„Der Zweck unseres Vereins ist
Ausbreitung der Tugend durch Beispiel, Belehrung und Gebet.“
Was
sagen Sie dazu? So formuliert Katharina Kasper zu Beginn der ersten Regeln, die
sie dem „Frommen Verein“ gab, den sie 1848 gegründet hat. Ich finde diese
Aussage einfach nur genial. Katharina formuliert nicht irgendwelche Tätigkeiten
– Kranke pflegen und zu Hause besuchen, Kinder „verwahren“, wie es früher hieß,
damit die Mütter arbeiten gehen konnten; Kinder unterrichten; Waisenkinder
aufnehmen. Das alles tut sie ja. Aber ihr Anliegen geht weiter. Die erste Hilfe
ist nötig. Aber sie sieht den ganzen Menschen. Wenn das Leben gelingen soll,
dann ist doch mehr nötig als all das.
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Das erste Klösterchen - Katharina lebt hier mit ihren ersten Gefährtinnen, ein paar Waisenkindern und einer gelähmten Frau. |
„Der Zweck unseres Vereins ist die Ausbreitung
der Tugend.“
Was
bedeutet „Tugend“? Tugend ist eine – so das Wörterbuch – „sittlich
einwandfreie, vorbildliche Haltung, eine hervorragende Eigenschaft“. Wie
gesagt: es geht um den ganzen Menschen, um sein ganzes Leben, um seine ganze
Lebenshaltung und –einstellung; letztlich geht es Katharina auch darum, den
Menschen den lieben Gott nahezubringen. Um den Glauben war es damals
bekannterweise ja auch nicht so gut bestellt.
Und
wie kann man die Tugend ausbreiten? Da nimmt sie sich selbst und ihre Gefährtinnen
in die Pflicht: Es geht um das eigene Vorbild, um das Zeugnis, um das
fürbittende Gebet.
Dieser
von Katharina formulierte Auftrag der Gemeinschaft ist heute so aktuell wie
damals. Heute kümmern sich andere um Kranke und Kinder. Ich kann mit dem Beruf,
der mir besonders Freude macht, meine Brötchen verdienen. Aber um den Glauben
ist es auch heute nicht gut bestellt. Wir formulieren heute:
„Der Zweck unserer Gemeinschaft ist die
Ausbreitung des Glaubens durch Beispiel, Belehrung und Gebet.“
Heute wie damals sind
Katharinas Gefährtinnen in die Pflicht genommen …
STH