Katharina Kasper schreibt 1886
an Schwester Sekunda Germesheimer, damals Provinzoberin in Amerika, dass
Schwestern für Ungarn und Österreich angefordert worden seien.
Was sagen Sie dazu? Und das
in einer Zeit, in der es noch kein Internet, keinen Fernseher und kein Handy
gab. Wie kommt man da auf die Idee, Schwestern aus einem kleinen, unbedeutenden
Dorf im Westerwald für Ungarn und Österreich anzufordern, noch dazu wo die
südlichste Filiale der ADJC Frankfurt ist?
Ganz konkret schreibt
Katharina damals: „Ihre gute Fürstin
schrieb einen Brief und bat um Schwestern für Ungarn. Eine andere bat um 6
Schwestern für Paula in Österreich, für eine Seestadt am Adriatischen Meer und
für noch zwei andere Stationen in Österreich.“ (Brief 114) Wie ist das nun
wieder zu erklären?
„Wen Katharina mit
der Bezeichnung: „Ihre gute Fürstin“ meint, lässt sich mit Hilfe der Chronik
der Filiale in London klären,“
so lesen wir in der Einleitung zu diesem Brief. „ Von der Gründung dieses Hauses im Jahre 1876 an bis 1881 führt diese
Chronik Jahr für Jahr großzügige Unterstützungen durch Frau Gräfin Batthyany
auf. Unter den Eintragungen zum Jahr 1883 hält die Chronistin dann fest: `Unsere
edelmüthige Wohltäterin, Frau Fürstin Batthyany, hat noch immer, wenn auch
jetzt in
Ungarn wohnend, dasselbe warme Interesse für die Schwestern und unsere
armen Kinder hier.´ Katharina berichtete nun Schwester Secunda, dass die
Fürstin um Schwestern für Ungarn gebeten hatte, weil Schwester Secunda von
Oktober 1877 bis zum Mai 1885, dem Zeitpunkt ihrer Versetzung nach USA, Oberin
in verschiedenen Filialen in England, und zwar auch in dem Haus in London,
gewesen war. Der weitere Hinweis Katharinas, es seien 6 weitere Schwestern
angefordert worden `für Paula in Österreich´ mag damit zu erklären sein, dass
zu dem Zeitpunkt Schwester Paula Görs in Prag wirkte, so dass möglicherweise
eine Persönlichkeit aus Österreich versuchte hatte, über diese Schwester
Kontakt nach Dernbach aufzunehmen.“
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Das Wappen der Batthyanys |
Klar, ist das eine Erklärung für die Fragen oben. Aber die
Schwestern müssen auch einen solchen Eindruck auf die Fürstin gemacht haben,
dass sie ihnen einen Einsatz in Ungarn auch zutraute. Sie müssen einen so guten
Ruf gehabt haben, das man ihnen ohne Bedenken so etwas sich zuzumuten traute.
Woran scheitert es damals?
„Da müsste man viele Schwestern haben, um alle
Bedürfnisse befriedigen zu wollen. … mir machen noch immer die meisten Sorgen
die beständigen Anfragen für neue Niederlassungen zu gründen. Ja, man wird
gewissermaßen genötigt, Ja sagen zu müssen, und es fehlt dann an den notwendigen
Kräften, alle Häuser nach Bedürfnis zu besetzen.“ (Brief 114) Und Katharina macht sich wirklich sehr
große Sorgen um ihre Schwestern: „Dieser
Übelstand ist sehr nachteilig für den inneren Geist sowohl als für die
körperliche Erhaltung der Schwestern. Ich möchte so gerne sehen, dass man so
ruhig, demütig und schlicht in Ruhe wirkt und arbeitet im hl. Berufe, in
Frieden und Eintracht zuerst an unserer Heiligung, und erst dann befähigen wir
uns, am Heile des Nächsten, am Weh und Wohl des Mitmenschen Mitarbeiterin sein
zu können.“ (Brief 114)
Ist das nicht wunderbar? Zuerst geht es ihr um ihre
Schwestern. Wenn es ihnen gut geht – sowohl körperlich wie geistig, wenn es
stimmt zwischen ihnen und ihrem Gott, - erst dann sind sie fähig, sich für das
Wohl ihrer Mitmenschen einzusetzen.
Wenn wir das heute doch auch immer im Blick hätten …
STH