Katharina adlergleich

Katharina adlergleich
Vergiss nicht, dass du Flügel hast ...

Samstag, 22. November 2014

Katharina – eine einfache Frau?

Sie haben sofort das Fragezeichen entdeckt, nicht wahr? Nun, das liegt an dem Wort „einfach“. Das hat ja nun mal verschiedene Bedeutungen. Zwei davon möchte ich aufgreifen.

Einmal bedeutet „einfach“ so viel wie „leicht (verständlich), mühelos, simpel“. Wer diese Bedeutung auf Katharina Kasper anwendet, spielt wahrscheinlich darauf an, dass sie nur eine geringe Schulbildung hatte. Das aber sagt in ihrem Fall wenig aus. Tatsache ist, dass sie mitreden kann, dass sie zahlreiche Briefe geschrieben hat, dass sie etwas zu sagen hat, dass sie mit geistlichen und weltlichen Würdenträgern im Kontakt ist. Tatsache ist, dass sie ihre Gemeinschaft 48 Jahre lang leitet und dies auch durch politisch sehr schwierige Zeiten wie den Kulturkampf. Tatsache ist, dass ihre Gemeinschaft bei ihrem Tod fast 2000 Schwestern zählt und dass sie maßgebend dazu beiträgt, dass die Armut im Westerwald bekämpft wird und dass Dorf Dernbach eine funktionierende Infrastruktur bekommt. Sicher trifft es nicht zu, dass Katharina leicht und simpel ist.

twinlili/pixelio.de 
 Eine weitere Bedeutung von „einfach“ ist „bescheiden, schlicht, anspruchslos“. Diese Bedeutung kann man im Blick auf Katharina uneingeschränkt bejahen. Ihr Leben lang – auch als sie schon eine Berühmtheit ist – bleibt sie bescheiden und anspruchslos; und sie wird nicht müde, ihre Schwestern zu ermahnen, auch ein bescheidenes, anspruchloses Leben zu führen.

„Gehen wir ruhig, demütig und bescheiden, jedoch mutig im Hinblick auf Gott weiter mit Vertrauen und Liebe zu Gott.“ (Brief 123), schreibt sie beispielsweise; oder: „Sie wissen ja, …, daß ich nicht gern viele Worte mache und viel Geräusch, sondern einfach und schlicht wollen wir im allgemeinen und eine jede insbesondere dem lieben, guten Gott, unserm liebsten Vater im Himmel, unsere Wünsche vorbringen.“ (Brief 81)

Katharina – eine einfache Frau? Ich überlasse es Ihrer Beurteilung auf dem Hintergrund all dessen, was Sie schon von ihr wissen.

STH

Samstag, 15. November 2014

Der ursprüngliche Geist der ADJC?

„Wir wollen mit Gottes Gnaden so recht gemeinschaftlich in einem Geiste … als arme Dienstmägde Jesu Christi wirken, leben und streben, in dem ersten und ursprünglichen Geiste uns erhalten.“ (Brief 104)

Dieses Wort Katharina Kaspers stand über dem diesjährigen Provinzkapitel der Deutschen Provinz und begleitete uns durch diese drei Wochen. Katharina wendet sich 1885 mit diesen Worten an Schwester Secunda Germesheimer, die seit jenem Jahr Oberin der amerikanischen Provinz ist. Schwester Secunda kann sicher ganz einfach die Frage beantworten, was denn der ursprüngliche Geist der ADJC ist. Uns heutigen Zeitgenossen fällt das vielleicht nicht mehr so leicht. Oder doch? Wir haben ja die Briefe Katharinas, in der dieser „ursprüngliche Geist“ ganz deutlich wird.

Und da wird ganz klar: Immer geht es Katharina darum, Gott zu verherrlichen, und das in der vollkommenen Erfüllung seines Willens durch Selbstheiligung und Nächstenliebe. Und genau das erwartet Katharina auch von ihrer Gemeinschaft – gestern und heute.


In diesem Zusammenhang betont sie auch, dass die Gemeinschaft, die mit einem kleinen Klösterchen entstanden ist, ihren Ursprung im Hause von Nazareth hat.
„Sie haben das große Glück, zu wohnen im kleinen Häuschen von Nazareth. Sie müssen aber recht dankbar sein, aber auch ein heiligmäßiges Leben führen, innerlich und äußerlich, damit Sie in der Tat auch das Glück genießen der Armut und Einfachheit, Demut, Gehorsam sowie die übrigen Tugenden nachzuahmen, welche die heilige Familie gelehrt durch Wort und Tat.“ (Brief 134) Und gerade in dieser Aussage wird deutlich, welche Eigenschaften den ursprünglichen Geist ausmachen.

Es geht darum, uns in diesem ursprünglichen Geist zu erhalten. Das ist Katharinas Anliegen zu ihrer Zeit; das muss unser Anliegen heute sein. Dieser ursprüngliche Geist ist eine Herausforderung – damals wie heute. Seine Realisierung fordert unsere ganze Wachsamkeit – damals wie heute. Gefahren lauern immer – heute vielleicht mehr als damals.

Aber es ist nicht unmöglich. Denn wir haben Katharina, und „niemand hat so wie sie in diesem Geiste gelebt, niemand so tief das Geheimnis der Menschwerdung Jesu Christi in der Erfüllung des Willens seines himmlischen Vaters erfasst und in ihrer Gemeinschaft durchzuführen gesucht“ (Sr. Aurelia Fröhlich ADJC) wie Katharina Kasper. Und mit Gottes Gnaden ist alles möglich …

STH

Samstag, 8. November 2014

„Alles für Jesus“ - das große Abenteuer Alltag

„Mit Novizen und Schwestern sind wir 20, mit Kindern und alle zusammen 38. Werden Sie aber nicht unruhig, dass wir nicht zum Leben hätten, denn ich bin ja nicht schuld und Sie auch nicht. Wenn er sie hierher führt, so wollen wir das Vertrauen haben, dass er es auch an dem Notwendigen nicht fehlen lässt, oder wenn es auch mal fehlen sollte, es wir ruhig ertragen können.“ So schreibt Maria Katharina Kasper 1853 an – da werden Sie staunen - Bischof Peter Josef Blum.

Bischof Peter Josef Blum
Ist dies nicht eine herrliche, eine wunderschöne Textstelle? Welch eine Sicherheit und Gelassenheit, welch ein Gottvertrauen, welche Liebe spricht aus diesen Zeilen! Für Katharina Kasper besteht kein Zweifel daran, dass Gott die gegenwärtige Situation so gefügt hat. In manchen Augen wird sie beängstigend sein, zumal wenn die scheinbare Ohnmacht der Betroffenen erfahren wird. Aber Katharina bleibt ganz ruhig. Wenn - nein, da Gott diese Situation so gefügt hat, wird er auch dafür sorgen, dass sie bestanden werden kann.

Katharina lebt mit ihrem Gott. Er ist ihr Gefährte, ihr Freund, der sie begleitet, der bei ihr ist, mit dem sie reden kann, dem sie überall und in allem begegnet. Mit offenen Augen und offenem Herzen geht sie durch ihren Alltag, so dass sie Gottes Zeichen sofort erkennt und ihn auch in den Widerwärtigkeiten ihres Alltags findet. Katharina lebt mit ihrem Gott, und weil sie das tut, ist ihr Leben voller Überraschungen.

Katharinas Leben mit Gott ist geprägt von einem lebendigen Austausch. Wenn Gott Freund ist, dann kann sie mit ihm reden wie mit einem Freund. Und ihr Leben ist so geprägt von diesem Gespräch, dass es auch immer wieder einfließt in ihre Briefe. „Ach, mein Gott, was könnte uns denn außer Dir noch glücklich machen? Gewiss nichts soll unser Herz beglücken, als Dich allein zu besitzen.“ Dies ist nur eines von spontanen Gebeten, denen wir in ihren Briefen begegnen. Und weil sie weiß und es täglich neu erfährt, wie wichtig dieses Gespräch mit ihrem Lebensgefährten ist, wird sie nicht müde, ihre Schwestern und ihre Mitmenschen immer wieder daran zu erinnern. „Beten wir immer, beten wir allezeit, wie der hl. Apostel Paulus sagt, betet allezeit, möget ihr essen oder trinken, arbeiten und euch erholen, alles soll Gebet sein.“ Das Gebet ist nicht beschränkt auf die Stunde Gottesdienst und nicht eingeengt auf den Kirchenraum. „Wir können alle Schritte und Tritte, alle Regungen dem lieben Gott ... darbringen ...“ Ihren Alltag bringt Katharina vor Gott ins Gespräch, all ihr Fühlen, Denken, Reden und Tun, wohl wissend, dass alles groß und wertvoll ist vor Gott, der sie liebt. Damit bekommt ihr Leben eine ganz neue Bedeutung, eine wunderbare Größe und Qualität, auch wenn vielleicht nicht alles so gelingt, wie sie es sich vorstellt.

Katharina ist verliebt in ihren Gott. Und wie das so bei Liebenden ist: sie will bei ihm sein, ihm angehören, ganz mit ihm vereinigt sein. Immer wieder wird dies auch in ihren Briefen deutlich, z.B. dem Bischof gegenüber - „O mein Jesus, lasse mich, o lasse mich doch einmal Dir ganz angehören. Mache mich, wie Du mich haben willst, wirke, leide und liebe Du in mir und lasse mich wirken, leiden und lieben in Dir.“ - oder den Schwestern gegenüber - „Möge der liebe Gott ... mir geben eine vollkommenere Liebe zu Ihm, die nichts sucht und nichts ausschlägt, jene Liebe, die Gott allein sucht, die Ihn allein ehrt, liebt und von Herzen dient ...“.  Wenn ein Leben so von Liebe gefüllt ist, dann ist es ein erfülltes Leben, ein spannendes Leben, ein Leben voller Abenteuer.

Heute leiden viele Menschen unter der Langeweile ihres Lebens, unter dem Grau ihres Alltages. Heute suchen viele Menschen die Abwechslung, das prickelnde Ereignis, den „Kick“, um der Eintönigkeit und Fadheit ihres Lebens zu entkommen, wenigstens für kurze Zeit. Katharina Kaspers Geheimnis könnte auch unserem Leben neuen Inhalt geben: „Alles für Gott, alles mit Gott.“ Mit der Lebendigkeit unserer Gottesbeziehung steht und fällt die Lebendigkeit unseres Alltags, unseres Lebens. Je mehr Raum wir Gott in unserem Leben geben, umso mehr kann er darin wirken. Je mehr wir mit ihm leben (warum sollen wir das „Zufall“ nennen, worin er uns seine Aufmerksamkeiten schenkt?),  umso lebendiger, umso bunter, umso spannender wird unser Leben. Sicher wird es nicht frei sein von Leid und Kreuz; aber können wir nicht auch das besser und leichter tragen, weil wir wissen: Gott ist auch jetzt da und trägt uns durch diese Situation hindurch?

„Alles für Jesus, so zu denken ist genug.“ - und das Leben wird zu einem großen Abenteuer.
STH


Samstag, 1. November 2014

Die kurze Spanne Zeit

Heute beginnt mit Allerheiligen der Monat November, der Monat, der geprägt ist von dem Gedanken an den Tod. Das bringen schon viele Gedenktage so mit sich. Außerdem neigt sich das Jahr seinem Ende zu.
Von Katharina Kasper ist uns überliefert, dass sie sich auf den Tag freute, an dem sie in den Himmel, ihre „größte Filiale“, wie sie manchmal sagte, „versetzt“ würde. Was zu ihrer Zeit vielleicht noch nicht der Fall war, heute stimmt es ohne Zweifel: im Himmel gibt es mehr ADJCs als in allen Konventen aller Provinzen und Regionen zusammen.
In den vergangenen Monaten sind viele unserer Mitschwestern in die „größte Filiale versetzt“ worden, - die meisten „satt an Jahren“, wie die Bibel sagt. Mir kommt Katharina Kaspers Wort in den Sinn: „Machen wir immer einen guten Gebrauch von der kurzen Spanne Zeit, die so schnell vergeht und hineilt in die Ewigkeit.“ (Brief 72)
Wir alle wissen, dass es ein Kreuz ist mit der Zeit. Meistens reicht sie hinten und vorne nicht, obwohl es doch heißt: „Als Gott die Zeit gemacht hat, hat er genug davon gemacht.“ (Irisches Sprichwort) Es gibt kaum einen Menschen, der nicht sagt: „Ich habe keine Zeit. - Die Zeit läuft mir davon. - Ich bin im Stress.“ Ob Katharina Kasper auch etwas von diesem Problem ahnte, da sie von der kurzen Spanne Zeit spricht, die uns zur Verfügung steht? In diesem Zusammenhang meint sie sicher die Lebenszeit eines Menschen, die - sind es 70, 80, 90 Jahre - doch recht kurz ist im Blick auf die Weltzeit im Ganzen, im Blick auf die Ewigkeit.

Lupo/pixelio.de
„Machen wir immer einen guten Gebrauch von der kurzen Spanne Zeit.“ Tun wir das? Vielleicht liegt es an uns, dass wir ständig im Stress sind. Vielleicht machen wir etwas falsch, dass wir nie Zeit haben. Katharina Kasper hatte ihre Form gefunden, um mit diesem Problem fertigzuwerden. Natürlich ist ihre Zeit nur schwer mit der unseren zu vergleichen. Aber Arbeitsbelastungen hatte sie auch genug, und „Hektik“ war kein Fremdwort für sie. Katharina Kasper aber ermahnt zur Ruhe bei der Arbeit: „Tun wir alles mit innerer und äußerer Ruhe, dann geht es noch einmal so gut.“ (Brief 184) 
Natürlich könnten wir sagen: „Die hat gut reden.“ Aber wir wissen auch, dass sie so gelebt hat, und dass dieses Vorbild andere beeindruckte und ansteckte. Wie war ihr das möglich?
Ich denke, Katharina Kasper setzte Prioritäten. Und vor allem stand Gott. Sie wusste sehr gut: „Ohne Gott können wir nichts tun.“ Also versuchte sie es erst gar nicht. Eine folgerichtige Konsequenz daraus: „Wenn wir viel zu tun haben, müssen wir umso mehr beten.“ Gott soll die erste Stelle im Leben eines Christen einnehmen. Aber setzen wir immer die Priorität Gott?
Wenn wir uns bewusst in seine Gegenwart versetzen, dann wird er seinen Segen zu unserem Tun geben, - davon war Katharina Kasper überzeugt. Vor Gott sind die Arbeiten am wertvollsten, die man mit Freuden tut, mit reinem Herzen und aus Liebe zu ihm. Wenn wir so mit und für Gott leben, dann wird das gelingen, was nach seinem Willen jetzt gelingen soll, dann wird es so gelingen, wie er es für diesen Augenblick will.
Die Priorität Gott setzen heißt: den Augenblick leben. Auf die Vergangenheit haben wir keinen Einfluss mehr, auf die Zukunft noch keinen Zugriff. Aber die Gegenwart ist die uns geschenkte Zeit. Wenn wir den Augenblick leben in dem Bewusstsein „Gott sieht mich“ (KK), dann können wir in Gelassenheit den Mut zur Lücke haben - zur rechten Zeit wird das geschehen, was nach Gottes Willen geschehen soll -; dann wird die uns geschenkte Zeit eine erfüllte Zeit.
„Machen wir immer einen guten Gebrauch von der kurzen Spanne Zeit, die so schnell vergeht und hineilt in die Ewigkeit.“ Der Tag kommt, an dem wir alle die Versetzung in jene „größte Filiale“ erhalten. Vielleicht werden wir dann gefragt werden, was wir mit unserer Zeit gemacht haben, die uns Gott in großer Fülle geschenkt hat. Wie peinlich wäre es, wenn wir dann sagen müssten: „Wir hatten keine Zeit.“
STH



Samstag, 25. Oktober 2014

„Das Herz Jesu soll uns … beglücken ...“

Vielleicht ist Ihnen das auch schon passiert: Da gibt es Redewendungen oder Aussagen von Maria Katharina Kasper, mit denen Sie nicht viel anfangen können. Es muss einen ja nicht alles ansprechen, also überlesen Sie diese Stellen einfach. Und dann – plötzlich – durch irgendeine Begebenheit veranlasst, beschäftigen Sie sich mehr mit dieser Aussage, - und sie bekommt eine ungeahnte Bedeutung.

Zu diesen Redewendungen und Aussagen gehörten für mich Maria Katharinas Worte vom Herzen Jesu. Fast jeden Brief  beschließt sie mit einem Hinweis auf das Herz Jesu. Und in einigen Briefen mahnt sie zur Verehrung des Herz Jesu: „Unser Leben und Wirken ... muss ein Gnadenleben, ein Tugendleben sein, welches wir beständig schöpfen sollen aus Jesus. Das Herz Jesu soll uns beleben, beseelen und beglücken. Täglich müssen wir eifrig im Gebete den lieben Gott bitten um dieses Gnadenleben Jesu ...“ (Brief 68) „Wiederholen wir jeden Tag ... mit wenigen Worten die kleine, demütige, aber kindliche und großmütige Hingabe an Gott und das göttliche Herz Jesu ...“ (Brief 97)

Die Herz-Jesu-Verehrung war damals weit verbreitet; es bedurfte nicht vieler Worte; jeder wusste mit Maria Katharina Kaspers Aussagen etwas anzufangen. Etwas anders ist das mit uns Heutigen. Wir denken sofort an kitschige Herz-Jesu-Darstellungen und süßlich-schmalzige Andachtsgebete, die uns den Zugang verwehren.

Papst Pius IX. führte 1856 das Herz-Jesu-Fest für die ganze Kirche ein. Es wird an dem dritten Freitag nach Pfingsten gefeiert, und an jedem ersten Freitag eines jeden Monats, dem sogenannten Herz-Jesu-Freitag, wird an das Festgeheimnis erinnert. Welche Bedeutung hat nun dieses Fest – auch für uns heute?

Das Herz ist zunächst einmal ein Symbol der Menschlichkeit, ein Symbol der Liebe. „Man sieht nur mit dem Herzen gut“ – Sie kennen diese Aussage Antoine de Saint-Exuperys, und auch das Wort vom „steinernen Herzen“ wissen Sie mit Inhalt zu füllen. Einem Menschen mit Herz zu begegnen, tut uns allen gut. Die Herzensbildung ist wichtiger als jede Intelligenz, gerade in der heutigen Zeit. „Der hat das Herz auf dem rechten Fleck“ – ein größeres Kompliment kann es in einer Zeit, die oft so herzlos erscheint wie die unsrige, nicht geben.

Das Herz Jesu – Gott hat in Jesus Christus ein menschliches Herz angenommen, ein Herz, das fühlen und mitleiden kann. Gott hat in Jesus Christus ein Herz für uns, das heißt, er liebt uns mit einer Liebe, „die durchaus unserer menschlichen Liebe ähnlich ist und sie zugleich unendlich übersteigt“ (Anselm Grün). Jesu Herz ist ein verwundetes, durchbohrtes Herz. Als der Verwundete ist Jesus zu der Quelle unseres Heils geworden.

Die biblische Begründung der Herz-Jesu-Verehrung findet sich u.a. im Johannes-Evangelium in dem Bericht von Jesu Kreuzigung.  Das Kreuz ist der Ernstfall der Liebe. Das durchbohrte Herz Jesu ist ein anderes Wort für die unendliche Liebe des Gottessohnes.
Die Herz-Jesu-Verehrung bringt sozusagen Herz zu Herz: Herzen aus Stein sollen zu liebenden Herzen werden – nach dem Vorbild Jesu.

Und auf diesem Hintergrund sind meiner Meinung nach Maria Katharina Kaspers Worte zu verstehen. Die Hingabe an das göttliche Herz Jesu, die Offenheit für seine Liebe, seine Gnade, bereichert und belebt das eigene Leben und damit das eigene Wirken. Die Hingabe an sein verwundetes Herz schenkt Hoffnung und Vertrauen, dass eigene Wunden heilen und dass das eigene Leben trotz dieser Ver-wundungen gelingen wird.
„Das Herz Jesu soll uns beleben, beseelen und beglücken. ... Wiederholen wir jeden Tag mit wenigen Worten die kleine, demütige, aber kindliche und großmütige Hingabe an Gott und das göttliche Herz Jesu“, erinnert und mahnt Maria Katharina.
STH


Samstag, 18. Oktober 2014

Sie wissen, was uns den Frieden bringt

Katharina Kasper spricht in ihren Briefen häufig vom Frieden. 1891 – sie ist 71 Jahre alt - schreibt sie einen Rundbrief, in dem der Friede sogar ein zentrales Thema ist (Brief 200). Grund genug, sich diesen Brief mal näher anzuschauen.

„Meine lieben Schwestern, [wir können jeden Menschen so anreden] Sie wissen alles dieses selbst sehr gut, was wir zu tun und zu lassen haben, was uns den Frieden des Herzens und des Hauses bringt und auch, wodurch der Friede im Herzen und im Haus gestört wird“, so beginnt sie ihren Brief. Hand aufs Herz! Hat sie nicht recht? Eigentlich merken wir sofort, wenn wir etwas getan oder gesagt haben, was Unbehagen, letztlich Unfrieden sät. Aber es ist nicht einfach das Unterlassen dieser Taten oder Worte, die Frieden schaffen. Es gehört doch noch mehr dazu. Katharina drückt es so aus:

„Bestreben wir uns der Reinheit des Herzens und der Seele; sind wir rein in unsern Gedanken, Worten und Werken; rein in unserem Gedächtnis, Verstand und Willen sowie in unsern Sinnen, im Charakter und Natur.“ Unsere Gedanken und unser Herz prägen uns und unser Tun und Reden. Wenn unser Herz, unsere Seele, unsere Gedanken rein sind, nur Gutes wollen, dann wird unser ganzes Sein entsprechend geprägt. Da ist kein Platz für Ungutes, für Unfrieden.

„Ist dieses allezeit unsere Absicht und gute Meinung, frei zu werden von aller ungeordneten Liebe gegen alle Geschöpfe und geschaffenen Dinge und auf der anderen Seite nur das Wohlgefallen Gottes zu erstreben und nur zu leben, zu leiden für Gott, mit Gott und weil es Gott so will; alles Gute zu üben und alles Böse zu meiden, so werden wir hienieden schon genießen eine große Seligkeit in Gott, ja dann wird in allem und überall der Friede in Gott gefunden, und unsere Seele wird glücklich …“ Bei der ungeordneten Liebe muss ich an Eifersucht und Leidenschaft denken. Wir wissen, wie unfrei beides macht, wie wenig Raum da für Gott bleibt. Wenn ich Raum für ihn schaffe – Katharina drückt dies wunderbar aus -, dann hat nur noch das Gute, das Wahre Platz, und ganz automatisch wird Frieden und Glück.

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„Meine lieben Schwestern, wir wollen uns als geistige Schwestern lieben, wollen miteinander wirken, arbeiten, aber auch ertragen und entsagen. Gerne ‘trage eine der anderen Lasten’ (Gal 6,2) in gesunden und kranken Tagen. Das sind so einigermaßen die Mittel und Wege bezeichnet, die uns in dieser Welt das Glück finden lassen. Suchen wir nun mit Ernst dieselben zu benutzen, damit wir in der Zeit und in der Ewigkeit glücklich werden und jenen Frieden finden, den die Welt nicht geben und nicht nehmen kann (Phil 4,7).“  Katharina spricht hier selbst von Mittel und Wege, wie wir zum Frieden beitragen können. Der Frieden im eigenen Herzen und im eigenen Haus ist die Voraussetzung für den Frieden am Arbeitsplatz, in meiner Stadt, in meinem Land, in der Welt.

Aber – und das zeigt ja unsere Erfahrung bei allem Bemühen – es ist eben ein Friede, den die Welt nicht geben kann. Wir brauchen Gott, um Frieden zu schaffen – sowohl im eigenen Herzen als auch im eigenen Haus, erst recht darüber hinaus. Wir brauchen Gott. Darum müssen wir beten – ohne Unterlass, unnachgiebig – nicht zuletzt um die eigene Bekehrung …
STH


Samstag, 11. Oktober 2014

Frieden – bewahren wir den Frieden!

Kein Wort wird heutzutage so oft benutzt wie dieses – Frieden.  Nichts fehlt heute in so vielen Teilen der Welt so sehr wie der Friede. Nichts wird so sehr ersehnt wie der Friede.
Auch Katharina Kasper war er ein großes Anliegen. In vielen ihrer Briefe spricht sie vom Frieden. Sie hat ja selbst Kriegszeiten erlebt. Und sie ist ganz sicher, dass Gott uns den Frieden schenkt, wenn wir ihn darum bitten. Genau so sicher ist sie, dass wir etwas dazu tun können, damit es Frieden wird.

„Wandeln wir so in Gottes Gegenwart, dass Sie alle Ihre Berufspflichten gut verrichten und der liebe Gott alles sehen kann. Suchen wir dem lieben Gott allein gefallen zu wollen, Seine Ehre zu fördern, so gelangen wir zur Vereinigung mit dem lieben Gott. Wir finden Frieden, Ruhe in unseren Seelen, Ergebung in den göttlichen Willen. Ja, dann leben wir in Frieden miteinander, mit unseren Pflegebefohlenen und mit allen Menschen, mit denen wir durch unseren Beruf zusammengeführt werden. … O möge der liebe Gott doch helfen und den langersehnten Frieden geben.“ (Brief72)

Unsere Ausrichtung auf Gott, unsere eigene Lebenshaltung tragen dazu bei, dass es Frieden geben kann. So leben, dass Gott es sehen kann, ihm gefallen wollen, seine Ehre fördern – da haben schräge Gedanken und Wünsche keinen Platz, da finden negative Vorstellungen keinen Raum. Damit ist Zufriedenheit da, eine Voraussetzung für den Frieden. Da können wir ganz ruhig sein, ein Standbein des Friedens. Deshalb kann sie sagen:

„Halten wir uns ruhig und bewahren unter allen Verhältnissen den Frieden unserer Seele. Auf Regen folgt Sonnenschein.“ (Brief17)

Den Frieden bewahren – ganz oft fordert Katharina ihre Mitschwestern dazu auf. Den Frieden bewahren - unter allen Umständen soll man das tun und sich den Frieden auch etwas kosten lassen. Den Frieden bewahren – wir können das, davon ist Katharina überzeugt, weil wir wissen, dass alles vorüber geht, mag es noch so schwer sein.

Ja, und immer gilt:
„Der liebe Gott, der diese [oder jene] Prüfung zugelassen, muss weiter helfen. Möchten wir nun allezeit das unsrige tun und treu mit der Gnade Gottes mitwirken. Leben und streben wir doch allezeit schwesterlich miteinander und bewahren den Frieden. Dieses Leben in Gott und im Dienste Gottes sein Glück suchen, ist der Himmel schon hier auf Erden.“ (Brief 73)

Und das gilt für alle, die mit Gott leben wollen …
STH