Wir machen weiter – Katharina
und ich – Katharina mit mir – ich an der Hand Katharinas. Sie können es
ausdrücken, wie Sie wollen. Es gibt ja viele Möglichkeiten, wie wir
weitermachen können. Immer geht es darum, dass Sie etwas davon haben, dass für
Sie etwas dabei herauskommt. Natürlich kann ich nicht wissen, ob mir das
gelingt. Aber so lange ich nichts Gegenteiliges höre, gehe ich einfach mal
davon aus.
Katharina Kasper hat in ihrem
Leben ungeheuer viel Briefe geschrieben. 281 eigenhändige Briefe sind erhalten
und heute für jedermann zugänglich in einer wissenschaftlichen Buchausgabe mit
dem Titel „Katharina Kasper, Gründerin der Kongregation der Armen Dienstmägde
Jesu Christi – Schriften Band I: Erste Regeln und eigenhändige Briefe“, Butzon
und Bercker 2001. Diese Briefe sind ein Schatz – ein großer historischer und
spiritueller Schatz. Oft und oft habe ich schon daraus zitiert. Aber jetzt
möchte ich ein wenig „systematischer“ vorgehen.
Fangen wir mit Brief 1 an. Den schreibt Katharina an
den damaligen Bischof Peter Josef Blum, den sie zeitlebens als ihren
geistlichen Vater – heute würde man sagen: geistlichen Begleiter ansah.
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Bischof Peter Josef Blum 1850 - also auch zur Zeit dieses Briefes. |
„Es ist gegenwärtig eine junge Frau hier und bittet um
Aufnahme in unseren Verein. Sie ist eine Ausländerin, nämlich aus der Diözese
Trier, gebürtig aus dem Städtchen Cochem. Sie ist dreißig Jahre alt und hat, wie es mir scheint, Beruf
zu unserem Verein, denn sie ist mir von einer guten Freundin empfohlen worden,
auch habe ich sie auf einige Tage hier behalten, um sie noch näher kennen zu
lernen und dass auch sie sich den rechten Begriff von dem Verein machen könnte.
Sie hat nun den Entschluss gefasst, einzutreten, wenn Eure Bischöflichen Gnaden
ihr die Erlaubnis dazu geben.“
Katharina geht sofort in
medias res – ohne Geschnörkel, ohne Gedöns. Auf drei Aspekte möchte ich
eingehen.
- Katharina schreibt diesen Brief 1852. Da
existiert ihre Ordensgemeinschaft bereits ein Jahr. Trotzdem spricht sie von
ihr noch als Verein. 1848 hatte sie ja den „frommen Verein“ gegründet.
Diese Bezeichnung ist ihr so vertraut, dass sie sie noch immer benutzt.
- 1848 bestand Deutschland ja noch aus vielen
eigenständigen Staaten. Die Diözese Limburg, zu der ja Dernbach gehört,
gehörte zum Herzogtum Nassau. Alle außerhalb Nassaus liegenden Gebiete
galten als „Ausland“.
- Katharinas Gemeinschaft ist wie gesagt ein Jahr
alt. Sie ist noch – so nennt man das – bischöflichen Rechtes. Erst in den
60ger Jahren ändert sich das. Aus diesem Grund und weil Katharina großen
Wert auf die Meinung des Bischofs legt, ist ihr die Erlaubnis des Bischofs
für den Eintritt einer Kandidatin ganz wichtig.
Aber – und das ist wieder
typisch Katharina! – sie lässt den Bischof ganz klar wissen, was sie von
besagter junger Frau hält: Sie ist der Meinung, dass sie zur Gemeinschaft
passt. Damit sie sich diese Meinung bilden hat bilden können, hat sie die junge
Frau durch einige Zeit im Kloster kennengelernt. Kloster auf Zeit nennen wir
das heute.
Da konnte der Bischof doch
gar nicht mehr nein sagen, oder?
STH