Katharina adlergleich

Katharina adlergleich
Vergiss nicht, dass du Flügel hast ...

Samstag, 16. Juni 2018

Einem Senfkorn gleich


Haben Sie schon mal ein Senfkorn gesehen? Es soll das kleinste aller Samenkörner sein. Aber – so sagt Jesus – es wird größer als alle anderen Gewächse und treibt große Zweige, so dass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können. (Mk 4,31-32)
 


Mit dem Senfkorn vergleicht Jesus das Reich Gottes.

Mit dem Senfkorn können wir auch Katharina Kaspers Gemeinschaft vergleichen. Die fing zunächst nur mit ihr selbst an. Schnell schlossen sich ihr vier junge Frauen an; und diese fünf Frauen gründeten die Gemeinschaft der ADJC. Und die Gemeinschaft wuchs rasend schnell. Viele junge Frauen kamen, und eine Filiale nach der anderen wurde gegründet. Als Katharina starb gab es etwa 1700 Schwestern und etwa 163 Filialen in fünf Ländern. Und viele, viele Menschen fanden in ihrem Schatten Zuflucht und Geborgenheit.
 


Und die Gemeinschaft wuchs weiter. Heute im Gottesdienst meinte der Pfarrer: „Wahrscheinlich hätte sich Katharina nie träumen lassen, dass es mal ADJC in Indien gibt.“

Ja, ein kleines Senfkorn wurde zum großen Baum. Und Katharina war sich ganz sicher:

„Der liebe Gott hat die Gemeinschaft ins Leben gerufen, dieselbe gegründet und ihr seinen Geist gegeben, den wir uns aneignen sollen.“ (Brief 155) 

Deshalb ist das ganz folgerichtig – bis heute:

„Dem lieben Gott wollen wir danken, dass er in seiner unendlichen Liebe, Güte und Barmherzigkeit unsere Genossenschaft hervorgerufen durch seine heilige Kirche, uns zu derselben berufen durch seine Gnade und Liebe und mit der Fülle seiner Gnade überhäufte im allgemeinen und eine jede insbesondere.“ (Brief 50)
STH

Samstag, 9. Juni 2018

Von Sinnen sein …


„Er ist von Sinnen“, (Mk 3, 21) – so denken Jesu Angehörige von ihm. Mich macht diese Reaktion jedes Mal sehr betroffen. Klar, ich lebe zweitausend Jahre später und habe sicher eine andere Perspektive, die von dieser langen Zeit geprägt ist. Und doch – seine Angehörigen denken so von ihm.

Jesus hat den Menschen etwas zu sagen – die Botschaft von der Liebe Gottes. Jesus hat den Menschen etwas zu geben – er schenkt Liebe und Zuwendung und vermag die Menschen dadurch zu verändern. Jesus rückt ab von der Norm seiner Zeit.  

Dass auch Katharina Kasper diese Erfahrung machen musste, habe ich schon letzte Woche gesagt.

Ich möchte noch einmal auf Sr. Willeyka zurückkommen. Sie selbst schreibt in einem Brief von ihrer letzten Begegnung mit Katharina. Dabei legt sie dar, Mutter Maria habe zuerst beabsichtigt, sie aus der Gemeinschaft zu entlassen, dann aber, offensichtlich nach einer inneren Eingebung, gesagt: „Kind, ich will nicht, dass Sie fortgehen. Sondern Sie sollen im Ordenskleid nach Türmitz reisen und einstweilen dort bleiben. Ich denke, in der heimatlichen Luft werden Sie sich wieder erholen und dann...“ An dieser Stelle, so berichtet Sr. Willeyka, habe sie die Generaloberin mit einem Ausbruch ihrer Freude unterbrochen. Gegen Ende des Gespräches habe Mutter Maria dann gesagt: „Ich möchte Ihnen noch einen Brief an Sr. Augusta mitgeben, aber es ist nicht mehr so viel Zeit. Sagen Sie ihr nur, sie möchte Sie aufnehmen, der Brief käme nach.“ 

 
Katharina selbst schrieb in diesem Brief: „Die gute und liebe Willeyka kommt also wieder zurück wegen ihrer Gesundheit. Wie sie sagt, geht es ihr augenblicklich besser, so dass Sie dieselbe in Ihrem Hause gebrauchen können. Es kann sein, dass es, wenn sie mit Handarbeit verwendet wird, besser geht. Sie ist ja ein ganz gutes Kind bis jetzt gewesen. Wenn Sie dieselbe nun gebrauchen können, so halten Sie das arme Kind natürlich, wenn sie es will. Kann ja das Ordenskleid noch tragen, solange sie bei Ihnen ist. Es tut uns allen recht leid für das arme Kind.“ (Brief 266) 

 
Ganz sicher haben manche Schwestern von Katharina gedacht: „Sie ist von Sinnen!“ Die weitere Geschichte – auch davon berichtete ich schon – beweist, wie recht sie hatte.  

Ja, Katharina Kasper ver-rückte die Normen zur Ehre Gottes, zum Heil des Menschen. Und damit steht sie ganz in der Nachfolge Jesu, der immer wieder im Denken, im Sprechen, im Handeln die Menschen verblüffte, irritierte. „Er ist von Sinnen“ – das ist eine Ausrede, wo eine klare Entscheidung gefordert ist.
STH

 

Samstag, 2. Juni 2018

Ver-rückt sein …


Der Sabbat ist für den Juden so etwas wie die Heilige Kuh im Hinduismus. Dass der Sabbat ein Gebot Gottes und damit unvergleichbar wichtig ist – darüber besteht kein Zweifel. Dass das Gefühl für den Sabbat – wir Christen sprechen vom Sonntag als wichtigsten Tag der Woche – und seine Bedeutung verloren gegangen und inzwischen fast vergessen ist, - auch darüber besteht kein Zweifel. Zumindest ist das im Christentum im Blick auf den Sonntag so.


Aber dass der Sabbat oder Sonntag über dem Menschen steht, - das war nie im Sinne Gottes. „Der Sabbat ist für den Menschen da“ (Mk 2,27), sagt Jesus unmissverständlich und rückt damit ab von der Norm seiner Zeit. 

Abrücken von der Norm der Zeit – damit setzt man sich dem Vorwurf aus, verrückt zu sein. Das musste Katharina Kasper schon als Kind erfahren, als sie für sich ganz andere Prioritäten setzte.  

Und das blieb ihr zu eigen: Wenn sie dem Menschen etwas Gutes tun konnte, wenn es ihm zum Heil gereichte, dann tat sie durchaus auch mal Dinge, die die Norm, die Regel so nicht vorsah.

Einmal schreibt sie einer Oberin im Blick auf eine kranke Schwester ihres Konventes: „Ich schicke Ihnen etwas guten Wein. Davon geben Sie zuerst einen Löffel voll, kann sie ihn vertragen, so geben Sie ihr alle paar Minuten einen Löffel, bis zu einem Gläschen, so dass sie jeden Tag ein Fläschchen nimmt. Mittags besorgen Sie ihr ein Glas guten alten Rotwein oder auch alten Weißwein und ein wenig Kartoffelbrei mit leicht gebratenem Fleisch, so wie sie es nehmen kann. Und was sie am besten nehmen kann, das geben Sie ihr, immer wenig und dann öfter.“ (Brief 87) Wie sehr da alle gestaunt haben, kann man sich lebhaft vorstellen, zumal Wein im Kloster etwas ganz Besonderes und Seltenes, weil teuer war. 

 
In einem anderen Brief heißt es: „Die gute Schwester Willeyka war ein gutes Kind. Wir bedauern sehr, dass sie nicht bleiben konnte. Wir schicken sie deshalb mit dem Ordenskleid, welches sie ja tragen kann, solange sie bei Ihnen ist. Sie sprach von einem Zimmerchen, was sie sich in ihrem elterlichen Hause, welches sie verkauft hat, als Aushalt vorbehalten, was ja sehr gut ist. Solange sie bei Ihnen ist, kann sie ja die Übungen mitmachen. Sie sehen ja, wie es am besten geht. Sollte sie aber vorziehen, gleich in ihr Zimmer gehen zu wollen, so können Sie es geschehen lassen. Sie wollen mir gleich schreiben, wie es dem guten Kind geht.“ (Brief 266) 

Man stolpert über diese Briefstelle, nicht wahr? Und was war da geschehen?
Schwester Willeyka stammte aus Böhmen und trat in die Gemeinschaft der ADJC ein. Im Westerwald wurde sie krank und erholte sich nicht. Obwohl Katharina erkannte, dass die junge Frau berufen war, und obwohl sie sah, dass sie im geistlichen Leben gute Fortschritte machte, musste sie die kranke Frau entlassen. Das erste Ungewöhnliche in dieser Geschichte: Sr. Willeyka durfte im Ordenskleid nach Böhmen reisen. Und dann darf sie es sogar noch tragen, so lange sie bei den Schwestern in Böhmen ist. 

Aber Katharina setzt noch eines drauf: Sr. Wileyka wird wieder gesund, und Katharina holte sich die Genehmigung, dass die Schwester in Böhmen ihr Noviziat machen durfte. Später wurde sie zur Gelübdeablegung zugelassen. Viel später wurde sie Provinzoberin von Böhmen. Sie erreichte ein hohes Alter und war bei den Schwestern, die 1946 Böhmen verlassen mussten.

Ja, Katharina Kasper – die Närrin Gottes – ver-rückte die Normen zur Ehre Gottes, zum Heil des Menschen.
(STH)

Samstag, 26. Mai 2018

Herzlichen Glückwunsch!


Katharina Kasper hat heute Geburtstag!

Heute vor 198 Jahren war das nur ein Freudentag für das Ehepaar Kasper in Dernbach. Heute ist es ein Freudentag für hunderte von Menschen, die diesen Tag auch irgendwie – oft sehr kreativ – feiern. 

 
Katharina wurde damals in eine Situation hineingeboren, wo man heute sagen würde: `Aus dem Kind kann nichts werden.´ Vielleicht hat man das damals auch gesagt. Sie wurde in Armut hineingeboren, ihr Vater war ein einfacher Bauer. Sie selbst war ein kränkliches Kind und besuchte die Schule aufgrund dessen nicht regelmäßig; und dann hatte sie nur ein paar Jahre Elementarschule nachzuweisen, also wenig Schulbildung. 

Und trotz all dem: Aus diesem Kind ist etwas geworden.

Wie war das möglich? Und ist das heute auch noch möglich? 

Katharina liebte Gott und überließ sich ihm total. Das konnte sie, weil sie sich von ihm geliebt wusste, und das bedeutet, dass er es nur gut mit ihr meint. Sie überließ sich ihm, und damit wusste sie, dass sie nicht allein war, dass sie jemanden an der Seite hatte, der ihr Leben formte und führte. Sie konnte ganz gelassen sein, ganz locker und frei. Sie musste nur auf Gottes Stimme hören, die ja in ihr zu hören war durch den Heiligen Geist, der in ihr lebendig war. Davon war sie so felsenfest überzeugt, dass dieses Wissen ihr ganzes Leben prägte. 

Wie Katharina lebte, was sie tat und lehrte – all das hatte dies als Basis: ihre Hingabe an Gott, ihr Hören auf seine Stimme. Das ist Katharinas Geheimnis und Erfolgsrezept. Und so war Gott am Werk an ihr und machte aus ihr den Menschen, der sie wurde, den wir heute kennen. 

Und ist das heute auch noch möglich? Ich bin davon überzeugt. Aber ich muss Gott Raum in meinem Leben einräumen. Ich muss Ernst machen mit meiner Hingabe an ihn. Ich muss – voller Vertrauen und Gelassenheit – ihn an mir arbeiten lassen und --- mitmachen …
 
 
Katharina drückt das so aus: „Trage aber besonders Sorge, o lieber, guter Gott, dass die ganze Dauer meines Lebens, nicht ich lebe, sondern Du in mir lebest. Ja, ich will ganz Dein, und Du musst mein Mein sein. Nur Dir will ich dienen und gehorsam sein nach Deinem Wohlgefallen. Nur Dich will ich lieben nach Deinem heiligsten Willen, nur Dich will ich loben und preisen, wie es Dir gefällt. Nur Dir will ich danken für alle Gnaden und Wohltaten. Noch eine Gnade, o lieber Gott, dass ich beständig und beharrlich mit Deiner Gnade mitwirke und alles tue, wie Du es willst.“ (Brief 81)
STH

Samstag, 19. Mai 2018

Halleluja!!!!!!!!!!!!!

Katharina Kasper wird heiliggesprochen -
 
das hat Papst Franziskus heute mit Datum verkündet -
 
und das ist der 14. Oktober 2018.
 
Die Freude ist riesengroß!
Katharina ist die erste Heilige des Bistums Limburg.
 
Bischof Bätzing sprach von einem einmaligen Ereignis, "das wir gemeinsam gebührend feiern werden." (vgl. hessenschau)
 
 


 

Pfingsten


Katharina Kasper am 23. Mai 1876 an ihre Assistentinnen: 

„Möge der Heilige Geist mit seinen sieben Gaben und seiner flammenden Liebe unsere Herzen beglücken und allezeit entzünden.“ 

Katharina Kasper am 19./ 20. Mai 2018 an uns. 

Heute erfahren wir den Tag der Heiligsprechung. OREMUS!!!
STH
 
 

Samstag, 12. Mai 2018

Nicht von dieser Welt


„Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. … Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt.“ (Jo 17, 16.18) Das sind Worte Jesu aus seiner Abschiedsrede. 

Das Wort trifft auf Katharina Kasper zu, nicht wahr? Sie war nicht von dieser Welt. Vieles kann man da als Begründung oder Beweis anführen. 

„Wir beten und bitten besonders täglich den lieben Gott für die Heiligung aller Schwestern. Ist ja dieses doch unser aller Aufgabe, beständig nach derselben zu streben.“ (Brief 206) 

„Möge der heilige Wille Gottes in allem geschehen und möchten wir allezeit Gottes heiligen Willen erfüllen.“ (Brief 54) 

„Kreuz und Leiden sind ja Gnadenerweise Gottes.“ (Brief 81) 

Ich glaube, diese drei Zitate reichen schon als Beweis dafür, dass Katharina ganz anders war als die Welt, in der sie lebte. Und sie ist auch ganz anders als unsere heutige Welt.

Wer strebt schon nach Heiligkeit? Sind wir nicht im Gegenteil sehr schnell bei der Hand zu sagen: „Heilig sein? Ich? Gott bewahre!“

Wer hat schon bei seinen Entscheidungen den Willen Gottes im Blick? Interessiert der überhaupt? Ich kann den ja auch nicht wirklich kennen, oder?

Kreuz und Leid sind doch nur ätzend. Was für eine Gnade sollen die denn mit sich bringen? 

Ja, Katharina denkt da wirklich ganz anders.

Haben Sie schon gehört, dass der Papst ein neues Apostolisches Schreiben herausgegeben hat? Das trägt den Titel: „Freut euch und jubelt – Über den Ruf zur Heiligkeit in der Welt von heute“. Das Streben nach Heiligkeit ist wieder ganz aktuell; und auf jeder Seite dieses päpstlichen Schreibens begegnet man Katharina. Genauso – wie es Franziskus uns vorstellt – hat sie gelebt.

„Den Willen Gottes tun, ist nicht schwer. Schwer ist, wenn man ihn nicht weiß“, sagte Katharina mal. Um ihn kennenzulernen, muss man auf Gott hören. Und das hat Katharina getan. Und ihr Leben ist der Beweis eines erfüllten Lebens, wenn ich den Willen Gottes zu tun versuche.

Wenn ich Kreuz und Leid annehme als Gnadenerweise Gottes, dann verlieren sie ihre Schärfe und Härte. Wenn er sie zulässt, dann hat er seine Gründe dafür. Und wir glauben ja daran – Katharina hat das jedenfalls getan -, dass Gottes Gründe immer Heil für uns bedeuten. 

Katharina ist nicht von dieser Welt. Sie zeigt uns aber, dass sie durch ihr Sosein ihre Welt verändern kann. Vielleicht müssen wir diese Voraussetzung mitbringen, um von ihm in die Welt gesandt zu werden und die – wenigstens ein bisschen – zum Positiven hin zu verändern.
STH