinander zu trennen. (vgl. Brief 11) 

Bereitschaft – Katharina macht deutlich, wie sie die verstanden haben will: „Hängen wir uns ja nicht an diese Erde, weder an eine Stelle noch Person, noch einen Ort, noch Sachlichkeit, damit wir für jede Zeit ‘bereitstehen mit unsern Lampen und sie gut mit Öl gefüllt sind.’ (Mt 25,4)“ (Brief 111) „Jeder Zeit bereitstehen“ bedeutet für Katharina eine ständige Offenheit für den Willen Gottes, ein permanentes Hören auf den Willen Gottes, um ihn sofort, zu jeder Zeit, an jedem Ort sofort zu tun. Dazu ist sie immer bereit, denn sie ist davon überzeugt: „Sonst geht alles gut, wenn nur der heilige Wille Gottes geschieht in allem und überall.“ (Brief 241) 
 
Achtsamkeit, Wachsamkeit, Bereitschaft – vieles will uns davon im Alltag abbringen, fernhalten; und auch die Müdigkeit ist eine Versuchung, die wir nicht unterschätzen dürfen. Jesus macht deutlich, was uns geschenkt wird, wenn wir achtsam, wachsam und bereit unseren Alltag leben: „… der Bräutigam kam. Die Jungfrauen, die bereit waren, gingen mit ihm in den Hochzeitssaal, und die Türe wurde geschlossen.“ (Mt 25,10) Das bedeutet Gemeinschaft mit dem Herrn, seine lebendige Gegenwart und damit Freude und Liebe erfahren. 

Davon war Katharina überzeugt und deshalb ermutigt sie: „Wir wollen vereinigt Gott dienen und lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, damit wir in der Zeit und Ewigkeit unsern guten Gott immer bei uns haben und wir als seine Kinder ihn lieben und so in Ihm ruhen und Seine Gegenwart genießen können.“ (Brief 67)
STH

 

 

 

 

 

 

Samstag, 4. November 2017

Diener sein!?


Diener sein!? Das will ja wohl keiner wirklich wollen. “Dienen“ ist ja wohl das antiquierteste Wort, das man sich vorstellen kann.

„Dienen“ – seien wir mal ehrlich: wissen wir überhaupt, was das ist?  

Bei Katharina Kasper kommt das Wort „dienen“ 65 mal vor. Dienen will sie – und dazu ermahnt sie auch ihre Schwestern – nur Gott. Sie stellt auch ganz eindeutig klar: „Es ist nicht so schwer,… Gott zu dienen, als es qualvoll ist, der Welt und unserer stolzen Eigenliebe zu dienen.“ (Brief 97) Und es ist hochinteressant, dass Dienen meistens in einem Atemzug mit Lieben genannt wird. So sagt sie zum Beispiel: „Wir wollen in dem neubegonnenen Jahre mit Gottes Gnade uns bessern und so ernstlich anfangen, Gott zu lieben und zu dienen ...“ (Brief 63)

Oder: „Bis dahin wollen wir recht beten für- und miteinander, damit wir … mit großem Eifer Gott dienen und lieben.“ (Brief 74)

Die Gottesliebe ist also nicht vom Dienen zu trennen. Man könnte sagen: Mein Dienen ist nur möglich durch meine Liebe zu Gott; meine Liebe zu Gott erwartet das Dienen.  

Aber – wie kann ich Gott dienen?

Für Katharina gibt es diese Frage nicht. Sie ist sicher: „Ja, wir alle wissen es ja aus Erfahrung, wie glücklich das Leben nach dem heiligen Glauben uns schon in dieser Welt macht, besonders …wo wir im Dienste der Armen und Kranken dem lieben Heiland dienen dürfen.“ (Brief 50) Aber es gibt noch mehr Möglichkeiten, Gott zu dienen.
 
Einmal macht Katharina deutlich: „Wenn wir die Reinheit unseres Herzens erstreben, die Sünde hassen und verabscheuen, unsere unordentlichen Neigungen bekämpfen, … das Gebet und die Gnadenmittel gut gebrauchen, … und dieses alles üben und beobachten in der Absicht und Meinung: aus Liebe zu Gott, meinen Herrn und Gott will ich dadurch lieben und beständig ihm dienen.“ (Brief 64) Letztlich aber spielt es keine Rolle, was ich im Dienst Gottes tue. Meiner Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt: „Es kann uns ja auch einerlei sein, wie und wo wir Gott dienen.“ (Brief 54) 

Auf diesem Hintergrund bekommt Jesu Forderung: „Der Größte von euch soll euer Diener sein.“ (Mt 23,11) eine ganz andere Bedeutung. Immer geht es um den Dienst an Gott, auch wenn ich ihn an Menschen verrichte. Immer gilt: „Wenn wir alle mit Eifer Gott dienen, so geht es gut und [wir] können viel Gutes wirken.“ (Brief 178)

Ja, und Katharina weiß gewiss und gibt uns diese Zusicherung: „Wenn wir dem lieben Gott eifrig dienen und [ihn] innig lieben, so ist und bleibt Er immer bei uns.“ (Brief 270) Was wollen wir mehr?
STH

 

 


Samstag, 28. Oktober 2017

Das wichtigste Gebot


Sie kennen das wichtigste Gebot, oder???
Es ist älter als 2000 Jahre. Die Frage ist nur, ob es auch für uns das wichtigste Gebot ist, ob wir uns ernsthaft danach richten. Das mit der Nächstenliebe geht ja gerade noch. Bei der Selbstliebe wird es schon schwieriger. Als Egoisten wollen wir sicher alle nicht da stehen. Aber Gottesliebe? Da weiß man ja noch nicht einmal, wie das richtig gehen soll. Und irgendwie ist das doch auch von allen dreien das Unwichtigste, oder? 

Nun, Jesus sieht das anders. Auf die Frage nach dem wichtigsten Gebot antwortet er ganz eindeutig: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Mt 22, 37-39) 

 
Katharina Kasper machte ernst mit diesem Gebot – ganz selbstverständlich, ohne viel darüber nachzudenken oder zu hinterfragen.

Die Liebe zu Gott war ihr Lebensinhalt. Die Liebe zu Gott prägte ihr Leben, gab ihrem Leben Orientierung und Ziel. Und obwohl sie schon glühte aus Liebe zu Gott, wurde sie nicht müde, um eine größere Liebe zu Gott zu bitten und zu beten: „Möge der liebe Gott … mir geben eine vollkommenere Liebe zu Ihm, [eine Liebe] die nichts sucht und nichts ausschlägt, jene Liebe, die Gott allein sucht, die Ihn allein ehrt, liebt und [ihm] von Herzen dient …“ (Brief 67) 

Katharina trennt Gottes- und Nächstenliebe nicht voneinander. Ja, sie ist davon überzeugt: „Aus wahrer Gottesliebe erwächst uns auch die wahre Nächstenliebe.“ (Brief 11) Ja, wenn ich behaupte, Gott zu lieben, muss sich dies in meinem Verhalten zu meinen Mitmenschen zeigen. Vielleicht kann man sagen: daran, wie ich meinen Nächsten behandle, kann man erkennen, ob und wie ich Gott liebe. 

Das Wort „Selbstliebe“ kommt bei Katharina nicht vor, nur im Sinne von „verkehrter Selbstliebe“ (Brief 25). Aber sie spricht von Heiligung und von eigener Heiligung oder Selbstheiligung. „Wir beten sehr viel für die Heiligung der Schwestern.“ (Brief 109) schreibt sie häufig und fordert auch dazu auf. Warum ist die Heiligung so wichtig? Diese Antwort bleibt sie uns auch nicht schuldig: „Ich möchte so gerne sehen, dass man ruhig, demütig und schlicht in Ruhe wirkt und arbeitet … zuerst an unserer Heiligung, und erst dann befähigen wir uns, am Heile des Nächsten, am Weh und Wohl des Mitmenschen Mitarbeiterin sein zu können.“ (Brief 114) 

Für Katharina gehören Gottes-, Nächsten- und Selbstliebe zusammen. Das wird immer wieder in ihren Briefen deutlich. Nicht selten fordert sie die Adressaten auf: „Beten und verrichten wir alle unsere guten Werke mit- und füreinander, alles zur größeren Ehre Gottes, zu unserem und des Nächsten Heile.“ (Brief 184) 

Wenn man Katharina „hört“, dann gewinnt man den Eindruck, dass das wichtigste Gebot gar nicht so schwer ist, nicht wahr? Vielleicht ist es das ja auch gar nicht. Versuchen wir es doch einfach mal. Und – „Tun wir, was wir können; mehr verlangt Gott nicht von uns.“ (Brief 203)
STH

 

Samstag, 21. Oktober 2017

Gebt Gott, was Gott gehört


„Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört.“ (Mt 22,21)

Wir brauchen nicht darüber zu streiten, ob es rechtens ist, dem Staat zu geben, was ihm gehört. Das war damals – zur Zeit Jesu - so und ist heute so. Dass wir Steuern zahlen, gehört dazu und ist schlicht notwendig, wenn der Staat funktionieren soll. Das war damals so und ist heute so. 

Aber „gebt Gott, was Gott gehört“? Was gehört ihm? Komische Frage. Eigentlich gehört ihm doch alles, oder? Aber wie sollen wir ihm das geben?

Wir spüren: hinter Jesu Forderung steckt ein enormer Anspruch. 

Im Katechismus lesen wir: Der Glaube an Gott verlangt u.a. in Danksagung leben; immer auf ihn vertrauen, selbst in Widerwärtigkeiten; die Würde aller Menschen erkennen, weil sie nach seinem Bilde erschaffen sind; die von ihm geschaffenen Dinge in rechter Weise gebrauchen. (vgl. Katechismus der katholischen Kirche, Erstes Kapitel, Nr. 43) 

„Alles zur größeren Ehre Gottes.“ (Brief 9 u.a.) So drückt es Katharina Kasper aus. Ihm die Ehre geben, - ganz gleich, was wir tun oder wie wir leben.
 
 
Die Dankbarkeit ist für Katharina ganz wichtig, sie ist für Katharina eine Tugend. „Auf eine Tugend möchte ich noch besonders aufmerksam machen zu üben, es ist die ‘Dankbarkeit gegen Gott’ (Kol 3,16) …“ (Brief 136) Aber sie weiß auch, dass es nicht einfach ist, Gott die eigene Dankbarkeit zu zeigen. Sie rät: „Wir wollen unsere Dankbarkeit gegen Gott beweisen durch ein eifriges Streben…, indem wir täglich daran uns erinnern, dass der, der uns … gerufen hat, uns eine Regel gegeben durch die Kirche, wodurch wir sicher gehen können auf dem Wege zur Vollkommenheit.“ (Brief 105)

Schon in ihrer ersten Ordensregel spricht Katharina von den „Pflichten gegen den Nächsten“ und immer hat sie den Mitmenschen im Blick: „… befähigen wir uns, am Heile des Nächsten, am Weh und Wohl des Mitmenschen Mitarbeiterin sein zu können.“ (Brief 114)

Über Katharinas unerschütterliches Vertrauen haben wir schon oft gesprochen. 

„Gebt Gott, was Gott gehört!“ Das ist vor allem die Ehre, die Dankbarkeit, das Vertrauen, die Liebe zum Nächsten, man kann auch sagen – das eigene Herz. 

„Nichts Außergewöhnliches verlangt der liebe Gott von uns, aber unser ganzes Herz mit allem, was wir haben, geben wir Ihm und tun alles zu Seiner Ehre, zu unserem und aller Menschen Heile.“ (Brief 209)
STH

 

 

Samstag, 14. Oktober 2017

Man kann´s nicht verstehen …


Man kann nicht alles verstehen, was man in der Bibel liest, finden Sie nicht auch? 

Ein König lädt alle, die auf der Straße angetroffen werden, zur Hochzeit ein, weil die offiziellen Gäste die tollsten Ausreden fanden, um der Einladung nicht zu folgen. Das ist ja toll, dass er die Armen, Gestrandeten, Bettler und so weiter holen lässt. Aber ist es nicht logisch, dass die nicht alle mit einem Hochzeitsgewand erscheinen? Viele besitzen ja wahrscheinlich nicht einmal eines. Und was macht der König? Er setzt ihn wütend vor die Tür. (Mt 22, 1-14) Wenn ich davon ausgehe, dass der König ein Bild für Gott sein soll, dann ist das doch noch weniger verständlich, oder? 

Die Dernbacher, die mit ihrem Napf an der Klosterpforte bimmelten, sahen wahrscheinlich auch oft ziemlich heruntergekommen aus. Katharina Kasper hat jedem zu Essen gegeben, der zum Kloster kam, ohne Ausnahme. 

Aber wahrscheinlich geht es um viel mehr bei diesem Bibeltext. Der König lädt ja zum Hochzeitsmahl ein, weil sein Sohn heiratet. Es geht also um Freude und Gemeinschaft, die dem Menschen angeboten werden. Es geht um Freude und Gemeinschaft, die viele Menschen einfach abweisen, ja verweigern. Letztlich geht es um Freude und Gemeinschaft mit Gott. Und dann ist es schon verständlich, dass man sich irgendwie bereiten soll, sprich Hochzeitsgewand. 

„Wandeln wir so in Gottes Gegenwart, dass Sie alle Ihre Pflichten gut verrichten und der liebe Gott alles sehen kann.“ (Brief 72) So drückt das Katharina Kasper aus. Und: „Ja, … beten wir täglich vereint mit- und füreinander, damit der Herr mit Freude sehen kann auf unser Wirken und Arbeiten und wir … nach Heiligkeit streben immer mehr.“ (Brief 193) 

Katharina war also immer bereit für den Herrn. Sie war immer offen für seine Gegenwart. Und die Erfahrung seiner Gegenwart wollte sie nicht missen. Das hört sich dann so an:

„Wir wollen … vereinigt Gott dienen und lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, damit wir in der Zeit und Ewigkeit unsern guten Gott immer bei uns haben und wir als seine Kinder ihn lieben und so in Ihm ruhen und Seine Gegenwart genießen können.“ (Brief 67) 

So ist der Bibeltext doch verständlicher, oder? Bleiben wir also offen für seine Freude und Gegenwart.
STH

 

 

Samstag, 7. Oktober 2017

Eine häretische Frage?


Ein Gutsbesitzer verpachtet seinen Weinberg und reist in ein anderes Land. Zur Erntezeit schickt er Mitarbeiter zu den Winzern, um seinen Anteil zu holen. Die Mitarbeiter werden unschädlich gemacht. Daraufhin sendet der Gutsbesitzer seinen Sohn. Den bringen sie sogar um die Ecke, in der irrigen Annahme, den Weinberg dann zu erben. (Mt 21, 33-44) Sie kennen die Geschichte, nicht wahr? Natürlich wissen wir, dass mit dem Gutsbesitzer Gott und mit dem Sohn Jesus gemeint ist, und das diese Geschichte Grundlegendes aussagt über Gott, Jesus und die Menschen. 

Und doch lässt mir eine Frage keine Ruhe – vielleicht ist die ja sogar häretisch?: Warum geht der Gutsbesitzer nicht selbst zu seinen Winzern? Katharina Kasper hätte das getan. 

Katharina war wochen-, monatelang unterwegs in ihrem Weinberg, der Gemeinschaft. Die Arbeit zu Hause überließ sie vertrauensvoll ihren dortigen Mitarbeiterinnen. Ihr war es wichtig zu sehen, ob vor Ort alles in Ordnung war. 

Lebten ihre Mitarbeiterinnen dort unter Umständen, die sie Früchte bringen lassen konnten? Wenn das nicht der Fall war, dann wurden sie ganz schnell nach Hause geholt. Da war Katharina gar nicht zimperlich. Den Schwestern musste es gut gehen, damit sie auch fruchtbar werden konnten. 

Lebten ihre Mitarbeiterinnen wirklich den Willen Gottes? Denn darauf kam es ja an, um im Sinne Gottes und der Gemeinschaft  und für die Menschen Frucht bringen zu können. Katharina wird nicht müde, dies immer wieder einzufordern. Möge der heilige Wille Gottes in allem geschehen und möchten wir allezeit Gottes heiligen Willen erfüllen.“ (Brief 54) Sie erinnern sich, nicht wahr? 

Ging es ihren Mitarbeiterinnen gut – an Leib und Seele? Das ist ja die Voraussetzung, um gute Früchte zu bringen. Katharina war da sehr sensibel. Und sie wusste immer einen Rat, sie wusste immer zu helfen. Da konnte es auch schon mal unkonventionell zugehen. Schauen Sie mal. Hier schreibt Katharina an die Oberin einer sehr kranken Schwester. 

„Es ist mir lieb, dass die arme Schwester noch dort ist. Dieselbe kann nicht nach Königstein, weil sie dafür zu schwach ist. Pflegen Sie dieselbe gut. Gebrauchen Sie den Arzt. Ich schicke Ihnen etwas guten Wein. Davon geben Sie zuerst einen Löffel voll, kann sie ihn vertragen, so geben Sie ihr alle paar Minuten einen Löffel, bis zu einem Gläschen, so dass sie jeden Tag ein Fläschchen nimmt. Mittags besorgen Sie ihr ein Glas guten alten Rotwein oder auch alten Weißwein und ein wenig Kartoffelbrei mit leicht gebratenem Fleisch, so wie sie es nehmen kann. Und was sie am besten nehmen kann, das geben Sie ihr, immer wenig und dann öfter. … Kann die Kranke Milch trinken, so geben Sie ihr soviel, als sie nehmen kann. Ihr Husten wird sich bessern, wenn sie kräftiger wird. …“ (Brief 87) 

Katharina Kasper kann mit dem großen Gutsbesitzer mithalten, finden Sie nicht?
STH

 

Samstag, 30. September 2017

Ich will nicht


Ein Mann hatte zwei Söhne. Beiden gab er einen Auftrag. Der erste sagte Ja zu diesem Auftrag und machte sich aus dem Staub. Der zweite hatte keine Lust, gab das auch zu, machte es aber doch. (Mt 21, 28-32) Sie kennen diese Geschichte, nicht wahr? Als junger Mensch fand ich mich immer in dem zweiten Sohn wieder. Der kommt bei Jesus ja gut weg. Denn er ist es ja, der den Willen des Vaters getan hat, - wenn auch verzögert. 

Warum soll man eigentlich den Willen des Vaters sprich Gottes tun? 

Im Katechismus der katholischen Kirche heißt es: „Es ist der Wille des Vaters, `dass alle Menschen gerettet werden´.(1 Tim 2,4) Damit ist eigentlich ganz klar, warum wir den Willen Gottes tun sollen; denn wer will nicht gerettet werden? 

In Katharina Kaspers Leben gab es nichts Wichtigeres, als den Willen Gottes zu tun. Und weil es für sie so wichtig war – es war ihr Lebensinhalt, kann man sagen – wollte sie auch, dass das für ihre Schwestern, Mitmenschen und Gemeinschaft so ist. Es gibt kaum einen Brief, in dem sie nicht dazu auffordert: „In allem und überall geschehe der heilige Wille Gottes.“ (Brief 14, 27, 29 u.a.) „überall“, das heißt zu allen Zeiten und an allen Orten, immerzu, ohne Unterlass. „in allem“ das heißt in all meinem Denken, Reden und Tun. Also: Den Willen Gottes tun, ist eine Lebensaufgabe. 

Das ist allerdings nicht immer so einfach wie bei den beiden Jungs oben. Manchmal braucht es schon seine Zeit, bis wir den Willen Gottes erkennen. Aber wenn wir das wirklich wollen, dann werden wir erkennen, weil wir das vor allem spüren. Ruhe, Gelassenheit, Friede begleiten dieses Erkennen. „Friede im Herzen und im Hause ist das größte Glück auf Erden. Den heiligen Willen Gottes erfüllen zu wollen, ist ja unsere Bestimmung auf dieser Erde.“ (Brief 279) 

Ja, Katharinas Leben ist geprägt von dem Wunsch, der Sehnsucht, den Willen Gottes zu tun:

„Wir wollen ruhig, demütig, aber mit großem Gottvertrauen der Zukunft entgegengehen, nichts suchen noch wünschen, als den heiligen Willen Gottes erfüllen. O möge der heilige Wille des Allerhöchsten in allem und überall erfüllt werden wie im Himmel so auch auf Erden.“ (Brief 23) 

Der Sohn, der sich besonnen hat und den Willen des Vaters getan hat, der hat sicher einen großen Frieden empfunden und hat die Liebe des Vaters erfahren.
STH

 

 

Samstag, 23. September 2017

… was recht ist

„Ich werde euch geben, was recht ist.“ Erinnern Sie sich? Das sagte der Gutsbesitzer zu den Männern, die er um die dritte, sechste und neunte Stunde zur Arbeit in seinem Weinberg anheuerte. Das ist schon eine clevere Antwort, finden Sie nicht? Wenn er ihnen gesagt hätte, dass auch sie einen Denar bekommen, dann wäre es schon früher zur Meuterei gekommen. 

Und man muss auch sagen, dass die Arbeiter ein ganz schönes Vertrauen mitbrachten, dass der Gutsbesitzer sie nicht übers Ohr haut. „Ich werde euch geben, was recht ist“ – und das kurz vor Zwölf? Er gibt ihnen einen Denar und ist damit echt großzügig. 


Wir wissen ja nun, dass mit dem Gutsbesitzer Gott gemeint ist. Und der will nun mal nur das Gute für uns, das, was recht ist. Der ist nun mal großzügig und lohnt jeden guten Willen, den wir zeigen. 

Genau davon war Katharina Kasper geprägt. Ihr Vertrauen ist beispiellos und grenzenlos.

„Haben wir doch ganz besonders ein großes Gottvertrauen auf Gottes Macht und Barmherzigkeit, und wir werden nicht zu Schanden werden.“ (Brief 45) Genau aus diesem Grund wäre Katharina auch noch zu später Stunde in den Weinberg gegangen.

„Wir wollen auf den Herrn vertrauen und dabei tun, was wir können.“ (Brief 98) Passt das nicht auch gut zu unseren Arbeitern im Weinberg? Geheuert werden wir immer und zu jeder Stunde. Und wir bekommen, was recht ist. Wir müssen nur Vertrauen haben und tun, was wir können, also unseren guten Willen zeigen. 

Für Katharina gilt immer: „Wir müssen anbeten die Vorsehung. Gott weiß am besten, wo es fehlt und wie es am besten ist.“ (Brief 66) Wenn wir auch nur ein bisschen von diesem  Vertrauen hätten, könnten wir ganz gelassen unseren Alltag leben.
STH

Samstag, 16. September 2017

Reißt das Beispiel fort?


Gehören Sie auch zu der Generation, der immer wieder gesagt wurde: „Du musst ein gutes Beispiel geben.“? Wenn der Vater den Joghurtbecherdeckel in aller Öffentlichkeit ableckt, dann wird das sein Filius auch tun. 

Als ich dann in der Schule tätig war, lernte ich, dass das wirklich stimmt: Der Sohnemann leckt den Deckel ab – sehr zum Ärger des Umfeldes. Ich musste aber auch lernen, dass das gute Beispiel nicht nur nicht nachgeahmt wird; es wird noch nicht einmal wahrgenommen. 

Daran muss ich bei dem Evangelium am Sonntag denken. Da gewährt der Gutsverwalter dem Diener, der ihm eine Riesenmenge Geld schuldet, den Schuldenerlass und lässt ihn mit einer Mahnung gehen. Der Diener aber bleibt seinem Kumpel gegenüber, der ihm vergleichsweise wenig Geld schuldet, gnadenlos. Er lässt ihn sogar ins Gefängnis werfen.  

„Worte bewegen; Beispiele aber reißen fort.“ (Brief 108) Das sagt Katharina Kasper. Sie hat diese Erfahrung gemacht. Viele junge Frauen, die sie erlebten, nahmen sie sich zum Beispiel, ließen sich mitreißen und traten in die Gemeinschaft ein.  

Im Brief an Schwester Centolla geht es um das Beispiel, das die Vorgesetzte ihren Schwestern sein soll: „Tragen Sie, meine gute Schwester, recht Sorge … dass immer Friede, Eintracht und Liebe miteinander geübt wird. Jeden Tag müssen wir anfangen, fortsetzen, als sei er der erste und der letzte, am Morgen beten, um die Gnade zu erlangen, welche Sie für sich und Ihre Mitschwestern bedürfen und notwendig haben  ... Worte bewegen, aber Beispiele reißen fort. " (Brief 65) 

Wie wichtig dieses Wort Katharina ist, zeigt sich daran, dass es noch einmal in ihren Briefen auftaucht – in einem anderen Zusammenhang: „Wir … beten, arbeiten, pflegen die Kranken, suchen den Kindern nützlich zu werden und eine gute Erziehung zu erzielen, besonders aber unsere eigene Heiligung zu erstreben, welches ja auch das Erste und Notwendigste ist. Worte bewegen ja nur, aber das Beispiel reißt uns fort. So wollen wir uns denn bemühen, recht fromm … zu leben und zu wirken, zur größeren Ehre Gottes ... “ (Brief 179) Hier geht es also um die Menschen, die mir anvertraut sind, die sich an mir orientieren.
 


„Worte bewegen ja nur, aber das Beispiel reißt uns fort.“ Diese Erfahrung haben wir sicher alle schon gemacht: Worte bewirken nicht viel bei den Menschen, die uns wichtig sind. Im günstigsten Fall lassen sie sich bewegen. Aber die, denen wir ein Stück Orientierung sein sollen, dürfen, müssen, - die orientieren sich vor allem an unserem Tun. Denken Sie an Vater und Sohn mit ihrem Joghurtbecherdeckel. 

Vielleicht reißt das Beispiel nicht fort. Aber steter Tropfen höhlt den Stein. Wir müssen eben Geduld und Liebe haben.
STH