Katharina Kasper spricht in ihren Briefen häufig vom
Frieden. 1891 – sie ist 71 Jahre alt - schreibt sie einen Rundbrief, in dem der
Friede sogar ein zentrales Thema ist (Brief 200). Grund genug, sich diesen
Brief mal näher anzuschauen.
„Meine lieben
Schwestern, [wir können jeden Menschen so anreden] Sie wissen alles dieses selbst sehr gut, was wir zu tun und zu lassen
haben, was uns den Frieden des Herzens und des Hauses bringt und auch, wodurch
der Friede im Herzen und im Haus gestört wird“, so beginnt sie ihren Brief.
Hand aufs Herz! Hat sie nicht recht? Eigentlich merken wir sofort, wenn wir
etwas getan oder gesagt haben, was Unbehagen, letztlich Unfrieden sät. Aber es
ist nicht einfach das Unterlassen dieser Taten oder Worte, die Frieden
schaffen. Es gehört doch noch mehr dazu. Katharina drückt es so aus:
„Bestreben wir uns der
Reinheit des Herzens und der Seele; sind wir rein in unsern Gedanken, Worten und
Werken; rein in unserem Gedächtnis, Verstand und Willen sowie in unsern Sinnen,
im Charakter und Natur.“ Unsere Gedanken und unser Herz prägen uns und
unser Tun und Reden. Wenn unser Herz, unsere Seele, unsere Gedanken rein sind,
nur Gutes wollen, dann wird unser ganzes Sein entsprechend geprägt. Da ist kein
Platz für Ungutes, für Unfrieden.
„Ist dieses allezeit
unsere Absicht und gute Meinung, frei zu werden von aller ungeordneten Liebe
gegen alle Geschöpfe und geschaffenen Dinge und auf der anderen Seite nur das
Wohlgefallen Gottes zu erstreben und nur zu leben, zu leiden für Gott, mit Gott
und weil es Gott so will; alles Gute zu üben und alles Böse zu meiden, so
werden wir hienieden schon genießen eine große Seligkeit in Gott, ja dann wird
in allem und überall der Friede in Gott gefunden, und unsere Seele wird
glücklich …“ Bei der ungeordneten Liebe muss ich an Eifersucht und
Leidenschaft denken. Wir wissen, wie unfrei beides macht, wie wenig Raum da für
Gott bleibt. Wenn ich Raum für ihn schaffe – Katharina drückt dies wunderbar
aus -, dann hat nur noch das Gute, das Wahre Platz, und ganz automatisch wird
Frieden und Glück.
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(twinlili/pixelio.de) |
„Meine lieben
Schwestern, wir wollen uns als geistige Schwestern lieben, wollen miteinander
wirken, arbeiten, aber auch ertragen und entsagen. Gerne ‘trage eine der anderen Lasten’ (Gal 6,2) in gesunden und kranken
Tagen. Das sind so einigermaßen die Mittel und Wege bezeichnet, die uns in
dieser Welt das Glück finden lassen. Suchen wir nun mit Ernst dieselben zu
benutzen, damit wir in der Zeit und in der Ewigkeit glücklich werden und jenen
Frieden finden, den die Welt nicht geben
und nicht nehmen kann (Phil 4,7).“ Katharina
spricht hier selbst von Mittel und Wege, wie wir zum Frieden beitragen können.
Der Frieden im eigenen Herzen und im eigenen Haus ist die Voraussetzung für den
Frieden am Arbeitsplatz, in meiner Stadt, in meinem Land, in der Welt.
Aber – und das zeigt ja unsere Erfahrung bei
allem Bemühen – es ist eben ein Friede, den die Welt nicht geben kann. Wir
brauchen Gott, um Frieden zu schaffen – sowohl im eigenen Herzen als auch im
eigenen Haus, erst recht darüber hinaus. Wir brauchen Gott. Darum müssen wir
beten – ohne Unterlass, unnachgiebig – nicht zuletzt um die eigene Bekehrung …
STH