Ein Gutsbesitzer verpachtet seinen Weinberg und reist
in ein anderes Land. Zur Erntezeit schickt er Mitarbeiter zu den Winzern, um
seinen Anteil zu holen. Die Mitarbeiter werden unschädlich gemacht. Daraufhin
sendet der Gutsbesitzer seinen Sohn. Den bringen sie sogar um die Ecke, in der
irrigen Annahme, den Weinberg dann zu erben. (Mt 21, 33-44) Sie kennen die Geschichte, nicht wahr? Natürlich wissen
wir, dass mit dem Gutsbesitzer Gott und mit dem Sohn Jesus gemeint ist, und das
diese Geschichte Grundlegendes aussagt über Gott, Jesus und die Menschen.
Und doch lässt mir eine Frage
keine Ruhe – vielleicht ist die ja sogar häretisch?: Warum geht der
Gutsbesitzer nicht selbst zu seinen Winzern? Katharina Kasper hätte das getan.

Lebten ihre Mitarbeiterinnen
dort unter Umständen, die sie Früchte bringen lassen konnten? Wenn das nicht
der Fall war, dann wurden sie ganz schnell nach Hause geholt. Da war Katharina
gar nicht zimperlich. Den Schwestern musste es gut gehen, damit sie auch
fruchtbar werden konnten.
Lebten ihre Mitarbeiterinnen
wirklich den Willen Gottes? Denn darauf kam es ja an, um im Sinne Gottes und
der Gemeinschaft und für die Menschen
Frucht bringen zu können. Katharina wird nicht müde, dies immer wieder einzufordern.
„Möge
der heilige Wille Gottes in allem geschehen und möchten wir allezeit Gottes
heiligen Willen erfüllen.“ (Brief 54) Sie erinnern sich, nicht wahr?
Ging
es ihren Mitarbeiterinnen gut – an Leib und Seele? Das ist ja die
Voraussetzung, um gute Früchte zu bringen. Katharina war da sehr sensibel. Und
sie wusste immer einen Rat, sie wusste immer zu helfen. Da konnte es auch schon
mal unkonventionell zugehen. Schauen Sie mal. Hier schreibt Katharina an die
Oberin einer sehr kranken Schwester.
„Es ist mir lieb, dass die arme Schwester noch dort
ist. Dieselbe kann nicht nach Königstein, weil sie dafür zu schwach ist.
Pflegen Sie dieselbe gut. Gebrauchen Sie den Arzt. Ich schicke Ihnen etwas
guten Wein. Davon geben Sie zuerst einen Löffel voll, kann sie ihn vertragen,
so geben Sie ihr alle paar Minuten einen Löffel, bis zu einem Gläschen, so dass
sie jeden Tag ein Fläschchen nimmt. Mittags besorgen Sie ihr ein Glas guten
alten Rotwein oder auch alten Weißwein und ein wenig Kartoffelbrei mit leicht
gebratenem Fleisch, so wie sie es nehmen kann. Und was sie am besten nehmen
kann, das geben Sie ihr, immer wenig und dann öfter. … Kann die Kranke Milch
trinken, so geben Sie ihr soviel, als sie nehmen kann. Ihr Husten wird sich
bessern, wenn sie kräftiger wird. …“
(Brief 87)
Katharina Kasper kann mit dem
großen Gutsbesitzer mithalten, finden Sie nicht?
STH