Katharina adlergleich

Katharina adlergleich
Vergiss nicht, dass du Flügel hast ...

Samstag, 31. Dezember 2016

Alles Gute im Neuen Jahr 2017!


Wieder geht ein Jahr zu Ende. Wieder geht ein Jahr „Katharina adlergleich“ zu Ende. Und damit geht das fünfte Jahr zu Ende. Schon fünf Jahre bin ich mit Katharina Kasper sozusagen „auf Sendung“. 

Eigentlich wollte ich nach fünf Jahren aufhören. Aber in den letzten Monaten haben immer mehr Menschen ihren Weg zu „Katharina adlergleich“ gefunden. Und Sie glauben nicht, aus wie viel verschiedenen Ländern. Das hat mich dann immer unsicherer gemacht; und inzwischen habe ich beschlossen, weiterzumachen.  

Mit Katharina kommt man an kein Ende. Die hat uns einfach unendlich viel zu sagen. Es ist auch eine Tatsache, dass man vieles wieder anders hört und aufnimmt, je nachdem, in welcher Situation man sich selbst befindet. Und Katharina ist heute so aktuell wie damals. Das haben Sie ja selbst auch schon erfahren. Von daher hat sie uns auch 2017 `was zu sagen. 

Ich mache also weiter – und hoffe, dass Sie Katharina und mir die Treue halten. 

Heute ist Silvester. 1885 schreibt Katharina am Ende des Jahres: 

„Obwohl man ja beim Jahreswechsel nur immer eins und dasselbe zu sagen und zu schreiben hat, so möchte ich doch in diesen Zeilen, die ich an Euch … richte, ganz besonders erinnern, für die Gnaden und Wohltaten, die der Herr uns gerade in diesem Jahre so reichlich gespendet hat, recht kindlich und mit demütigem Herzen zu danken.“ (Brief 105) 

Am Ende von 2016 gilt dieses Wort auch. Es gilt auch für Sie und mich. Wenn wir uns Zeit nehmen zur Rückschau, sehen wir neben all dem Schweren viele „Gnaden und Wohltaten“. Katharina bezeichnet ja übrigens auch das Schwere als eine Gnade. Von daher haben wir alle unserem Gott zu danken, der uns begleitet und geführt hat. 

Kommen Sie gut ins Neue Jahr 2017!
(STH)

Samstag, 24. Dezember 2016

Komm, du Sehnsucht der Völker


IMMANUEL

Du,
Gott mit uns.
Du,
Gott im Menschen.
Du, Gott mitten unter uns.
Du,
Gott in der Gemeinschaft.
 

Du,
Mensch mit uns.
Du,
Mensch im Menschen.
Du,
Mensch mitten unter uns.
Du,
Mensch und Gott,
Jesus, der Christus,
ich bete Dich an.

(sms) 

 
IMMANUEL, Gott wird Mensch.

Katharina hat ihn erfahren als Gott mit uns, sie hat ihn gesehen im Menschen, sie hat ihn erlebt mitten unter uns und in ihrer Gemeinschaft.

Katharina hat Gott als Mensch erfahren – als Mensch mit und mitten unter uns, als Mensch im Menschen.

Katharina hat Weihnachten erfahren – Gott wird Mensch. Katharina hat Weihnachten gelebt. 

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest und die Erfahrung: Gott ist Gott und Mensch mit uns.

(STH)

Samstag, 17. Dezember 2016

Wurzeln und Flügel

Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.“ (J. W. von Goethe)  

Früher, d.h. zu Katharina Kaspers Zeiten bis Ende der Siebziger Jahre, wurde die Generaloberin der Armen Dienstmägde Jesu Christi immer mit Mutter angeredet. Mutter Maria Katharina zum Beispiel. Die Generaloberin – und das gilt für die allererste sowieso – hatte sozusagen die Funktion einer Mutter in der Gemeinschaft. Das bezog sich auf Zuwendung, auf Förderung, Unterstützung, Aufmerksamkeit, Lob und Tadel, Zurechtweisung etc., eben all das, was man von einer guten Mutter auch erwarten darf.  

Katharina Kasper legte großen Wert auf die Ausbildung der jungen Schwestern, und das gilt vor allem und zuallererst im Blick auf die Ausbildung zur ADJC. Lange Jahre übernahm sie das selbst, bis ihre Arbeitsbelastung bei der stetig größer werdenden Gemeinschaft einfach zu groß wurde. Aber auch dann war es ihr ein großes Anliegen, den Postulantinnen und Novizinnen immer mal wieder selbst eine Unterrichtsstunde zu geben.  

Besonderen Wert legt sie auf das innerliche Leben. „Wir wollen nicht allein bei den äußeren Werken stehen bleiben; wir wollen auch besonders ein innerliches Leben führen.“ (Brief 180) – „Haltet besonders das Stillschweigen gut, dann bewahrt man am besten die innere Sammlung, und wer gesammelt ist und bleibt, gelangt zur Vereinigung mit Gott.“ (Brief 108)  

Eine gute Ausbildung – das gilt ja auch für jeden Beruf – lässt uns Wurzeln schlagen. Wir werden sicher, nicht jeder Windhauch kann uns umwehen, wir können wachsen und groß werden.  

Wenn sich die Wurzeln im Erdreich verankert haben, dann können Forderungen gestellt werden, dann können Zumutungen formuliert werden, dann ist es möglich – im Ja sagen zu den Erwartungen und Herausforderungen der Mutter oder anderer – zu erkennen, dass man Flügel hat und dass man diese Flügel tatsächlich gebrauchen kann. 

Goethe hat sicher recht. Aber wir sind sicher auch selbst dafür verantwortlich, dafür zu sorgen, dass wir Wurzeln schlagen. Wenn wir uns in IHM fest machen, dann sind wir immer auf der sicheren Seite.

„Sich ruhig der Gnade des Herrn unterwerfen …“, das ist Katharinas Devise.  (Brief 16)

(STH)

 

Samstag, 10. Dezember 2016

Katharina hat das Fliegen erlebt …



Als ich diesem Wort von Leonardo da Vinci begegnete, musste ich sofort an Katharina Kasper denken. Sie hat ja schon früh erkannt, dass sie Flügel hat und dass sie berufen ist, dem Adler gleich der Sonne entgegenzufliegen. Immer wieder hat sie erfahren, was es bedeutet, Gott ganz nahe zu sein. Diese Erfahrung hat ihren Alltag geprägt. Auch wenn sie sich um viele banale Dinge kümmern muss, so verliert sie nie den Himmel aus den Augen, so lebt sie doch stets himmelwärts.  

Auch dieser Brief ist ein typisches Beispiel dafür: 

„Meine liebe Schwester Firmata,
 
Ihre Mitteilungen über lhr Kinderfest haben mich sehr gefreut. Es ist freilich viel Arbeit, und Sorge bringt dieses alles. Ich wollte Ihnen sagen, dass Sie für Weihnachten sich keine Mühe machen sollen für hier, sowohl für unsere Kinder als für unsere Ökonomiegesellschaft nicht. Wir besorgen alles von hier. Das geht ja viel einfacher. Sie haben die vielen Kinder und Arme; das macht doch zu viel Arbeit für die armen Schwestern. Wenn wir im Jahre durch etwas notwendig haben, so schreibe ich Ihnen, das ist besser. Schwester Damiana, welche gestern hier war, hat uns Kapuzen und Schälchen und Handschühchelchen besorgt. Wir wollen uns umso mehr sammeln in der heiligen Adventszeit und beten und uns vorbereiten auf die schöne Zeit der Gnaden, uns umso würdiger machen, wieder mehr mit Mut und Vertrauen den heiligen Willen Gottes erfüllen zu wollen, … dem Herrn mit Eifer dienen, ihn lieben. Was ist denn nur noch schön auf dieser Welt, als für Gott leben und ihm treu dienen…“ (Brief 223) 
 
 
„Was ist denn nur noch schön auf dieser Welt, als für Gott leben und ihm treu dienen…“ – Das kann nur ein Mensch schreiben, der seine Flügel gebraucht und seine Augen himmelwärts gerichtet hat; der dort gewesen ist und den es immer wieder dorthin zieht. 

Vergessen Sie nicht, dass Sie Flügel haben …!

(STH)

Samstag, 3. Dezember 2016

Auf Weihnachten vorbereiten


Wieder hat die Adventszeit begonnen. Morgen feiern wir schon den zweiten Advent. Wie schnell doch die Zeit vergeht. Das gilt ja auch für die Zeit, die noch vor uns liegt, und wir müssen aufpassen, dass die ach so besinnliche Adventszeit nicht wieder in die stressichste Zeit des Jahres ausartet. Vor langer Zeit sagte mal ein Pater zu mir: „Wir klagen immer über den Stress in der Adventszeit. Für Maria und Josef war die Zeit bis zur Geburt des Kindes auch eine besinnliche Zeit. Die beiden waren auf dem Weg nach Bethlehem, und Maria war hochschwanger.“ 
 


Da ist was dran, nicht wahr? Und doch, irgendwie haben wir immer das Empfinden, dass Stress in der Adventszeit nicht passt. War das nicht schon immer so? Katharina Kasper kannte das auch. „Es kommt jetzt wieder die schöne Adventszeit, aber auch zugleich die unruhige Zeit, wo es viel, viel Schreibereien und manches andere zu tun gibt“, schreibt sie 1890 an Schwester Secunda (Brief 177). 

Es gibt viel zu tun, ja. Und doch darf man dabei nicht vergessen, dass wir uns vorbereiten sollen auf das Kommen des Herrn. „Gott kommt den Menschen entgegen – als Mensch unter die Menschen.“ (Papst Benedikt XVI.) Das ist ein Geheimnis, über das wir nicht genug staunen können. 

Aber wie sollen wir uns vorbereiten?

„Wir wollen uns umso mehr sammeln in der heiligen Adventszeit und beten und uns vorbereiten auf die schöne Zeit der Gnaden, … wieder mehr mit Mut und Vertrauen den heiligen Willen Gottes erfüllen zu wollen, … dem Herrn mit Eifer dienen, ihn lieben.“ (Brief 223) 

„Wir haben schon fleißig gebetet vom ersten Tage des Adventes zum lieben Jesuskinde um eine reichliche Bescherung … Es versteht sich ganz von selbst, um die geistigen Gaben zuerst zu bitten. … Die Austeilung der geistigen Geschenke überlassen wir dem lieben, göttlichen Kinde selbst.“ (Brief 115) 

Wie sollen wir uns vorbereiten? Katharina gibt konkrete Tipps:

  1. Mit Mut und Vertrauen den Willen Gottes erfüllen
  2. Dem Herrn eifrig dienen und ihn lieben
  3. Den Herrn um geistige Gaben bitten
Das sind eigentlich keine schweren Übungen, nicht wahr? Und doch steckt unendlich viel dahinter. Schauen Sie genau hin. Es geht um den Willen Gottes, es geht um das Dienen, es geht um geistige Gaben. 

Es sind keine schweren Übungen. Aber es ist eine Herausforderung.

Packen wir es gemeinsam an. Wir haben noch drei Wochen Zeit. Es lohnt sich.

(STH)

Samstag, 26. November 2016

Tief beschämt und dankbar

Beim 4. Generalkapitel der Gemeinschaft im Jahre 1889 wird Katharina Kasper wieder zur Generaloberin gewählt. Die Gemeinschaft zählt damals 1005 Schwestern in vier Ländern und insgesamt 139 Filialen. Es ist ungewöhnlich und schon damals vom Kirchenrecht eigentlich nicht mehr möglich, dass jemand viermal in Folge Generaloberin ist. Von daher musste eine Eingabe nach Rom gemacht werden; und Rom forderte einen Rechenschaftsbericht. Am Ende dieses Berichtes schreibt Katharina folgendes:

„Wenn ich die gesamten Verhältnisse der Genossenschaft während der letzten 6 Jahre überblicke, so darf ich wohl sagen, dass dieselbe nach dem Plane der göttlichen Vorsehung sich schön entwickelt hat zur Ehre Gottes, zur Freude der Kirche und zum Nutzen der Menschheit. Indem ich einerseits lebhafte Freude darüber empfinde, werde ich andererseits wieder tief beschämt durch den Gedanken an meine Schwachheit und meine Mängel, die der liebe Gott nicht verschmäht hat, um seine hl. Absichten zu erreichen. Umso inniger ist darum mein Dank, den ich mit gerührtem Herzen Ihm darbringe für all seinen Segen und all die Gnaden, die Er über unsere Genossenschaft und ihre Mitglieder sichtlich ausgegossen hat und umso zuversichtlicher meine Bitte, dass Er auch im Laufe der nächsten 6 Jahre - wenn dies sein hl. Wille ist - meine schwachen Kräfte bei Leitung Seines Werkes unterstützen und die Genossenschaft väterlich beschirmen wolle. …“ (Band II, Brief 125)



Ist das nicht ein genialer Brief? Diese Worte Katharinas zeigen so deutlich, welch eine Persönlichkeit sie ist. Sie weiß genau, wem sie den großen Erfolg zu verdanken hat, und sie versteht sich als Werkzeug des göttlichen Willens. Nur so kann ein solches Werk erstehen.

Diese Haltung Katharinas – was wäre uns möglich, wenn wir nur ein bisschen davon hätten! …

(STH)

Samstag, 19. November 2016

Innovation – aber ganz leise

Was gab es Neues durch das Wirken Katharina Kaspers? Ganz bestimmt wollte sie nicht bewusst was Neues schaffen. Aber es ist Neues entstanden – effektiv und nachhaltig, aber ganz leise.

Jetzt wollen Sie natürlich wissen, was, nicht wahr?

Die Tatsache, dass sich schon sehr schnell junge Frauen Katharina anschlossen, ließ sie den so genannten „Frommen Verein“ gründen. In den Statuten (1848), die sie diesem Verein gab, heißt es: „Der Zweck unseres Vereins ist die Ausbreitung der Tugend [des christlichen Lebens] durch Beispiel, Belehrung und Gebet.“ Das ist das Erstaunliche: Katharina sieht die Not und die Notwendigkeit zu helfen. Aber das eigentliche Ziel ihres Handelns ist die Ausbreitung des Glaubens; das eigentliche Ziel ist, die Menschen zu Gott zu führen.


Nicht nur den Mitgliedern ihres Vereins, sondern auch den Menschen in ihrem Umfeld will sie den Glauben nahe bringen und damit die Bedeutung, die Gott in ihrem Leben haben soll und muss. Aber sie ist da ganz realistisch. Sie weiß, dass der Mensch erst dann für ideelle Ziele zu erreichen ist, wenn seine existentiellen Bedürfnisse befriedigt sind.
Katharina Kasper erkannte die Bedürfnisse der Menschen in ihrer Zeit; und indem sie auf diese zu antworten suchte, erwuchs ihr Werk. Es stehen also keine theoretischen Erwägungen am Anfang, sondern ein Mensch mit einem Blick für das Dringliche, Notwendige, der sich von den Nöten seiner Umgebung ansprechen ließ und tatkräftig zugriff, um diese zu beheben.

Dieser Ansatz Katharinas ist schon neu. Bei allen anderen Gemeinschaften, die im 19. Jahrhundert gegründet werden, steht die Absicht, die Not zu lindern im Vordergrund. Von Glaubensvermittlung ist zunächst mal keine Rede.

Einen zweiten Aspekt möchte ich noch erwähnen:  Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sich Katharina Kasper bewusst für die Emanzipation der Frau eingesetzt hat. Wahrscheinlich kannte sie den Begriff noch nicht einmal. Aber de facto hat sie es getan. Und nicht nur durch die Höheren Töchterschulen (durch die Mädchen eine ordentliche Schulbildung zukamen) und den Fabrikschulen (den jungen Fabrikarbeiterinnen in den Industriestädten wurde an Sonn- und Feiertagen ein Mindestmaß an religiöser Bildung und in den Elementarfächern vermittelt. Das bedeutete eine Förderung des Selbstbewusstseins und der Lebenstüchtigkeit und auch eine deutliche Verbesserung der finanziellen Lage, weil sie ja Geld verdienen konnten.).
Außerdem erkannte Katharina sehr schnell und früh, wie wichtig eine gute Ausbildung ihrer Schwestern war, die in Schule und Krankenpflege tätig waren. Die Schwestern, die an öffentlichen Schulen Unterricht erteilen wollten, hatten die vom Staat verlangten Examina abzulegen. In den Jahren 1861 – 1869 hatten das immerhin schon 72 Schwestern erfolgreich getan.

Beide erwähnten Aspekte machen schon Neues deutlich, dass durch Katharina Kasper entstand. Beides veränderte die Welt in Deutschland und den Ländern, in die sie selbst schon Schwestern aussandte, deutlich. Katharina erkannte die Bedürfnisse der Menschen in ihrer Zeit. Müssen nicht auch wir viel aufmerksamer sein, damit sich unsere Welt positiv verändern kann?
STH





Samstag, 12. November 2016

Katharina ist ihrer Zeit immer voraus

Das Luther-Jahr hat begonnen. Viel werden wir in diesem Jahr hören über Martin Luther, immer wieder wird auch die Ökumene ein Thema sein. In Wikipedia können wir lesen: „Im 19. Jahrhundert entstanden verschiedene christliche Organisationen wie Missions- und Bibelgesellschaften, der Christliche Verein Junger Männer und der Christliche Studentenweltbund, die bereits ein Streben nach Einheit über nationale und konfessionelle Grenzen hinweg erkennen ließen. 1874 und 1875 lud Ignaz von Döllinger zu den Bonner Unionskonferenzen ein. Die moderne Ökumene wurde Anfang des 20. Jahrhunderts insbesondere von protestantischen Kirchen initiiert. Sie wurden gleichzeitig zur treibenden Kraft in dieser Bewegung.[1]
In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg gründete der evangelische Theologe Frère Roger die Communauté de Taizé als erste ökumenische Brüdergemeinschaft der Kirchengeschichte.“ (Wikipedia unter dem Stichwort „Ökumenische Bewegung“)
Im 19. Jahrhundert  lebte auch Katharina Kasper, und sie lebte die Ökumene schon früher als 1874!
Schon 1858 wurden die Armen Dienstmägde Jesu Christi nach Frankfurt gerufen, und zwar von Wiesbaden aus. 1860 wurde die erste Filiale in Frankfurt gegründet. In einem Auszug aus der Chronik des Bernardusstiftes heißt es: „In diesem Jahr pflegten die Schwestern 454 Kranke, darunter waren 198 Katholiken, 216 Protestanten und 40 Juden, 21 Reiche, 241 aus dem Mittelstand und 192 Arme …“

In einer Zeit, in der die Konfessionsgrenzen scharf gezogen wurden, pflegten Katharina und ihre Schwestern ganz selbstverständlich auch Protestanten und Juden. Ist doch Wahnsinn, oder?

In der Chronik kann man auch lesen, dass die Schwestern schon mal sehr knapp an Kasse waren. Sie bekamen von der Stadt die Erlaubnis, betteln zu gehen. Die Auflage: nur zu Katholiken.
In einer Nacht- und Nebelaktion – sie warteten wirklich die Dunkelheit ab, damit sie nicht gesehen wurden – kamen Familienangehörige der Juden, um auch ihre Spende abzugeben – aus Dankbarkeit, weil ja auch sie die Dienste der Schwestern in Anspruch nehmen durften. Und das war damals eben alles andere als selbstverständlich.

Katharina war schon immer und in vielem ihrer Zeit voraus!
(STH)



Samstag, 5. November 2016

Flügel aus Liebe

Wie wunderbar bist Du,
der Mensch,  der mich auf seine Reise mitnimmt,
mir Flügel verpasst,
um mit mir auf seinen Worten, seinen Gedanken
mit sanften Flügeln zu schwingen?

Mit Dir kann ich so schöne Dinge sehen,
jeden Moment erleben
und meine Gefühle schwebelos genießen.
Du bist der Halt in der Luft,
die Kraft meines Flügelschlags,
der mich fortan, in neue Höhen schwingt.
Du bist das Vertrauen,
dass mir selbst aus größter Höhe sagt,
lass Dich bedingungslos fallen, ich werd Dich fangen.

Was ist die Kraft, die mich begleitet,
die jedem Sturm standhält?
Es sind die Flügel Deiner Liebe,
geformt aus den schönsten Federn, die ich jemals sah,
die mich in Höhen tragen, in Tiefen fangen
und mir durch ihre Farben sagen:
"Ich liebe Dich".
(Alexander Hoch) 



Klar, dass das ein Liebesgedicht ist. „Der Mensch“ wird ja auch deutlich angesprochen. Vielleicht geht es Ihnen ja aber auch so: Bei solchen Texten – auch bei vielen Schlagern – denke ich, man könnte es auch ganz leicht auf Gott übertragen. Und was für eine faszinierende Aussage hätte das dann! Probieren Sie es doch mal …

Katharina hätte sicher nicht die geringsten Probleme damit, Gott dieses Gedicht zuzusprechen. Sie erfährt ja jeden Tag neu, dass der Herr ihr Flügel verleiht – durch sein Wort, das ihr im Stundengebet und in der Heiligen Messe begegnet, durch die Gedanken, die er ihr durch ihre Mitschwestern und Mitmenschen mitteilt.

Mit Gott kann Katharina Schönes sehen und erleben, kann sie ihn und seine Liebe genießen. Gott ist ihr Halt und ihre Kraft, die es ihr ermöglichen, in die Lüfte zu steigen und dies immer höher und höher – im festen Vertrauen darauf, dass er sie auffängt, wenn die Kraft ihrer Flügel erlahmen sollte.

Letztlich sind es die Flügel der göttlichen Liebe, die ihr Leben gelingen lässt, die ihre Ausstrahlung so faszinierend sein lässt, dass sich Menschen bis heute ansprechen lassen und ihr folgen wollen.

Vielleicht ist da ja auch die Ahnung, dass sie auch ihre eigenen Flügel entdecken, weil die göttliche Liebe verwandelt und Unmögliches möglich macht?

(STH) 

Samstag, 29. Oktober 2016

Der Ruf des Adlers

Haben Sie schon einmal den Ruf des Adlers gehört?

„So ein Unsinn“, denken Sie jetzt bestimmt, „hier gibt es doch gar keine Adler!“
Mit letzterem haben Sie recht. Nicht aber mit dem ersten Teil. Ich behaupte sogar, dass Sie den Ruf des Adlers schon öfter gehört haben.

Der Adler ist ein Gottesbild. Und Gott beschirmt und trägt uns nicht nur mit seinen Flügeln, wie es in den Psalmen heißt; er ruft uns auch. Der Ruf des Adlers trifft uns durch so manchen Schicksalsschlag, er trifft uns bei Begegnungen, im Blick auf eine Handlung, die von mir gefordert ist oder eine Entscheidung, die wir treffen sollen.

Katharina Kasper war ganz sensibel für den Ruf des Adlers. Ja, sie stellte ihn über alles. „In allem und überall geschehe der heilige Wille Gottes.“ (u.a. Brief 14) So sagte sie immer und immer wieder. Nichts war ihr lieber als der Wille Gottes. Und sie war fest davon überzeugt, dass es ganz einfach ist, dem Ruf des Adlers zu folgen, dass es nur schwer ist, wenn man ihn nicht hört. Dass wir ihn hören, - dafür können wir uns bereiten, indem wir den Kontakt mit dem „großen Adler“ suchen und pflegen.

„Den heiligen Willen Gottes erfüllen zu wollen, ist ja unsere Bestimmung auf dieser Erde.“ (Brief 279) Mit Gottes Hilfe gelingt es uns, dieser Bestimmung gerecht zu werden. Ja, und dann erhalten wir das gleiche Geschenk wie Katharina: adlergleich.
(STH)


Samstag, 22. Oktober 2016

Spann die Flügel ..

Letzte Tage habe ich einen schönen Text geschenkt bekommen. Hören Sie mal!

Spann die Flügel, lass dich tragen
von dem Wind der Fantasie
von den sonnenhellen Tagen
von des Lebens Melodie

lass dich von der Freude tragen
von der Freunde Fröhlichkeit
stets aufs neu den Looping wagen
ohne Brief und Sicherheit

spann die Flügel, weit und offen
lass dich trotz manch banger Fragen
voller Sehnsucht, voller Hoffen
von dem Lied der Freiheit tragen

lass dich von der Liebe tragen
und von zündenden Ideen
über alle Alltagsklagen
bis zum Licht, bis zum Verstehen

spann die Flügel, hab Vertrauen
wie die Ähren auf dem Feld
wie die Lärche, hoch im Blauen
sei ein Segen für die Welt.
(Emmy Grund)


Bei diesem Text musste ich sofort an Katharina Kasper denken. Sie spannte ihre Adlerflügel weit – und ließ sich tragen. Sie ließ sich tragen von der Fantasie, wenn sie Neues anging und schuf. Sie ließ sich tragen von der Freude, die ihr ihre Hingabe an Gott schenkte. Sie ließ sich tragen von der Freiheit – von der inneren Freiheit, die ihr das Unmögliche möglich machte. Sie ließ sich von der Liebe tragen, - zunächst natürlich von Gottes Liebe, die ihr Leben erfüllte, dann aber auch von der Liebe ihrer Mitschwestern, die zu ihr standen und sie haben wollten bis ins hohe Alter.

Katharina ließ sich tragen vom Vertrauen – von ihrem grenzenlosen, bedingungslosen Vertrauen zu Gott, der sie führte, hielt und trug und sie reich beschenkte trotz aller Grenzen und Begrenzungen.

Katharina war ein Segen für die Welt – für ihre Welt.
Katharina ist ein Segen – bis heute – für unsere Welt.

STH

Samstag, 15. Oktober 2016

Überall Not.

Auch das ist O-Ton Katharina. Aber da ist keine Klage, kein Lamentieren. Es ist einfach eine Feststellung.
Und was bringt sie zu dieser Feststellung?

Obwohl unglaublich viele Schwestern zu Lebzeiten Katharinas eintreten – als sie stirbt zählt die Gemeinschaft über 1500 Mitglieder! -, hat Katharina ständig zu wenig Schwestern. Immer wieder fällt eine Schwester aus. Immer wieder stirbt auch eine Schwester. „Überall Not“, schreibt sie im Juli 1875. (Brief 36) In dieser Zeit sterben relativ kurz hintereinander an verschiedenen Orten vier Schwestern.

Ja, und dann kann sie nicht jede Schwester überall einsetzen. Es ist schon faszinierend, wie gut Katharina ihre Schwestern kennt. „Schwester Severia ist abgereist, so fehlt jetzt eine ähnliche Schwester in Sayn“, schreibt sie zum Beispiel ins Mutterhaus. Oder: „Schwester Pia könnte vielleicht zu ihrem großen Nutzen die Pforte im Mutterhaus versehen.“ Oder: „Für Hochheim habe ich noch keine Schwester gefunden.“ (alle Zitate Brief 36)

Solche Äußerungen kann sie nur tun, wenn sie ihre Schwestern kennt, das heißt, wenn sie ihre Eigenschaften und Fähigkeiten kennt, wenn ihr ihre Grenzen und Schwächen bekannt sind. Und es ist ihr wichtig, ihre Schwestern entsprechend einzusetzen, damit sie ihre Berufung leben und entsprechend wirken können.

„Überall Not.“ Ja, das schreibt sie. Aber auf der anderen Seite ist sie voller Zuversicht. Einmal  schreibt sie in einer anderen Situation an den Bischof: „Werden Sie aber nicht unruhig, … denn ich bin ja nicht schuld und Sie auch nicht. Wenn er [das zulässt], so wollen wir das Vertrauen haben, dass er es auch an dem Notwendigen nicht fehlen lässt, oder wenn es auch mal fehlen sollte, wir es ruhig ertragen können.“ (Brief 5)

Das drückt ihre ganze Haltung aus. Vertrauen haben, dass Gott hilft. Das zahlt sich aus. Diese Erfahrung macht Katharina immer wieder.
STH



Donnerstag, 6. Oktober 2016

Mal wieder O-Ton

Morgen fahre ich bis Samstagabend auf eine Tagung. Viel Zeit bleibt nicht, um ein Wort Katharina Kaspers zu meditieren und Ihnen mitzuteilen. In so einem Fall greife ich gerne auf den O-Ton zurück, - damit Sie nicht ganz ohne Katharina sein müssen. ;-)

1890 schreibt Katharina an Sr. Martha:
„Liebe Schwester Martha, ich gebe Ihnen den Rat für jede Stelle und jede Handlungsweise: dem lieben Gott sich überlassen, alles aus Liebe und zur Ehre Gottes tun zu wollen, so wird der liebe Gott Ihnen allezeit zu Hilfe kommen. Er wird Sie erleuchten, das Rechte zu erkennen, und stärken, dasselbe auszuüben; aber auch tröstet uns Gott. So gehen Sie denn in aller Demut und im Vertrauen auf Gott mit kindlicher Liebe von einem Tage zum andern weiter, und Sie werden sehen und erfahren, dass es besser geht und dass alles Schwere leicht wird.“ (Brief 169)

Stellen Sie sich vor, Katharina sagt Ihnen dieses Wort. Ist das nicht wunderbar?
Lassen Sie uns versuchen, ihren Rat zu befolgen …

STH

Samstag, 1. Oktober 2016

Die Kraft des Gebetes

Katharina Kasper war viel unterwegs. Ihr war es wichtig, Kontakt mit den Schwestern zu halten und sie deshalb immer wieder zu besuchen. Die Visitationen – so hießen diese Besuche – dienten auch immer dazu, die Schwestern in ihrer Berufung zu stärken, ihnen Hilfestellungen zu geben, wie sie die Spiritualität leben können, und Missstände aufzudecken und zu beheben. 1875 machte Katharina eine sehr ausgedehnte Visitationsreise. Sie machte sich im Mai auf den Weg und kehrte erst im Oktober zurück ins Mutterhaus.

So wichtig diese Reisen für die Schwestern auf den Filialen waren, - natürlich brachten sie auch viele Probleme mit sich. Zum einen war Katharina ja kein kerngesunder Mensch, und die Strapazen der Reise zehrten sehr an ihrer Gesundheit. Die Filialen lagen ja oft weit auseinander, Kutschen brauchten ihre Zeit, und auch die Züge waren noch nicht besonders schnell. „Die beständig anhaltenden Strapazen zerrütten meine Gesundheit doch nach und nach“, erwähnt Katharina nur einmal kurz (Brief 38).

Zum anderen gibt es auch zu Hause und in den vielen anderen Filialen – man kann nur staunen, wo es überall schon ADJC gab! – auch Probleme, die gelöst werden wollten. Wo es Menschen gibt, da menschelt es ja bekanntlich. Alles musste Katharina brieflich und in großem Vertrauen auf ihre Assistentinnen angehen – sei es ein Klosteraustritt (vgl. Brief 38), sei es Versetzungen (vgl. Brief 37), sei es die Gründung einer neuen Filiale (vgl. Brief 39).

Woher nimmt Katharina ihre Sicherheit, ihre Zuversicht?

 „Die Schwestern und ich schicken täglich unser schwaches Gebet zum Himmel, damit Gottes heiliger Wille geschehe und die Absichten des lieben Gottes an der Gemeinschaft in Erfüllung gehen mögen.“ (Brief 7)

Darauf vertraut sie – auf das Gebet, auf das eigene und auf das Gebet mit- und füreinander, wie sie oft sagt. Dann ist ihre Haltung durchaus verständlich und einsichtig: „Nur Mut und in aller Demut mit großem Gottvertrauen ruhig der Zukunft entgegengehen.“ (Brief 23)

Ja, ich glaube, uns wäre auch viel mehr möglich, wenn wir der Kraft des Gebetes vertrauten …

STH

Samstag, 24. September 2016

Kreuz und Leiden – notwendig?

„Der heilige Wille Gottes möge geschehen in allem und überall. Wir dürfen und wollen nicht klagen über Kreuz und Leiden, welche ja so notwendig für uns sind. Ja möchten wir nur recht würdig sein, für Gott Leiden und Verachtung ertragen zu können.“ (Brief 33)

Kreuz und Leiden sind notwendig für uns – na ja, wahrscheinlich denken Sie anders darüber. Es ist nur menschlich, wenn wir denken: „Kreuz und Leiden brauchen wir nicht.“

Katharina Kasper denkt da ganz anders. Und das tut sie, weil sie davon überzeugt ist, dass Gott Kreuz und Leiden zulässt. Und seinen Willen akzeptiert sie bedenkenlos, vorbehaltlos. Das ist für sie kein Problem.

Ein Problem ist für sie die Ungewissheit: Sind wir würdig, für Gott Kreuz und Leiden zu tragen?

Damit klingt ein weiterer Gedanke an, der es ihr leichter macht, Kreuz und Leiden zu tragen: Sie tut es für Gott. Es ist sozusagen ein Geschenk, das sie Gott macht. Sie trägt das, was ihr schwerfällt, aus Liebe zu ihm. Es ist also eine Möglichkeit, Gott ihre Liebe zu zeigen.






Können wir auch unwürdig sein, Kreuz und Leiden zu tragen? Ich denke, da klingt an, dass wir das Kreuz durchaus als Last empfinden können, dass wir es ablehnen, dass wir uns ihm widersetzen können. Wenn wir so reagierten und handelten, wären wir des Kreuzes unseres Herrn nicht würdig. Unser Kreuz ist ja letztlich nichts gegen das Kreuz, das er für uns getragen hat. 






Warum aber sind – so Katharina – Kreuz und Leid notwendig für uns? Ich glaube, Katharina hat da mehreres im Blick:
  1. Leid und Kreuz lassen uns erkennen, dass wir schwache Menschen sind, abhängig von der göttlichen Hilfe. Letztlich trägt dies zur Demut und Dankbarkeit bei.
  2. Leid und Kreuz machen uns menschlicher, verständnisvoller, barmherziger unseren Mitmenschen gegenüber, die auch ihr Kreuz und Leid zu tragen haben.
  3. Leid und Kreuz helfen uns, Gott nahe zu kommen, wenn wir unser Kreuz mit dem seinen verbinden, wenn wir zulassen, dass er dies an uns wirkt.

„Der heilige Wille Gottes möge geschehen in allem und überall. Wir dürfen und wollen nicht klagen über Kreuz und Leiden, welche ja so notwendig für uns sind. Ja möchten wir nur recht würdig sein, für Gott Leiden und Verachtung ertragen zu können.“ (Brief 33)
STH


Samstag, 17. September 2016

Katharinas Führungsstil

Schauen Sie mal: „… Sie haben mir nicht geschrieben, ob Schw. Rosa in Bernkastel ist und Schw. Crescentia ihre Stelle in Wittlich vertritt, ob und wie es sich gestaltet hat. Ferner, ob von Bernkastel eine Schwester nach Wittlich ist oder anderswoher gesucht werden muss. Sie wollen mir umgehend nach Bilk darüber schreiben, wo ich, so Gott will, Samstag hinkomme. Ich weiß nicht recht, ob ich direkt nach Haus kommen soll oder noch weiter an einige Häuser gehe oder an die Mosel. Sie wollen mir Ihre Ansicht mitteilen…“ (Brief 30)

Ist das nicht eine interessante Briefstelle? Sie wirft viel Licht auf Katharinas Führungsstil.

Katharina hat ja bekanntlich lange Visitationsreisen unternommen. Während dieser Zeiten konnte sie mit ihren Assistentinnen im Mutterhaus nur brieflich kommunizieren. Telefon oder gar Skype gab es noch nicht. Und auf so einer Visitationsreise durch Westfalen schrieb sie Brief 30.



Es wird deutlich: Katharina Kasper kann delegieren. Ob diverse Versetzungen durchgeführt wurden oder nicht, - das überlässt sie ihren Assistentinnen. Sicher ist im Vorfeld darüber gesprochen worden. Aber die letzte Entscheidung überlässt sie anderen. Sie fordert nur ein, informiert zu werden. Damit ermöglicht sie ihren Schwestern auch eigenständiges Handeln.

Es wird auch deutlich: Katharina Kasper holt den Rat ihrer Assistentinnen ein. Westfalen und auch die Mosel liegen nicht gerade vor der Haustür. Es wäre also sinnvoll, noch einige Häuser „mitzunehmen“, wenn man schon in der Nähe ist. Aber zu Hause gibt es auch genug Probleme, die Katharinas Anwesenheit erfordern. Und so erbittet sie die Meinung ihrer Assistentinnen. Die letzte Entscheidung bleibt bei ihr. Aber ihr ist die Meinung ihrer Schwestern wichtig. Ja, und ganz sicher fühlen die sich ernst genommen.

Katharinas Leitungsstil ist kollegial und ziemlich modern, finden Sie nicht auch? Kein Wunder, dass die Schwestern gerne mit ihr zusammenarbeiten und ihr immer wieder das Amt der Generaloberin übertragen.

(STH)

Samstag, 10. September 2016

Vieles wird unwichtig

Immer wieder bin ich fasziniert von Katharina Kaspers Haltung. Sie klagt nicht, sie lamentiert nicht. Ja, sie macht auch nicht viel Gerede um Probleme, und mögen sie noch so groß sein. Immer ist für sie das Wichtigste: „In allem und überall geschehe Gottes heiliger Wille.“ (Brief 27) Immer soll das eigene Leben nur ein Ziel haben: „Möchte auch unser Leben und Streben allezeit sein, den hl. göttlichen Willen zu erfüllen, den lieben Gott über alles und den Nächsten wie uns selbst zu lieben.“

Der geschichtliche Hintergrund dieses Briefes sind die sog. Klostergesetze, die der Staat im Rahmen der Kulturkampfgesetze erlassen hatte. 1874, in dem dieser Brief entstand, war das größte Problem die Vertreibung der Schulschwestern aus ihrer Tätigkeit. Das führte Katharina auch nach Forst, wo der Brief entstanden ist. Aber mit keiner Silbe erwähnt sie die Kulturkampfprobleme. Sie fordert nur auf: „Fahren wir nur fort zu beten in bekannten Intentionen für- und miteinander.“

Angesichts einer solchen Haltung wird es mir schon ganz komisch. Mir gelingt es selten, die Unbill eines Tages als Willen Gottes anzunehmen oder zumindest als von ihm zugelassen. Aber vielleicht hilft ja Katharinas Aufforderung, wenn man sie sich immer wieder neu ins Gedächtnis ruft. Denn vieles wird unwichtig, wenn es um die Liebe zu Gott und dem Nächsten geht.

(STH)

Samstag, 3. September 2016

So Gott will

In einem kurzen Briefchen, dem Brief 26 – er umfasst gerade mal 20 Zeilen – schreibt Katharina Kasper dreimal „So Gott will“. Und diese kleine Bemerkung kommt sehr oft in ihren Briefen vor und ganz sicher auch in ihrem täglichen Reden.

„Morgen, so Gott will, besuche ich die kranken Schwestern in Haffen und komme, so Gott will, Montag in Gelsenkirchen an.“ – „Ende der nächsten Woche komme ich, so Gott will, in Düsseldorf an.“

Immer geht es um Pläne, die Katharina gemacht hat. Morgen will sie dort sein, Montag dort und in der nächsten Woche dort. Aber – auf ihren Willen kommt es nicht an. Immer heißt es: „So Gott will.“


Katharina weiß genau: Dinge können nur gelingen, wenn Gott es will. Pläne können nur in Erfüllung gehen, wenn sie im Plane Gottes stehen. Sie weiß das, und sie weiß auch, dass ihre Pläne scheitern können. Bei den oben genannten Vorhaben ist das vielleicht auch nicht so schlimm. Aber es gibt ja auch bedeutendere Pläne und Vorhaben. Bleibt Katharina dann auch so gelassen?

Ja, da bin ich ganz sicher. Ihr Leitspruch lautet ja: In allem und überall geschehe der heilige Wille Gottes.“ (Briefe 14,27,29) Und wenn er geschieht, dann ist sie zufrieden und glücklich, - auch wenn es nicht ihrem Willen entspricht.

„So Gott will“ – irgendwie schenkt eine solche Haltung Ruhe und Gelassenheit. Ich muss tun, was ich kann – ja, natürlich. Aber mehr verlangt Gott auch nicht von uns, denn letztlich hängt alles von ihm ab.

STH

Samstag, 27. August 2016

Katharina

Dein Name,
Katharina,
trägt das,
was ER Dir schenken will:
Katharina, die Reine.
Denen, die reinen Herzens sind,
wird ER sich zeigen.
"Selig, die reinen Herzens sind,
denn sie werden Gott schauen." (Mt 5,8)
Du schaust!
Du hast geschaut,
aus der Schau
Dein Leben gestaltet.

In allen und allem
Ihn gesehen:
Gott, der sich zeigt,
denen,
die den klaren Blick haben.
    (sms)

Samstag, 20. August 2016

Eine Sprache zum Nachdenken

Manchmal ist einem Katharinas Sprache doch echt fremd. Dann merkt man, dass sie doch aus einem anderen Jahrhundert kommt. Aber wir sollten ihre Worte nicht einfach beiseitelegen – bringt mir ja doch nichts. Nein, gerade dann, wenn wir auf dem ersten Blick nichts mit ihnen anfangen können, sollten wir über ihre Worte nachdenken. Und wir werden erkennen, wie aktuell sie heute noch sind; und – sie bringen uns was.


So eine schwierige Aussage habe ich in Brief 25 gefunden:
„Was verlangt der liebe Gott von einer jeden von uns? Und die Antwort können wir uns leicht geben: wollen wir glücklich sein in Gott, so müssen wir aus uns selbst herausgehen, uns losschälen und entäußern von unserer verkehrten Selbstliebe und die verkehrte Welt hassen und verabscheuen. Sind wir frei von dieser verkehrten Selbstliebe und ihrem Anhange, so ist unsere Seele auch befreit von ihren bitteren Wirkungen und Aufregungen.“

Stimmt doch, was ich gesagt habe, oder? Aber – klicken Sie nicht einfach weg. Bleiben Sie.

„Wir müssen aus uns selbst herausgehen, uns losschälen und entäußern von unserer verkehrten Selbstliebe und die verkehrte Welt hassen und verabscheuen.“
Ich glaube, Katharina Kasper will uns nichts anderes sagen, als dass wir offen bleiben für den Mitmenschen, dass wir auf ihn zugehen.
Wenn ich eine Frucht schäle, dann befreie ich sie von der Schale. Wenn ich mich entäußere, dann entferne ich das Außen und lege das Innen frei. Es geht also um Freiwerden, Befreiung, und zwar von der verkehrten Selbstliebe.

Wir sollen uns selbst lieben; sonst können wir auch nicht den Nächsten lieben. Aber Egoismus macht uns unfrei und kapselt uns ab vom Mitmenschen. Der Egoismus gehört auch zu der „verkehrten Welt“. Damit ist eigentlich alles gemeint, was Leben beeinträchtigt, schadet, vielleicht zerstört. All das sollen wir verabscheuen und meiden.

Also, das Wort ist gar nicht so schwierig, oder? Im Klartext: Wir sollen gegen unseren Egoismus angehen und auf den Mitmenschen zugehen. Wir sollen uns frei machen von allem, was nicht gut ist, und –

wir werden glücklich sein. Es ist einen Versuch wert, oder?

STH

Sonntag, 14. August 2016

Dem lieben Gott wollen wir danken …

Morgen – am 15. August – feiert die katholische Kirche Maria Himmelfahrt.
Wir – die Armen Dienstmägde Jesu Christi – feiern den 165. Gründungstag unserer Gemeinschaft.

Ja, am 15. August 1851 legten die ersten fünf Frauen vor Bischof Peter Josef Blum in der Pfarrkirche in Wirges ihre ersten Gelübde ab, bekamen ihr Ordenskleid und ihren Ordensnamen. Seitdem hieß Katharina „Schwester Maria“, und weil sie sehr bald Generaloberin der noch jungen Gemeinschaft wurde, nannte man sie „Mutter Maria“.

Im Laufe der 165 Jahre traten – bis heute – ungefähr 8000 Schwestern ein. Schon zu Lebzeiten Katharinas wurden viele Filialen gegründet. Schon zu Lebzeiten Katharinas gingen die ADJC nach Holland, England und USA. Das Wachstum der Gemeinschaft ging nach Katharinas Heimgang weiter. Filialen wurden gegründet, die ADJC gingen auch nach Indien, Mexiko, Brasilien, Kenia und Nigeria. Katharinas Charisma ist nach 165 Jahren so aktuell wie damals; immer wieder lassen sich Menschen davon ansprechen und versuchen es, in ihrem Alltag zu leben. Wenn auch die Kerngemeinschaft geschrumpft ist, - das Charisma ist lebendig. Und wir sind in der frohen Erwartung, dass Rom dieses Charisma bald anerkennt als für die ganze katholische Kirche – nicht nur für das Bistum Limburg – wichtig und bedeutend, indem Katharina den Titel auch offiziell tragen darf, den sie schon seit Lebzeiten zugesprochen bekam: „heilig“. Sie können übrigens dazu helfen, indem Sie dem Papst einen Brief schreiben und um die Heiligsprechung bitten.


Zum 25jährigen Jubiläum ihrer Gemeinschaft schrieb Katharina: „Dem lieben Gott wollen wir danken, dass er in seiner unendlichen Liebe, Güte und Barmherzigkeit unsere Gemeinschaft hervorgerufen hat durch seine heilige Kirche, uns zu derselben berufen durch seine Gnade und Liebe und mit der Fülle seiner Gnade überhäufte im allgemeinen und eine jede insbesondere.“ (Brief 50)

Diesen Worten Katharinas will ich mich anschließen. Tun Sie es doch auch!
STH


Samstag, 6. August 2016

Da muss `was Besonderes sein …

Die Aufklärung im 18. Jahrhundert führte dazu, dass viele Fürsten und auch Kirchenleute dem Ordensleben kritisch gegenüberstanden. Mit rein kontemplativen Gemeinschaften – also Nonnen oder Mönche, deren Lebensschwerpunkt das Gebet war -  konnte man gar nichts anfangen. Wenn sie sich nicht an der Schulbildung der Bevölkerung beteiligen wollten, bekamen sie Schwierigkeiten. In Frankreich und in Gebieten unter französischer Herrschaft kam es schließlich zur Enteignung und Aufhebung vieler Klöster. Damit ist zu erklären, dass Katharina Kasper in ihrer Heimat – dem damaligen Nassau – keine Klöster kannte.

Immanuel Kant, deutscher Philosoph der Aufklärung

Im 19. Jahrhundert wurden dann viele Ordensgemeinschaften gegründet, vor allem von Frauen. Theresia Gerhardinger, Pauline Mallinkrodt, Rosa Flesch, Clara Fey, Franziska von Schervier sind da zu nennen, und mit einigen von ihnen hatte Katharina Kasper auch Kontakt. Jede dieser Frauen griff die sozialen Missstände auf, um sich für die Menschen, die darunter zu leiden hatten, da zu sein. Krankenpflege, Bildung und Kinderfürsorge sind da zu nennen. In ihre Zeit fiel dann die Säkularisation, die den Klöstern das Leben ähnlich schwer machte wie die Folgen der Aufklärung. Vor allem durften die Ordensgemeinschaften keine Novizinnen aufnehmen – Katharina litt auch unter dieser Tatsache, denn sie hatte permanent Schwesternmangel im Blick auf die vielen Nöte. Manche Ordensgemeinschaften starben damals aus. Nicht die Gemeinschaften der oben erwähnten Frauen, sie existieren bis heute.

Worin unterscheidet sich Katharina Kasper von den anderen Frauen?

Natürlich ist da das Charisma, das sich deutlich unterscheidet von den anderen Charismen. Ihr Charisma ist einzigartig in der Ordenslandschaft des 19. Jahrhunderts. Sie verbindet das Bild des Gottesknechtes und das Fiat der Gottesmutter. Beides findet seinen Ausdruck in dem Namen, den sie ihrer Gemeinschaft gegeben hat: Arme Dienstmägde Jesu Christi.

Außerdem stand die Tätigkeit nie in der Mitte ihres Lebens. Immer war es der Herr, dem sie leben wollte. Das muss notwendigerweise den Dienst an den Menschen folgen, weil wir ihm in ihnen begegnen. Nie verlor sie aus den Augen, dass der Herr die Priorität in ihrem Leben blieb. Und nie wurde sie müde, den Menschen nahe zu bringen, wie wichtig ein Leben mit Gott ist.

Bischof Peter Josef Blum
1859 – acht Jahre nach der Gründung der Gemeinschaft – schreibt Bischof Peter Josef Blum aus Limburg an den Papst in Rom: „In Dernbach, einem kleinen Dorf nahe der Stadt Montabaur, in der Diözese Limburg, strebte die fromme Jungfrau Katharina Kasper, die von ehrbaren Eltern, armen Bauersleuten, abstammte, seit früher Jugend danach, mit Gottes Hilfe und aus allen ihren Kräften sich selbst und auch andere gemäß ihrem Stand zu einem wahrhaft christlichen und heiligen Leben zu führen. Um das besser und wirksamer zu erreichen, als es ihr damals in ihrem Elternhaus in Dernbach möglich war, erwog sie den Gedanken, sich bei einer christlichen Familie, in der sie nicht gezwungen wäre, den ganzen Tag mit Arbeiten zu verbringen, als Dienstmagd zu verdingen. Da aber die Mutter, die schon in vorgerücktem Alter stand und arm war, ihre Tochter Katharina noch notwendig brauchte, nahm diese sich, da sie anderen nicht dienen konnte, schließlich vor, sich alsdann als treue Dienstmagd Jesu Christi zu erweisen und darum die Zeit, die ihr nach getaner harter Handarbeit täglich übrig blieb, ganz darauf zu verwenden, Kranke zu besuchen und zu pflegen und ihre Nächsten zur Liebe Jesu Christi zu führen.“

Diese einfache Frau aus dem Westerwald ist wirklich ein Geschenk an die Menschen – damals und heute.
STH