Katharina adlergleich

Katharina adlergleich

Samstag, 3. Dezember 2016

Auf Weihnachten vorbereiten


Wieder hat die Adventszeit begonnen. Morgen feiern wir schon den zweiten Advent. Wie schnell doch die Zeit vergeht. Das gilt ja auch für die Zeit, die noch vor uns liegt, und wir müssen aufpassen, dass die ach so besinnliche Adventszeit nicht wieder in die stressichste Zeit des Jahres ausartet. Vor langer Zeit sagte mal ein Pater zu mir: „Wir klagen immer über den Stress in der Adventszeit. Für Maria und Josef war die Zeit bis zur Geburt des Kindes auch eine besinnliche Zeit. Die beiden waren auf dem Weg nach Bethlehem, und Maria war hochschwanger.“ 
 


Da ist was dran, nicht wahr? Und doch, irgendwie haben wir immer das Empfinden, dass Stress in der Adventszeit nicht passt. War das nicht schon immer so? Katharina Kasper kannte das auch. „Es kommt jetzt wieder die schöne Adventszeit, aber auch zugleich die unruhige Zeit, wo es viel, viel Schreibereien und manches andere zu tun gibt“, schreibt sie 1890 an Schwester Secunda (Brief 177). 

Es gibt viel zu tun, ja. Und doch darf man dabei nicht vergessen, dass wir uns vorbereiten sollen auf das Kommen des Herrn. „Gott kommt den Menschen entgegen – als Mensch unter die Menschen.“ (Papst Benedikt XVI.) Das ist ein Geheimnis, über das wir nicht genug staunen können. 

Aber wie sollen wir uns vorbereiten?

„Wir wollen uns umso mehr sammeln in der heiligen Adventszeit und beten und uns vorbereiten auf die schöne Zeit der Gnaden, … wieder mehr mit Mut und Vertrauen den heiligen Willen Gottes erfüllen zu wollen, … dem Herrn mit Eifer dienen, ihn lieben.“ (Brief 223) 

„Wir haben schon fleißig gebetet vom ersten Tage des Adventes zum lieben Jesuskinde um eine reichliche Bescherung … Es versteht sich ganz von selbst, um die geistigen Gaben zuerst zu bitten. … Die Austeilung der geistigen Geschenke überlassen wir dem lieben, göttlichen Kinde selbst.“ (Brief 115) 

Wie sollen wir uns vorbereiten? Katharina gibt konkrete Tipps:

  1. Mit Mut und Vertrauen den Willen Gottes erfüllen
  2. Dem Herrn eifrig dienen und ihn lieben
  3. Den Herrn um geistige Gaben bitten
Das sind eigentlich keine schweren Übungen, nicht wahr? Und doch steckt unendlich viel dahinter. Schauen Sie genau hin. Es geht um den Willen Gottes, es geht um das Dienen, es geht um geistige Gaben. 

Es sind keine schweren Übungen. Aber es ist eine Herausforderung.

Packen wir es gemeinsam an. Wir haben noch drei Wochen Zeit. Es lohnt sich.

(STH)

Samstag, 26. November 2016

Tief beschämt und dankbar

Beim 4. Generalkapitel der Gemeinschaft im Jahre 1889 wird Katharina Kasper wieder zur Generaloberin gewählt. Die Gemeinschaft zählt damals 1005 Schwestern in vier Ländern und insgesamt 139 Filialen. Es ist ungewöhnlich und schon damals vom Kirchenrecht eigentlich nicht mehr möglich, dass jemand viermal in Folge Generaloberin ist. Von daher musste eine Eingabe nach Rom gemacht werden; und Rom forderte einen Rechenschaftsbericht. Am Ende dieses Berichtes schreibt Katharina folgendes:

„Wenn ich die gesamten Verhältnisse der Genossenschaft während der letzten 6 Jahre überblicke, so darf ich wohl sagen, dass dieselbe nach dem Plane der göttlichen Vorsehung sich schön entwickelt hat zur Ehre Gottes, zur Freude der Kirche und zum Nutzen der Menschheit. Indem ich einerseits lebhafte Freude darüber empfinde, werde ich andererseits wieder tief beschämt durch den Gedanken an meine Schwachheit und meine Mängel, die der liebe Gott nicht verschmäht hat, um seine hl. Absichten zu erreichen. Umso inniger ist darum mein Dank, den ich mit gerührtem Herzen Ihm darbringe für all seinen Segen und all die Gnaden, die Er über unsere Genossenschaft und ihre Mitglieder sichtlich ausgegossen hat und umso zuversichtlicher meine Bitte, dass Er auch im Laufe der nächsten 6 Jahre - wenn dies sein hl. Wille ist - meine schwachen Kräfte bei Leitung Seines Werkes unterstützen und die Genossenschaft väterlich beschirmen wolle. …“ (Band II, Brief 125)



Ist das nicht ein genialer Brief? Diese Worte Katharinas zeigen so deutlich, welch eine Persönlichkeit sie ist. Sie weiß genau, wem sie den großen Erfolg zu verdanken hat, und sie versteht sich als Werkzeug des göttlichen Willens. Nur so kann ein solches Werk erstehen.

Diese Haltung Katharinas – was wäre uns möglich, wenn wir nur ein bisschen davon hätten! …

(STH)

Samstag, 19. November 2016

Innovation – aber ganz leise

Was gab es Neues durch das Wirken Katharina Kaspers? Ganz bestimmt wollte sie nicht bewusst was Neues schaffen. Aber es ist Neues entstanden – effektiv und nachhaltig, aber ganz leise.

Jetzt wollen Sie natürlich wissen, was, nicht wahr?

Die Tatsache, dass sich schon sehr schnell junge Frauen Katharina anschlossen, ließ sie den so genannten „Frommen Verein“ gründen. In den Statuten (1848), die sie diesem Verein gab, heißt es: „Der Zweck unseres Vereins ist die Ausbreitung der Tugend [des christlichen Lebens] durch Beispiel, Belehrung und Gebet.“ Das ist das Erstaunliche: Katharina sieht die Not und die Notwendigkeit zu helfen. Aber das eigentliche Ziel ihres Handelns ist die Ausbreitung des Glaubens; das eigentliche Ziel ist, die Menschen zu Gott zu führen.


Nicht nur den Mitgliedern ihres Vereins, sondern auch den Menschen in ihrem Umfeld will sie den Glauben nahe bringen und damit die Bedeutung, die Gott in ihrem Leben haben soll und muss. Aber sie ist da ganz realistisch. Sie weiß, dass der Mensch erst dann für ideelle Ziele zu erreichen ist, wenn seine existentiellen Bedürfnisse befriedigt sind.
Katharina Kasper erkannte die Bedürfnisse der Menschen in ihrer Zeit; und indem sie auf diese zu antworten suchte, erwuchs ihr Werk. Es stehen also keine theoretischen Erwägungen am Anfang, sondern ein Mensch mit einem Blick für das Dringliche, Notwendige, der sich von den Nöten seiner Umgebung ansprechen ließ und tatkräftig zugriff, um diese zu beheben.

Dieser Ansatz Katharinas ist schon neu. Bei allen anderen Gemeinschaften, die im 19. Jahrhundert gegründet werden, steht die Absicht, die Not zu lindern im Vordergrund. Von Glaubensvermittlung ist zunächst mal keine Rede.

Einen zweiten Aspekt möchte ich noch erwähnen:  Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sich Katharina Kasper bewusst für die Emanzipation der Frau eingesetzt hat. Wahrscheinlich kannte sie den Begriff noch nicht einmal. Aber de facto hat sie es getan. Und nicht nur durch die Höheren Töchterschulen (durch die Mädchen eine ordentliche Schulbildung zukamen) und den Fabrikschulen (den jungen Fabrikarbeiterinnen in den Industriestädten wurde an Sonn- und Feiertagen ein Mindestmaß an religiöser Bildung und in den Elementarfächern vermittelt. Das bedeutete eine Förderung des Selbstbewusstseins und der Lebenstüchtigkeit und auch eine deutliche Verbesserung der finanziellen Lage, weil sie ja Geld verdienen konnten.).
Außerdem erkannte Katharina sehr schnell und früh, wie wichtig eine gute Ausbildung ihrer Schwestern war, die in Schule und Krankenpflege tätig waren. Die Schwestern, die an öffentlichen Schulen Unterricht erteilen wollten, hatten die vom Staat verlangten Examina abzulegen. In den Jahren 1861 – 1869 hatten das immerhin schon 72 Schwestern erfolgreich getan.

Beide erwähnten Aspekte machen schon Neues deutlich, dass durch Katharina Kasper entstand. Beides veränderte die Welt in Deutschland und den Ländern, in die sie selbst schon Schwestern aussandte, deutlich. Katharina erkannte die Bedürfnisse der Menschen in ihrer Zeit. Müssen nicht auch wir viel aufmerksamer sein, damit sich unsere Welt positiv verändern kann?
STH





Samstag, 12. November 2016

Katharina ist ihrer Zeit immer voraus

Das Luther-Jahr hat begonnen. Viel werden wir in diesem Jahr hören über Martin Luther, immer wieder wird auch die Ökumene ein Thema sein. In Wikipedia können wir lesen: „Im 19. Jahrhundert entstanden verschiedene christliche Organisationen wie Missions- und Bibelgesellschaften, der Christliche Verein Junger Männer und der Christliche Studentenweltbund, die bereits ein Streben nach Einheit über nationale und konfessionelle Grenzen hinweg erkennen ließen. 1874 und 1875 lud Ignaz von Döllinger zu den Bonner Unionskonferenzen ein. Die moderne Ökumene wurde Anfang des 20. Jahrhunderts insbesondere von protestantischen Kirchen initiiert. Sie wurden gleichzeitig zur treibenden Kraft in dieser Bewegung.[1]
In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg gründete der evangelische Theologe Frère Roger die Communauté de Taizé als erste ökumenische Brüdergemeinschaft der Kirchengeschichte.“ (Wikipedia unter dem Stichwort „Ökumenische Bewegung“)
Im 19. Jahrhundert  lebte auch Katharina Kasper, und sie lebte die Ökumene schon früher als 1874!
Schon 1858 wurden die Armen Dienstmägde Jesu Christi nach Frankfurt gerufen, und zwar von Wiesbaden aus. 1860 wurde die erste Filiale in Frankfurt gegründet. In einem Auszug aus der Chronik des Bernardusstiftes heißt es: „In diesem Jahr pflegten die Schwestern 454 Kranke, darunter waren 198 Katholiken, 216 Protestanten und 40 Juden, 21 Reiche, 241 aus dem Mittelstand und 192 Arme …“

In einer Zeit, in der die Konfessionsgrenzen scharf gezogen wurden, pflegten Katharina und ihre Schwestern ganz selbstverständlich auch Protestanten und Juden. Ist doch Wahnsinn, oder?

In der Chronik kann man auch lesen, dass die Schwestern schon mal sehr knapp an Kasse waren. Sie bekamen von der Stadt die Erlaubnis, betteln zu gehen. Die Auflage: nur zu Katholiken.
In einer Nacht- und Nebelaktion – sie warteten wirklich die Dunkelheit ab, damit sie nicht gesehen wurden – kamen Familienangehörige der Juden, um auch ihre Spende abzugeben – aus Dankbarkeit, weil ja auch sie die Dienste der Schwestern in Anspruch nehmen durften. Und das war damals eben alles andere als selbstverständlich.

Katharina war schon immer und in vielem ihrer Zeit voraus!
(STH)



Samstag, 5. November 2016

Flügel aus Liebe

Wie wunderbar bist Du,
der Mensch,  der mich auf seine Reise mitnimmt,
mir Flügel verpasst,
um mit mir auf seinen Worten, seinen Gedanken
mit sanften Flügeln zu schwingen?

Mit Dir kann ich so schöne Dinge sehen,
jeden Moment erleben
und meine Gefühle schwebelos genießen.
Du bist der Halt in der Luft,
die Kraft meines Flügelschlags,
der mich fortan, in neue Höhen schwingt.
Du bist das Vertrauen,
dass mir selbst aus größter Höhe sagt,
lass Dich bedingungslos fallen, ich werd Dich fangen.

Was ist die Kraft, die mich begleitet,
die jedem Sturm standhält?
Es sind die Flügel Deiner Liebe,
geformt aus den schönsten Federn, die ich jemals sah,
die mich in Höhen tragen, in Tiefen fangen
und mir durch ihre Farben sagen:
"Ich liebe Dich".
(Alexander Hoch) 



Klar, dass das ein Liebesgedicht ist. „Der Mensch“ wird ja auch deutlich angesprochen. Vielleicht geht es Ihnen ja aber auch so: Bei solchen Texten – auch bei vielen Schlagern – denke ich, man könnte es auch ganz leicht auf Gott übertragen. Und was für eine faszinierende Aussage hätte das dann! Probieren Sie es doch mal …

Katharina hätte sicher nicht die geringsten Probleme damit, Gott dieses Gedicht zuzusprechen. Sie erfährt ja jeden Tag neu, dass der Herr ihr Flügel verleiht – durch sein Wort, das ihr im Stundengebet und in der Heiligen Messe begegnet, durch die Gedanken, die er ihr durch ihre Mitschwestern und Mitmenschen mitteilt.

Mit Gott kann Katharina Schönes sehen und erleben, kann sie ihn und seine Liebe genießen. Gott ist ihr Halt und ihre Kraft, die es ihr ermöglichen, in die Lüfte zu steigen und dies immer höher und höher – im festen Vertrauen darauf, dass er sie auffängt, wenn die Kraft ihrer Flügel erlahmen sollte.

Letztlich sind es die Flügel der göttlichen Liebe, die ihr Leben gelingen lässt, die ihre Ausstrahlung so faszinierend sein lässt, dass sich Menschen bis heute ansprechen lassen und ihr folgen wollen.

Vielleicht ist da ja auch die Ahnung, dass sie auch ihre eigenen Flügel entdecken, weil die göttliche Liebe verwandelt und Unmögliches möglich macht?

(STH) 

Samstag, 29. Oktober 2016

Der Ruf des Adlers

Haben Sie schon einmal den Ruf des Adlers gehört?

„So ein Unsinn“, denken Sie jetzt bestimmt, „hier gibt es doch gar keine Adler!“
Mit letzterem haben Sie recht. Nicht aber mit dem ersten Teil. Ich behaupte sogar, dass Sie den Ruf des Adlers schon öfter gehört haben.

Der Adler ist ein Gottesbild. Und Gott beschirmt und trägt uns nicht nur mit seinen Flügeln, wie es in den Psalmen heißt; er ruft uns auch. Der Ruf des Adlers trifft uns durch so manchen Schicksalsschlag, er trifft uns bei Begegnungen, im Blick auf eine Handlung, die von mir gefordert ist oder eine Entscheidung, die wir treffen sollen.

Katharina Kasper war ganz sensibel für den Ruf des Adlers. Ja, sie stellte ihn über alles. „In allem und überall geschehe der heilige Wille Gottes.“ (u.a. Brief 14) So sagte sie immer und immer wieder. Nichts war ihr lieber als der Wille Gottes. Und sie war fest davon überzeugt, dass es ganz einfach ist, dem Ruf des Adlers zu folgen, dass es nur schwer ist, wenn man ihn nicht hört. Dass wir ihn hören, - dafür können wir uns bereiten, indem wir den Kontakt mit dem „großen Adler“ suchen und pflegen.

„Den heiligen Willen Gottes erfüllen zu wollen, ist ja unsere Bestimmung auf dieser Erde.“ (Brief 279) Mit Gottes Hilfe gelingt es uns, dieser Bestimmung gerecht zu werden. Ja, und dann erhalten wir das gleiche Geschenk wie Katharina: adlergleich.
(STH)


Samstag, 22. Oktober 2016

Spann die Flügel ..

Letzte Tage habe ich einen schönen Text geschenkt bekommen. Hören Sie mal!

Spann die Flügel, lass dich tragen
von dem Wind der Fantasie
von den sonnenhellen Tagen
von des Lebens Melodie

lass dich von der Freude tragen
von der Freunde Fröhlichkeit
stets aufs neu den Looping wagen
ohne Brief und Sicherheit

spann die Flügel, weit und offen
lass dich trotz manch banger Fragen
voller Sehnsucht, voller Hoffen
von dem Lied der Freiheit tragen

lass dich von der Liebe tragen
und von zündenden Ideen
über alle Alltagsklagen
bis zum Licht, bis zum Verstehen

spann die Flügel, hab Vertrauen
wie die Ähren auf dem Feld
wie die Lärche, hoch im Blauen
sei ein Segen für die Welt.
(Emmy Grund)


Bei diesem Text musste ich sofort an Katharina Kasper denken. Sie spannte ihre Adlerflügel weit – und ließ sich tragen. Sie ließ sich tragen von der Fantasie, wenn sie Neues anging und schuf. Sie ließ sich tragen von der Freude, die ihr ihre Hingabe an Gott schenkte. Sie ließ sich tragen von der Freiheit – von der inneren Freiheit, die ihr das Unmögliche möglich machte. Sie ließ sich von der Liebe tragen, - zunächst natürlich von Gottes Liebe, die ihr Leben erfüllte, dann aber auch von der Liebe ihrer Mitschwestern, die zu ihr standen und sie haben wollten bis ins hohe Alter.

Katharina ließ sich tragen vom Vertrauen – von ihrem grenzenlosen, bedingungslosen Vertrauen zu Gott, der sie führte, hielt und trug und sie reich beschenkte trotz aller Grenzen und Begrenzungen.

Katharina war ein Segen für die Welt – für ihre Welt.
Katharina ist ein Segen – bis heute – für unsere Welt.

STH