Solidarität – ein Wort, das
heute so ziemlich in aller Munde ist. Sie wissen ja schon: Ich bemühe gern das
Wörterbuch. Der Rechtschreibduden definiert den Begriff „Solidarität“ als „auf das Zusammengehörigkeitsgefühl und das
Eintreten füreinander sich gründende Unterstützung.“
Katharina Kasper meint genau das, wenn
sie ungezählte Male dazu aufruft, miteinander –
füreinander zu leben. Diese Einstellung ist für sie selbstverständlich,
denn sie versteht ihr ganzes Dasein als Bereitsein für andere.
Wie sah das konkret
aus?
Katharina Kasper erzählt beispielsweise
von ihrer ersten Wohngemeinschaft: „Da
im August selben Jahres [1848]
unsere Wohnung fertig wurde, zog ich mit einem kranken Mädchen, Anna
Gilles von hier, den 15. August ein. Dieses Mädchen war brav und immer kränklich, hatte ein lahmes Bein.
Wir beide brachten nun unsern Hausrat zusammen, welcher sehr ärmlich war. Jede
hatte ein einfaches Bett und ein paar Stühle und etwas Weißzeug, kaum soviel,
als wir beide gebrauchten. Besuche konnten wir nicht bewirten. … Das oben
erwähnte kranke Mädchen starb schon am 24. September 1848.“ Während
es Katharina in der Regel darum ging, Leben zu fördern und zur Entfaltung zu
bringen, ließe sich der hier indirekt dargestellte Dienst der späteren
Ordensgründerin als Hospizarbeit bezeichnen.
Um es Frauen im 19. Jahrhundert zu
ermöglichen, eine Spur von Unabhängigkeit in die Enge ihres Lebens zu bringen,
gründete sie unzählige Näh- und Haushaltungsschulen, organisierte sie an
Sonntagen Unterricht für Fabrikarbeiterinnen, unterhielt sie 36
Elementarschulen, vornehmlich für Mädchen, und rief sie „Verwahr- oder Kleinkinderschulen“
ins Leben.
Einen Zweck dieser zuletzt genannten
Gründungen stellt die Chronistin des Mutterhauses in Dernbach unter den
Eintragungen zum Jahr 1888 heraus, indem sie festhält: „Am 22. April hat die Kleinkinderschule hier in Dernbach ihren Anfang
genommen. Da die Kinder dieselbe unentgeltlich besuchen dürfen, so ist dieselbe
gut besetzt. Für die Dernbacher armen Landleute, wo die Männer ihrem Verdienst
in den Bergwerken nachgehen und die Frauen ihren kleinen Ackerbau versehen, ist
es eine große Wohltat, ihre Kleinen in der Bewahrschule unter der Obhut der
Schwestern zu wissen.“ – Demnach sollten solche Einrichtungen insbesondere die Frauen entlasten und sie in die Lage
versetzen, zum Unterhalt der Familie beitragen zu können. Damit wurde ganz nebenbei
deren Selbstwertgefühl gestärkt und ein Hauch von Freiheit in ihr Leben gebracht.
![]() |
(Stephanie Hofschlaeger/pixelio.de) |
Und heute? Hier in Deutschland, wo doch
die meisten Ordensschwester n alt
sind?
Da gibt es z. B. eine Schwester, die
seit vielen Jahren eine Mutter von vier Söhnen begleitet, die auch zu der Zeit,
in der der Vater der Kinder noch in der Familie lebte und erst recht nach der
Trennung des Ehepaares, mit nur sehr geringem Beistand des Mannes fast völlig
allein die vier Jungen durch Schule und Ausbildung bringen muss, oft mit Angst
- und ihnen hilft, ihre ersten Schritte
in die Selbstständigkeit zu gehen. Zuhören, mitgehen, gelegentlich beraten –
brieflich, telefonisch, bei kurzen Besuchen – das sind die Mittel, mit denen
die Schwester der Mutter hilft, ihre Belastung durchzustehen. Miteinander gehen
sie den Weg; aus derartigen Begleitungen entstehen Beziehungen – man tritt
füreinander ein.
Und so gibt es noch viele andere
Beispiele … Auch wir können solidarisch leben – mit- und füreinander …