„… Ich fasse mich
bei solchen Ereignissen kurz und sage mir gleich, der heilige Wille Gottes möge
geschehen. Man muss die Vorsehung anbeten und sich ruhig der Gnade des Herrn
unterwerfen. Erst später wird es uns klar werden, warum solche Prüfung vom
lieben Gott zugelassen wurde. (…) Der liebe Gott hat uns noch nicht verlassen,
das dürfen wir doch schließen aus den vielen Liebesbeweisen, welcher er uns
würdiget. Wir sollen hieraus lernen, dass nicht allein schwache Seelen wanken,
sondern auch starke können noch straucheln, wenn sie nicht beständig auf ihrer
Hut sind und um Festigkeit und Beharrlichkeit beten. Wir müssen aus allem
Nutzen schöpfen.“ (Brief 16)
Katharina adlergleich
Vergiss nicht, dass du Flügel hast ...
Samstag, 12. Juli 2014
Samstag, 5. Juli 2014
Sich einfach mal „dadurch machen“ …
Wissen Sie, was mich auch fasziniert an Katharina Kasper? Trotz aller
Frömmigkeit und Heiligkeit ist sie Mensch geblieben. In vielen Situationen
reagiert sie so menschlich wie wir es eigentlich jeden Tag tun. Zum Beispiel
hier:
„Dieses hört man
immer am liebsten, wenn es den Schwestern gut geht. Man weiß ja doch, dass es
als so nebenbei was dazwischen kommt. Hier geht es auch gut; wir sind jedoch so
mit Arbeit und Sorgen belastet, dass man sich alsmal dadurch machen möchte.
Jedoch ist es ja so nützlich und gut, dass man zu tun hat.“ (Brief 133)
Ist diese realistische Haltung Katharinas nicht herrlich erfrischend? Es
kann ganz schnell was dazwischen kommen, und es geht einem nicht mehr wirklich
gut. Dann kommt es auf die Haltung an, mit der man mit dieser plötzlichen
Durchkreuzung umgeht. Letztlich – so Katharina – kommt alles von Gott.
Ja, und dann ist es „nützlich und
gut, dass man zu tun hat.“ Arbeit und Sorgen gehören eben zu dem Kreuzchen,
das man zu tragen hat. Und doch – manchmal ist es so, dass man einfach mal
abhauen will, dass man einfach mal das Weite suchen will. Also auch Katharina
geht es schon mal so. Und – ich gestehe – das tut mir wirklich gut. Ein solches
Empfinden ist kein Hinderungsgrund zur Heiligkeit. Ich finde, es macht
Katharina noch sympathischer.
Wahrscheinlich hat Katharina sich nie „dadurch“ gemacht. Ich werde es tun: Am Montag kann ich für drei
Wochen in Ferien gehen – alle Arbeit und Sorgen hinter mir lassen und mich –
das habe ich vor – auch wieder mal intensiv mit Katharina beschäftigen. Darauf
freue ich mich. Wenn Sie Ihre Ferien auch noch vor sich haben, dann genießen
Sie sie und schöpfen neue Kraft. Aber vergessen Sie nicht:
STH
Samstag, 28. Juni 2014
Wenn man mit Flügeln geboren wird …
„Wenn man
mit Flügeln geboren wird,
sollte man
alles dazu tun,
sie zum
Fliegen zu benutzen.“
Das Wort könnte von Katharina Kasper sein, nicht
wahr? Ist es aber nicht. Es stammt von Florence Nightingale. Sie ist eine Begründerin der modernen westlichen Krankenpflege
und einflussreiche Reformerin des Sanitätswesens und der Gesundheitsfürsorge in
Großbritannien und Britisch-Indien. Außerdem ist sie Zeitgenössin von
Katharina. Sie wurde im Mai 1820 geboren – wie Katharina -, ist allerdings
älter geworden. Sie starb 1910.
„Wenn man mit Flügeln geboren wird …“ – Ganz sicher
wird das „wenn“ hier nicht konditional gebraucht. Weder Nightingale noch
Katharina stellen diese Tatsache in Frage. Also wird „wenn“ temporal oder
kausal benutzt: „da oder weil wir mit Flügeln geboren werden“.
Wir haben Flügel – von Geburt an. Aber es ist keine
Selbstverständlichkeit, sie auch zum Fliegen zu benutzen.
Wie ist das möglich? Wie kann man das?
Katharina gibt viele Tipps in diese Richtung:
„Möchten
wir beständig so treu mitwirken mit der Gnade Gottes, auf das alle Hindernisse
hinweggeräumt würden, welche den lieben Gott mit Seinen Gnadenwirkungen
hindern.“ (Brief 155)
„Nichts
soll an und in uns sein, was nicht für Gott lebt und wirkt.“ (Brief 136)
„Behalten
Sie Mut und Vertrauen, und Gott wird helfen.“ (Brief 88)
Die Ausrichtung auf Gott, das heißt, wenn wir Ihm
Raum schaffen in unserem Leben, dann werden wir frei. Und diese Freiheit –
diese Erfahrung, dass wir Flügel haben – macht scheinbar Unmögliches möglich,
schafft ungeahnte Möglichkeiten, befähigt uns zu Großem. Gott schafft Großes
mit uns, wenn wir Ihm Raum geben, wenn wir Ihn lassen, wenn wir uns hörend auf
Ihn einlassen.
Katharina ist sich sicher: „Der liebe Gott will unser Herz allein besitzen und beständig darin
wohnen.“ (Brief 69)
STH
Samstag, 21. Juni 2014
Wir wollen sehen, was Gott macht …
„Ich kann fast
nichts mehr von der Sache hören.“ (Brief 88) Das ist O-Ton Katharina Kasper.
Das gibt es also auch, - dass sie so genervt ist von einem Problem, dass sie
nichts mehr davon hören will. Aber trotzdem resigniert sie nicht. Sie bleibt
ruhig und gelassen und fordert auch ihre Schwestern dazu auf. „Sie wollen nur fromm mit den Schwestern
leben“, schreibt sie an die Oberin Schwester Firmata, „wir wollen dann sehen, was der liebe Gott
„Behalten Sie Mut
und Vertrauen, und Gott wird helfen.“ Dieser Zuspruch Katharinas ist auch für
uns heute ganz wichtig – und in jeder Situation. Ich glaube, manchmal trauen
wir Gott zu wenig zu. Aber er ist Gott, und er will dass es uns gut geht, damit
wir in Freude seinen Willen tun. Darauf kommt es letztlich an: „In allem und überall geschehe der heilige
Wille Gottes.“ (Brief 14 und viele andere)
STH
Samstag, 14. Juni 2014
Wunderbares Glaubensgeheimnis
Die Tatsache, dass unser
Gott ein dreifaltiger ist, ist für die anderen monotheistischen Religionen
absolut unverständlich. Eine Gottheit, aber drei Personen – ist das nicht nur
Wortklauberei? Wenn es sich um drei Personen handelt, dann sind es doch drei
Götter, oder?
Nein. Das können wir
Christen ganz entschieden sagen. Und es gibt durchaus überzeugende Vergleiche.
Stellen Sie sich eine
Hibiskus-Pflanze vor. Diese Pflanze besteht aus Wurzeln, aus einem Stamm und
aus der Blüte. Niemand käme auf die Idee zu sagen, die Wurzeln seien der
Hibiskus. Niemand würde behaupten, der Stamm sei die Hibiskuspflanze, und
niemand hält eine Blüte in der Hand und sagt: „Das ist ein Hibiskus.“ Nur alle
drei Teile zusammen – Wurzeln, Stamm und Blüte – bilden die Hibiskuspflanze.
So ist das mit der
Dreifaltigkeit: Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist zusammen sind der
eine Gott.
Man kann auch sagen:
Gott Vater – Gott über mir
Gott Sohn – Gott neben mir
Gott Heiliger Geist – Gott in mir.
Katharina Kasper hat keine
Probleme mit diesem Glaubensgeheimnis. „Der
Dreieinige Gott wolle uns segnen, uns beständig mit seiner Gnade beistehen,
damit wir einen guten Kampf kämpfen (vgl. 1 Tim 1,18) gegen die Welt,
uns selbst und den bösen Feind. Denn solange wir leben, haben wir gegen diese
drei Hauptfeinde zu kämpfen.“ (Brief
72)
Und das können wir am besten mit dem Gott, der uns auf allumfassende Weise
umgibt.
„Der
Dreieinige Gott wolle uns segnen, uns beständig mit seiner Gnade beistehen.“ (Brief 61)
Diesem Wunsch Katharinas ist
nichts hinzuzufügen.
STH
Samstag, 7. Juni 2014
Er ist da – und wirkt
Kennen Sie die Gretchenfrage? Gretchen fragte Faust: „Nun
sag, wie hast du´s mit der Religion?“ (Goethes
Faust, Szene Gretchens Stube) Diese Frage möchte ich etwas abwandeln und
Sie fragen: „Wie halten Sie es mit dem Heiligen Geist?“ So ganz einfach ist es
mit ihm ja nicht. Die Theologie sagt
uns: Er ist die dritte Person unseres dreifaltigen Gottes. Eine Person kann man
ansprechen. Das wird uns aber sehr erschwert durch die Tatsache, dass der
Heilige Geist meist als Feuerzunge oder Taube dargestellt wird. Und dann wird
er auch noch „Geist“ genannt. Da haben wir ganz andere Assoziationen ...
Als Jesus zum Vater zurückkehrte, versprach er uns den
Heiligen Geist als Beistand. Und er kam und ist immer noch da. Und er wirkt
auch heute – immerzu, auch wenn wir es nicht merken oder wahrnehmen.
Für Katharina Kasper war der Heilige Geist eine Realität in
ihrem Leben. Sie war stets davon überzeugt: „Das hat mir der Geist gesagt, der in mir ist.“ Und sie war davon
überzeugt, dass das bei allen Menschen so sein müsste. Für sie war es
selbstverständlich, dass sie mit dem Heiligen Geist im Gespräch war. So fordert
sie auf: „Fahren Sie fort … tagtäglich
zu Gott zu beten, dem Heiligen Geist …, damit wir allezeit durch denselben
geleitet, beseelt und erleuchtet werden, um allezeit das Richtige zu erkennen
und zu befolgen nach dem heiligen Willen Gottes.“ (Brief 84)
Warum brauchen wir eigentlich den Heiligen Geist? Zum einen
wie Katharina sagt, um den Willen Gottes zu erkennen und zu tun. Wir brauchen
ihn, um unterscheiden zu können zwischen richtig und falsch, zwischen gut und
böse. Wir brauchen ihn, um neue Ideen zu bekommen und diese zu verwirklichen.
Wir brauchen ihn …
Der Heilige Geist ist da und wirkt – gestern, heute und
morgen. Wir müssen es nicht spüren oder sehen. Aber seine Wirkkraft ist größer,
wenn wir mit ihm rechnen und wenn wir mittun.
Frohe Pfingsten!
STH
Samstag, 31. Mai 2014
Hochaktuell!
„Gewiss fehlt es nicht an Kreuz und Leid, und [es]
müssen ja große Opfer gebracht werden im einzelnen und allgemeinen, welches uns
ja auf dieser Welt nicht fehlen darf. Unser Herr und Gott ist uns ja
vorausgegangen von der Krippe bis zum Kreuze, nicht wahr? ‘Der Knecht ist doch
nicht mehr als der Herr.’ (Mt 10,24) Beten wir täglich ... Gib mir, o Herr,
einen großen und beständigen Eifer, den Willen, nach allen Grundsätzen des
heiligen Glaubens zu leben und zu wirken, und gehen wir ruhig, demütig und
bescheiden, jedoch mutig im Hinblick auf Gott weiter mit Vertrauen und Liebe zu
Gott …“ (Brief 123)
Diesen Brief
schreibt Katharina Kasper 1887 an Schwester Secunda, die Oberin der amerikanischen
Provinz, also vor 127 Jahren.
Mal ganz ehrlich
– ist das nicht hochaktuell?
Diesem Wort ist
m.E. nichts hinzuzufügen.
STH
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