Katharina adlergleich

Katharina adlergleich
Vergiss nicht, dass du Flügel hast ...

Samstag, 27. Dezember 2014

Vorbild Heilige Familie!?

Am Sonntag feiert die katholische Kirche das „Fest der Heiligen Familie“. Es kann schon sein, dass wir heutigen Zeitgenossen nicht mehr so viel mit diesem Gedenktag anfangen können in einer Zeit, in der es ja immer weniger „richtige“ Familien gibt. Heute streitet man ja schon darüber, was eine „richtige“ Familie ist. Vielleicht verwundert Sie das aber trotzdem, dass die „Heilige Familie“ für Katharina Kasper ganz wichtig war. Einige Male erwähnt sie sie in ihren Briefen.

Die Heilige Familie? Gemeint sind natürlich Maria, Josef und das Jesuskind.
„Die heilige Familie müssen wir ja ganz besonders verehren und nachahmen,“ so schreibt sie beispielsweise (Brief 239); und sie fordert auch dazu auf, sich die heilige Familie zum Vorbild zu nehmen. Aber warum?

Die heilige Familie war arm – zur Zeit der Geburt Jesu sowieso; und dann mussten sie flüchten und – obwohl Gottes Sohn bei ihnen war – ganz demütig den untersten Weg gehen, um das Kind zu retten und zu überleben. Wahrscheinlich war das Schicksal der Flüchtlinge damals nicht anders als heute – viel Schmach und Verachtung müssen sie ertragen, ein schweres Kreuz tragen.


Katharina Kasper schreibt: „Die heilige Familie ist ja unser Vorbild, dem wir nachfolgen sollen in allen Tugenden. Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest, den reichsten Gottessegen, welches das göttliche Kind so sehr geliebt hat in seinem ganzen Leben: die Armut, Demut und Schmach und das Kreuz …“ (Brief 131)

Die Tugenden, die Armut und Demut sind ganz wichtig für Katharina.
„Sie müssen aber recht dankbar sein, aber auch ein heiligmäßiges Leben führen, innerlich und äußerlich, damit Sie in der Tat auch das Glück genießen der Armut und Einfachheit, Demut, Gehorsam sowie die übrigen Tugenden nachzuahmen, welche die heilige Familie gelehrt durch Wort und Tat.“ (Brief 134)

Sicher könnten wir da noch einiges lernen, wenn wir die heilige Familie mal mehr in den Blick nähmen …

STH

Mittwoch, 24. Dezember 2014

Frohe Weihnachten!

„Was soll ich denn Ihnen … wünschen? Den Frieden, welchen die Engel verkündigt, Friede den Menschen, welche einen guten Willen haben. O wie tröstlich: die einen guten Willen haben, sollen schon den Frieden haben. Ja, von Herzen wünsche ich … Frieden im Herzen und Hause. O wie glücklich werden wir sein, wenn wir ihn besitzen …“ (Brief 181)

„Ich meine, keine Wünsche seien so wichtig, so schön und auch so notwendig als den Frieden allen …, die einen guten Willen haben, zu wünschen. Friede im Herzen und Hause macht uns alle glücklich, wenn einmal das Geräusch der bösen Leidenschaft gedämpft ist und Ruhe in der Seele, in allen Werken und Handlungen ist.“ (Brief 180)

Ich schließe mich Katharina Kaspers Weihnachtswünschen an.

Frohe, gesegnete und friedvolle Weihnachtstage wünsche ich Ihnen. Möge es uns geschenkt werden, dass wir das Geheimnis der Heiligen Nacht ein klein wenig erfahren und begreifen.
STH

Krippe in der Klosterkirche des Mutterhauses  der ADJC

Samstag, 20. Dezember 2014

Der Herr ist nah!

Schon feiern wir den vierten Advent. Nur wenige Tage noch, dann feiern wir die Geburt unseres Herrn. Wie schnell die Zeit verging! Ob wir sie in rechter Weise genutzt haben, - das kann nur jede und jeder für sich selbst beurteilen. Aber diese Frage darf ich Ihnen sicher stellen: Haben Sie um eine reiche Bescherung der geistigen Gaben gebetet?

Sie erinnern sich, nicht wahr? Katharina Kasper schreibt einmal:

„Wir haben schon fleißig gebetet vom ersten Tage des Adventes zum lieben Jesuskinde um eine reichliche Bescherung für die ganze Gemeinschaft und jedes einzelne Mitglied derselben. Es versteht sich ganz von selbst, um die geistigen Gaben zuerst zu bitten.“ (Brief 115)

Ich bin ganz ehrlich – ich habe nicht immer daran gedacht. Aber: noch habe ich ja Zeit. Sozusagen last minute. Ich will den Herrn noch inständig bitten um die geistigen Gaben - für mich und meine Gemeinschaft und die Menschen, die mir anvertraut sind. Was müssen wir unter „geistigen Gaben“ verstehen? Was versteht Katharina darunter?

 Zuerst gehören dazu Glaube, Hoffnung und Liebe – „Wir müssen in diesen gefahrvollen Zeiten einen tiefen, lebendigen Glauben in uns tragen, gründliche Religion der Kirche besitzen, zweitens ein großes und festes Vertrauen auf Gott muß uns beseelen, wodurch wir alles von Gott hoffen und in allem auf den Herrn vertrauen, und drittens muß uns beglücken die leidenschaftliche Liebe Gottes.“ (Brief 68)

Sicher versteht Katharina auch die Kreuzesliebe darunter: „Alle Heiligen hatten eine große Kreuzesliebe zu unserm gekreuzigten Heiland. Prüfen wir denn unsere Kreuzesliebe, wie wir dem lieben Heiland nachfolgen. Werden wir demütiger, geduldiger, sanftmütiger, verträglicher, opferwilliger, nachsichtiger mit den Schwächen und Gebrechen des Nächsten, mitleidiger gegen Arme und Notleidende, dankbar für jedes Leiden?“ (Brief 101)

Vor allem aber gehören für Katharina die Offenheit für den Willen Gottes dazu und die Bereitschaft, ihn zu tun. „Beten wir füreinander, damit der heilige Wille Gottes geschehen möge und wir die heilige Gleichförmigkeit erlangen mit dem göttlichen Willen Gottes.“ (Brief 114)

Beten wir um eine reichliche Bescherung. Und das göttliche Kind wird dann zuteilen, was es will und was wir brauchen.
STH


Samstag, 13. Dezember 2014

Einfach freuen …!!!

Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass ganz viele Adventslieder mit „Freude“ zu tun haben? Immer wieder kommt da die Aufforderung: „Freut euch!“ Das ist auch bei den Bibeltexten so, die uns in dieser Zeit begegnen. Ja, und der 3. Adventssonntag heißt auch noch GAUDETE.

Was ist der Grund zur Freude? Gott wird Mensch; er bleibt uns nicht länger fern, er wendet sich uns zu und zeigt uns seine Liebe.

Und Katharina Kasper? Welche Bedeutung hat die Freude für sie? Sie ist sich sicher: Gott schenkt die Freude – uns allen.

(FranziH/pixelio.de)

„ … der liebe Gott wünscht und verlangt ja ganz besonders, unser Glück und einzige Freude in ihm zu suchen“, schreibt sie einmal und weiß genau, dass da so manch einer eine Frage hat; nämlich: „ Wie suchen wir nun dieses große Glück, ja die einzige Freude unserer Seele? … wenn wir die Reinheit unseres Herzens erstreben, die Sünde hassen und verabscheuen, unsere unordentlichen Neigungen bekämpfen, … das Gebet und die Gnadenmittel gut gebrauchen, … und dieses alles üben und beobachten in der Absicht und Meinung: aus Liebe zu Gott …“ (Brief 64)

Das ist doch ein stolzes Adventprogramm, finden Sie nicht?

Ein andermal schreibt sie: „ … möge doch Gott … vollkommen mit seinem Geiste und mit seiner himmlischen Liebe in unsere Herzen herabgekommen sein, um uns seine sieben Gaben mitzuteilen und uns zu beseelen mit seinem heiligen Frieden und Freude. … die Zeiten und Erfahrungen, die man im Leben, in und nach dem Tode machen muß, stimmen ernst, wenn man heilig und selig werden will. Mit dem Lichte des Glaubens betrachtet, zerschmilzt jedoch aller Ernst, den man für das Heil seiner Seele hegt, in Friede und Freude des Heiligen Geistes, der, wie ich hoffe, Sie … alle beseelen wird.“ (Brief 8)

Die Freude ist göttliches Geschenk. Halten wir uns offen dafür.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen gesegneten 3. Advent. GAUDETE – der Herr ist nah!
STH




Samstag, 6. Dezember 2014

Einfach ist mir sehr wichtig

Vorletztes Mal gab es an dieser Stelle einen Post zu der Frage, ob Katharina Kasper eine einfache Frau war – Sie erinnern sich!? Zu meiner großen Freude bekam ich darauf eine Rückmeldung – Gedanken zu dem Begriff „einfach“ und zu der Einfachheit Katharinas. Mit Zustimmung der Absenderin darf ich sie heute hier mitteilen:

Einfach ist mir sehr wichtig, schon in meinem ganz normalen Alltag. Denn, wir müssten viel einfacher Leben, um die Menschen zu erreichen. 
Ich entdeckte es geradezu in Katharina.

Einfach ist mir wichtig, da wir sehr anspruchsvoll im Leben geworden sind. Funktioniert das Allereinfachste im normalen Alltag nicht, beschäftigt es uns den ganzen Tag. Es hält uns gefangen und setzt nichts mehr frei, um einfach zu sein oder zu handeln.

Einfach ist für mich in Zusammenhang mit Katharina folgendes: 
sie kam ganz natürlich mit den schwierigsten Problem zurecht, sie löste Aufgaben auf eine einfache und unkomplizierte Weise; man würde heute sagen: eine unbürokratische, schnelle Lösung.

Einfach bedeutet auch für mich in Zusammenhang mit Katharina klar und deutlich, zielstrebig und praktisch, froh und unkompliziert im Handeln.

Einfach - sie sprach deutliche Worte, gab einfach strukturierte Aufgaben und Mitteilungen,
die jeder verstehen konnte.

Einfach - ja sie lebte schließlich einfach, ohne für sich viel zu beanspruchen, ohne von
anderen alles zu verlangen.

Einfach -  sie lebte mit Menschen auf Augenhöhe und nicht auf Distanz zu den Menschen, im Wolkenkuckucksheim.

Dieses einfache Leben, das sie vorlebte, fasziniert mich und lässt mich auch einfach leben.



Katharina konnte sehr einfach dienen, nichts Spektakuläres, mit ganz wenig Aufwand, jedoch mit viel Aufmerksamkeit, intensiv und wertvoll; sie wendete sich dem Menschen ganz zu. In diesem einfachen Dienst finde ich sie wunderbar, da zeigt sie die Nähe zum Menschen, nichts kann sie abhalten von ihrem Dienst. Dienen kann einfach sein und sehr aufwendig.Auch darin ist Katharina mir ein Vorbild!

Katharina liebte die einfache Lebensform und die einfache Lebensweise - ob Kleidung, Nahrung, Kloster, alles Überflüssige ist dann nicht mehr einfach, sondern Überfluss.
Sie ist mir ein Vorbild, mit einfachen Dingen, einfachen Einkäufen, zurecht zu kommen.

(M.R.)

Samstag, 29. November 2014

Wieder erster Advent

„… machen wir allezeit einen guten Gebrauch von der kurzen Spanne Zeit, die so schnell vergeht und hineilt in die Ewigkeit.“ (Brief 72)

Recht hat sie, die Katharina Kasper. Schon wieder haben wir den 1. Advent. Damit geht das Kirchenjahr schon zu Ende; und in vier Wochen ist das gegenwärtige Jahr schon wieder historisch. Sie vergeht wirklich schnell – die Zeit, in der wir leben.

Aber:  „Es kommt jetzt wieder die schöne Adventszeit, aber auch zugleich die unruhige Zeit, wo es viel, viel Schreibereien und manches andere zu tun gibt.“ (Brief 177) Die Unruhe der Adventszeit kennt Katharina also auch schon im Jahre 1890. Und doch vergisst sie dabei nicht, an die eigentliche Bedeutung der Adventszeit zu denken: „Wir wollen uns umsomehr sammeln in der heiligen Adventszeit und beten und uns vorbereiten auf die schöne Zeit der Gnaden, uns um so würdiger machen, wieder mehr mit Mut und Vertrauen den heiligen Willen Gottes erfüllen zu wollen …“ (Brief 223)



Ja, das Gebet soll die Adventszeit prägen; und dabei darf man auch durchaus bitten – den Herrn bitten um das, was wir denken, dass wir brauchen, um unseren Alltag zu bestehen. Einmal schreibt Katharina an ihre Schwestern: „Wir haben schon fleißig gebetet vom ersten Tage des Adventes zum lieben Jesuskinde um eine reichliche Bescherung für die ganze Genossenschaft und jedes einzelne Mitglied derselben. Es versteht sich ganz von selbst, um die geistigen Gaben zuerst zu bitten.“ (Brief 115)

Diesen Rat Katharinas werde ich in diesem Advent wahr machen: Ich werde ihn für mich und meine Gemeinschaft und die Menschen, die mir anvertraut sind, um die geistigen Gaben bitten. Zuerst gehörten dazu – so denke ich – Glaube, Hoffnung und Liebe. Das göttliche Kind wird dann zuteilen, was es will.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete Adventszeit.
STH









Samstag, 22. November 2014

Katharina – eine einfache Frau?

Sie haben sofort das Fragezeichen entdeckt, nicht wahr? Nun, das liegt an dem Wort „einfach“. Das hat ja nun mal verschiedene Bedeutungen. Zwei davon möchte ich aufgreifen.

Einmal bedeutet „einfach“ so viel wie „leicht (verständlich), mühelos, simpel“. Wer diese Bedeutung auf Katharina Kasper anwendet, spielt wahrscheinlich darauf an, dass sie nur eine geringe Schulbildung hatte. Das aber sagt in ihrem Fall wenig aus. Tatsache ist, dass sie mitreden kann, dass sie zahlreiche Briefe geschrieben hat, dass sie etwas zu sagen hat, dass sie mit geistlichen und weltlichen Würdenträgern im Kontakt ist. Tatsache ist, dass sie ihre Gemeinschaft 48 Jahre lang leitet und dies auch durch politisch sehr schwierige Zeiten wie den Kulturkampf. Tatsache ist, dass ihre Gemeinschaft bei ihrem Tod fast 2000 Schwestern zählt und dass sie maßgebend dazu beiträgt, dass die Armut im Westerwald bekämpft wird und dass Dorf Dernbach eine funktionierende Infrastruktur bekommt. Sicher trifft es nicht zu, dass Katharina leicht und simpel ist.

twinlili/pixelio.de 
 Eine weitere Bedeutung von „einfach“ ist „bescheiden, schlicht, anspruchslos“. Diese Bedeutung kann man im Blick auf Katharina uneingeschränkt bejahen. Ihr Leben lang – auch als sie schon eine Berühmtheit ist – bleibt sie bescheiden und anspruchslos; und sie wird nicht müde, ihre Schwestern zu ermahnen, auch ein bescheidenes, anspruchloses Leben zu führen.

„Gehen wir ruhig, demütig und bescheiden, jedoch mutig im Hinblick auf Gott weiter mit Vertrauen und Liebe zu Gott.“ (Brief 123), schreibt sie beispielsweise; oder: „Sie wissen ja, …, daß ich nicht gern viele Worte mache und viel Geräusch, sondern einfach und schlicht wollen wir im allgemeinen und eine jede insbesondere dem lieben, guten Gott, unserm liebsten Vater im Himmel, unsere Wünsche vorbringen.“ (Brief 81)

Katharina – eine einfache Frau? Ich überlasse es Ihrer Beurteilung auf dem Hintergrund all dessen, was Sie schon von ihr wissen.

STH

Samstag, 15. November 2014

Der ursprüngliche Geist der ADJC?

„Wir wollen mit Gottes Gnaden so recht gemeinschaftlich in einem Geiste … als arme Dienstmägde Jesu Christi wirken, leben und streben, in dem ersten und ursprünglichen Geiste uns erhalten.“ (Brief 104)

Dieses Wort Katharina Kaspers stand über dem diesjährigen Provinzkapitel der Deutschen Provinz und begleitete uns durch diese drei Wochen. Katharina wendet sich 1885 mit diesen Worten an Schwester Secunda Germesheimer, die seit jenem Jahr Oberin der amerikanischen Provinz ist. Schwester Secunda kann sicher ganz einfach die Frage beantworten, was denn der ursprüngliche Geist der ADJC ist. Uns heutigen Zeitgenossen fällt das vielleicht nicht mehr so leicht. Oder doch? Wir haben ja die Briefe Katharinas, in der dieser „ursprüngliche Geist“ ganz deutlich wird.

Und da wird ganz klar: Immer geht es Katharina darum, Gott zu verherrlichen, und das in der vollkommenen Erfüllung seines Willens durch Selbstheiligung und Nächstenliebe. Und genau das erwartet Katharina auch von ihrer Gemeinschaft – gestern und heute.


In diesem Zusammenhang betont sie auch, dass die Gemeinschaft, die mit einem kleinen Klösterchen entstanden ist, ihren Ursprung im Hause von Nazareth hat.
„Sie haben das große Glück, zu wohnen im kleinen Häuschen von Nazareth. Sie müssen aber recht dankbar sein, aber auch ein heiligmäßiges Leben führen, innerlich und äußerlich, damit Sie in der Tat auch das Glück genießen der Armut und Einfachheit, Demut, Gehorsam sowie die übrigen Tugenden nachzuahmen, welche die heilige Familie gelehrt durch Wort und Tat.“ (Brief 134) Und gerade in dieser Aussage wird deutlich, welche Eigenschaften den ursprünglichen Geist ausmachen.

Es geht darum, uns in diesem ursprünglichen Geist zu erhalten. Das ist Katharinas Anliegen zu ihrer Zeit; das muss unser Anliegen heute sein. Dieser ursprüngliche Geist ist eine Herausforderung – damals wie heute. Seine Realisierung fordert unsere ganze Wachsamkeit – damals wie heute. Gefahren lauern immer – heute vielleicht mehr als damals.

Aber es ist nicht unmöglich. Denn wir haben Katharina, und „niemand hat so wie sie in diesem Geiste gelebt, niemand so tief das Geheimnis der Menschwerdung Jesu Christi in der Erfüllung des Willens seines himmlischen Vaters erfasst und in ihrer Gemeinschaft durchzuführen gesucht“ (Sr. Aurelia Fröhlich ADJC) wie Katharina Kasper. Und mit Gottes Gnaden ist alles möglich …

STH

Samstag, 8. November 2014

„Alles für Jesus“ - das große Abenteuer Alltag

„Mit Novizen und Schwestern sind wir 20, mit Kindern und alle zusammen 38. Werden Sie aber nicht unruhig, dass wir nicht zum Leben hätten, denn ich bin ja nicht schuld und Sie auch nicht. Wenn er sie hierher führt, so wollen wir das Vertrauen haben, dass er es auch an dem Notwendigen nicht fehlen lässt, oder wenn es auch mal fehlen sollte, es wir ruhig ertragen können.“ So schreibt Maria Katharina Kasper 1853 an – da werden Sie staunen - Bischof Peter Josef Blum.

Bischof Peter Josef Blum
Ist dies nicht eine herrliche, eine wunderschöne Textstelle? Welch eine Sicherheit und Gelassenheit, welch ein Gottvertrauen, welche Liebe spricht aus diesen Zeilen! Für Katharina Kasper besteht kein Zweifel daran, dass Gott die gegenwärtige Situation so gefügt hat. In manchen Augen wird sie beängstigend sein, zumal wenn die scheinbare Ohnmacht der Betroffenen erfahren wird. Aber Katharina bleibt ganz ruhig. Wenn - nein, da Gott diese Situation so gefügt hat, wird er auch dafür sorgen, dass sie bestanden werden kann.

Katharina lebt mit ihrem Gott. Er ist ihr Gefährte, ihr Freund, der sie begleitet, der bei ihr ist, mit dem sie reden kann, dem sie überall und in allem begegnet. Mit offenen Augen und offenem Herzen geht sie durch ihren Alltag, so dass sie Gottes Zeichen sofort erkennt und ihn auch in den Widerwärtigkeiten ihres Alltags findet. Katharina lebt mit ihrem Gott, und weil sie das tut, ist ihr Leben voller Überraschungen.

Katharinas Leben mit Gott ist geprägt von einem lebendigen Austausch. Wenn Gott Freund ist, dann kann sie mit ihm reden wie mit einem Freund. Und ihr Leben ist so geprägt von diesem Gespräch, dass es auch immer wieder einfließt in ihre Briefe. „Ach, mein Gott, was könnte uns denn außer Dir noch glücklich machen? Gewiss nichts soll unser Herz beglücken, als Dich allein zu besitzen.“ Dies ist nur eines von spontanen Gebeten, denen wir in ihren Briefen begegnen. Und weil sie weiß und es täglich neu erfährt, wie wichtig dieses Gespräch mit ihrem Lebensgefährten ist, wird sie nicht müde, ihre Schwestern und ihre Mitmenschen immer wieder daran zu erinnern. „Beten wir immer, beten wir allezeit, wie der hl. Apostel Paulus sagt, betet allezeit, möget ihr essen oder trinken, arbeiten und euch erholen, alles soll Gebet sein.“ Das Gebet ist nicht beschränkt auf die Stunde Gottesdienst und nicht eingeengt auf den Kirchenraum. „Wir können alle Schritte und Tritte, alle Regungen dem lieben Gott ... darbringen ...“ Ihren Alltag bringt Katharina vor Gott ins Gespräch, all ihr Fühlen, Denken, Reden und Tun, wohl wissend, dass alles groß und wertvoll ist vor Gott, der sie liebt. Damit bekommt ihr Leben eine ganz neue Bedeutung, eine wunderbare Größe und Qualität, auch wenn vielleicht nicht alles so gelingt, wie sie es sich vorstellt.

Katharina ist verliebt in ihren Gott. Und wie das so bei Liebenden ist: sie will bei ihm sein, ihm angehören, ganz mit ihm vereinigt sein. Immer wieder wird dies auch in ihren Briefen deutlich, z.B. dem Bischof gegenüber - „O mein Jesus, lasse mich, o lasse mich doch einmal Dir ganz angehören. Mache mich, wie Du mich haben willst, wirke, leide und liebe Du in mir und lasse mich wirken, leiden und lieben in Dir.“ - oder den Schwestern gegenüber - „Möge der liebe Gott ... mir geben eine vollkommenere Liebe zu Ihm, die nichts sucht und nichts ausschlägt, jene Liebe, die Gott allein sucht, die Ihn allein ehrt, liebt und von Herzen dient ...“.  Wenn ein Leben so von Liebe gefüllt ist, dann ist es ein erfülltes Leben, ein spannendes Leben, ein Leben voller Abenteuer.

Heute leiden viele Menschen unter der Langeweile ihres Lebens, unter dem Grau ihres Alltages. Heute suchen viele Menschen die Abwechslung, das prickelnde Ereignis, den „Kick“, um der Eintönigkeit und Fadheit ihres Lebens zu entkommen, wenigstens für kurze Zeit. Katharina Kaspers Geheimnis könnte auch unserem Leben neuen Inhalt geben: „Alles für Gott, alles mit Gott.“ Mit der Lebendigkeit unserer Gottesbeziehung steht und fällt die Lebendigkeit unseres Alltags, unseres Lebens. Je mehr Raum wir Gott in unserem Leben geben, umso mehr kann er darin wirken. Je mehr wir mit ihm leben (warum sollen wir das „Zufall“ nennen, worin er uns seine Aufmerksamkeiten schenkt?),  umso lebendiger, umso bunter, umso spannender wird unser Leben. Sicher wird es nicht frei sein von Leid und Kreuz; aber können wir nicht auch das besser und leichter tragen, weil wir wissen: Gott ist auch jetzt da und trägt uns durch diese Situation hindurch?

„Alles für Jesus, so zu denken ist genug.“ - und das Leben wird zu einem großen Abenteuer.
STH


Samstag, 1. November 2014

Die kurze Spanne Zeit

Heute beginnt mit Allerheiligen der Monat November, der Monat, der geprägt ist von dem Gedanken an den Tod. Das bringen schon viele Gedenktage so mit sich. Außerdem neigt sich das Jahr seinem Ende zu.
Von Katharina Kasper ist uns überliefert, dass sie sich auf den Tag freute, an dem sie in den Himmel, ihre „größte Filiale“, wie sie manchmal sagte, „versetzt“ würde. Was zu ihrer Zeit vielleicht noch nicht der Fall war, heute stimmt es ohne Zweifel: im Himmel gibt es mehr ADJCs als in allen Konventen aller Provinzen und Regionen zusammen.
In den vergangenen Monaten sind viele unserer Mitschwestern in die „größte Filiale versetzt“ worden, - die meisten „satt an Jahren“, wie die Bibel sagt. Mir kommt Katharina Kaspers Wort in den Sinn: „Machen wir immer einen guten Gebrauch von der kurzen Spanne Zeit, die so schnell vergeht und hineilt in die Ewigkeit.“ (Brief 72)
Wir alle wissen, dass es ein Kreuz ist mit der Zeit. Meistens reicht sie hinten und vorne nicht, obwohl es doch heißt: „Als Gott die Zeit gemacht hat, hat er genug davon gemacht.“ (Irisches Sprichwort) Es gibt kaum einen Menschen, der nicht sagt: „Ich habe keine Zeit. - Die Zeit läuft mir davon. - Ich bin im Stress.“ Ob Katharina Kasper auch etwas von diesem Problem ahnte, da sie von der kurzen Spanne Zeit spricht, die uns zur Verfügung steht? In diesem Zusammenhang meint sie sicher die Lebenszeit eines Menschen, die - sind es 70, 80, 90 Jahre - doch recht kurz ist im Blick auf die Weltzeit im Ganzen, im Blick auf die Ewigkeit.

Lupo/pixelio.de
„Machen wir immer einen guten Gebrauch von der kurzen Spanne Zeit.“ Tun wir das? Vielleicht liegt es an uns, dass wir ständig im Stress sind. Vielleicht machen wir etwas falsch, dass wir nie Zeit haben. Katharina Kasper hatte ihre Form gefunden, um mit diesem Problem fertigzuwerden. Natürlich ist ihre Zeit nur schwer mit der unseren zu vergleichen. Aber Arbeitsbelastungen hatte sie auch genug, und „Hektik“ war kein Fremdwort für sie. Katharina Kasper aber ermahnt zur Ruhe bei der Arbeit: „Tun wir alles mit innerer und äußerer Ruhe, dann geht es noch einmal so gut.“ (Brief 184) 
Natürlich könnten wir sagen: „Die hat gut reden.“ Aber wir wissen auch, dass sie so gelebt hat, und dass dieses Vorbild andere beeindruckte und ansteckte. Wie war ihr das möglich?
Ich denke, Katharina Kasper setzte Prioritäten. Und vor allem stand Gott. Sie wusste sehr gut: „Ohne Gott können wir nichts tun.“ Also versuchte sie es erst gar nicht. Eine folgerichtige Konsequenz daraus: „Wenn wir viel zu tun haben, müssen wir umso mehr beten.“ Gott soll die erste Stelle im Leben eines Christen einnehmen. Aber setzen wir immer die Priorität Gott?
Wenn wir uns bewusst in seine Gegenwart versetzen, dann wird er seinen Segen zu unserem Tun geben, - davon war Katharina Kasper überzeugt. Vor Gott sind die Arbeiten am wertvollsten, die man mit Freuden tut, mit reinem Herzen und aus Liebe zu ihm. Wenn wir so mit und für Gott leben, dann wird das gelingen, was nach seinem Willen jetzt gelingen soll, dann wird es so gelingen, wie er es für diesen Augenblick will.
Die Priorität Gott setzen heißt: den Augenblick leben. Auf die Vergangenheit haben wir keinen Einfluss mehr, auf die Zukunft noch keinen Zugriff. Aber die Gegenwart ist die uns geschenkte Zeit. Wenn wir den Augenblick leben in dem Bewusstsein „Gott sieht mich“ (KK), dann können wir in Gelassenheit den Mut zur Lücke haben - zur rechten Zeit wird das geschehen, was nach Gottes Willen geschehen soll -; dann wird die uns geschenkte Zeit eine erfüllte Zeit.
„Machen wir immer einen guten Gebrauch von der kurzen Spanne Zeit, die so schnell vergeht und hineilt in die Ewigkeit.“ Der Tag kommt, an dem wir alle die Versetzung in jene „größte Filiale“ erhalten. Vielleicht werden wir dann gefragt werden, was wir mit unserer Zeit gemacht haben, die uns Gott in großer Fülle geschenkt hat. Wie peinlich wäre es, wenn wir dann sagen müssten: „Wir hatten keine Zeit.“
STH



Samstag, 25. Oktober 2014

„Das Herz Jesu soll uns … beglücken ...“

Vielleicht ist Ihnen das auch schon passiert: Da gibt es Redewendungen oder Aussagen von Maria Katharina Kasper, mit denen Sie nicht viel anfangen können. Es muss einen ja nicht alles ansprechen, also überlesen Sie diese Stellen einfach. Und dann – plötzlich – durch irgendeine Begebenheit veranlasst, beschäftigen Sie sich mehr mit dieser Aussage, - und sie bekommt eine ungeahnte Bedeutung.

Zu diesen Redewendungen und Aussagen gehörten für mich Maria Katharinas Worte vom Herzen Jesu. Fast jeden Brief  beschließt sie mit einem Hinweis auf das Herz Jesu. Und in einigen Briefen mahnt sie zur Verehrung des Herz Jesu: „Unser Leben und Wirken ... muss ein Gnadenleben, ein Tugendleben sein, welches wir beständig schöpfen sollen aus Jesus. Das Herz Jesu soll uns beleben, beseelen und beglücken. Täglich müssen wir eifrig im Gebete den lieben Gott bitten um dieses Gnadenleben Jesu ...“ (Brief 68) „Wiederholen wir jeden Tag ... mit wenigen Worten die kleine, demütige, aber kindliche und großmütige Hingabe an Gott und das göttliche Herz Jesu ...“ (Brief 97)

Die Herz-Jesu-Verehrung war damals weit verbreitet; es bedurfte nicht vieler Worte; jeder wusste mit Maria Katharina Kaspers Aussagen etwas anzufangen. Etwas anders ist das mit uns Heutigen. Wir denken sofort an kitschige Herz-Jesu-Darstellungen und süßlich-schmalzige Andachtsgebete, die uns den Zugang verwehren.

Papst Pius IX. führte 1856 das Herz-Jesu-Fest für die ganze Kirche ein. Es wird an dem dritten Freitag nach Pfingsten gefeiert, und an jedem ersten Freitag eines jeden Monats, dem sogenannten Herz-Jesu-Freitag, wird an das Festgeheimnis erinnert. Welche Bedeutung hat nun dieses Fest – auch für uns heute?

Das Herz ist zunächst einmal ein Symbol der Menschlichkeit, ein Symbol der Liebe. „Man sieht nur mit dem Herzen gut“ – Sie kennen diese Aussage Antoine de Saint-Exuperys, und auch das Wort vom „steinernen Herzen“ wissen Sie mit Inhalt zu füllen. Einem Menschen mit Herz zu begegnen, tut uns allen gut. Die Herzensbildung ist wichtiger als jede Intelligenz, gerade in der heutigen Zeit. „Der hat das Herz auf dem rechten Fleck“ – ein größeres Kompliment kann es in einer Zeit, die oft so herzlos erscheint wie die unsrige, nicht geben.

Das Herz Jesu – Gott hat in Jesus Christus ein menschliches Herz angenommen, ein Herz, das fühlen und mitleiden kann. Gott hat in Jesus Christus ein Herz für uns, das heißt, er liebt uns mit einer Liebe, „die durchaus unserer menschlichen Liebe ähnlich ist und sie zugleich unendlich übersteigt“ (Anselm Grün). Jesu Herz ist ein verwundetes, durchbohrtes Herz. Als der Verwundete ist Jesus zu der Quelle unseres Heils geworden.

Die biblische Begründung der Herz-Jesu-Verehrung findet sich u.a. im Johannes-Evangelium in dem Bericht von Jesu Kreuzigung.  Das Kreuz ist der Ernstfall der Liebe. Das durchbohrte Herz Jesu ist ein anderes Wort für die unendliche Liebe des Gottessohnes.
Die Herz-Jesu-Verehrung bringt sozusagen Herz zu Herz: Herzen aus Stein sollen zu liebenden Herzen werden – nach dem Vorbild Jesu.

Und auf diesem Hintergrund sind meiner Meinung nach Maria Katharina Kaspers Worte zu verstehen. Die Hingabe an das göttliche Herz Jesu, die Offenheit für seine Liebe, seine Gnade, bereichert und belebt das eigene Leben und damit das eigene Wirken. Die Hingabe an sein verwundetes Herz schenkt Hoffnung und Vertrauen, dass eigene Wunden heilen und dass das eigene Leben trotz dieser Ver-wundungen gelingen wird.
„Das Herz Jesu soll uns beleben, beseelen und beglücken. ... Wiederholen wir jeden Tag mit wenigen Worten die kleine, demütige, aber kindliche und großmütige Hingabe an Gott und das göttliche Herz Jesu“, erinnert und mahnt Maria Katharina.
STH


Samstag, 18. Oktober 2014

Sie wissen, was uns den Frieden bringt

Katharina Kasper spricht in ihren Briefen häufig vom Frieden. 1891 – sie ist 71 Jahre alt - schreibt sie einen Rundbrief, in dem der Friede sogar ein zentrales Thema ist (Brief 200). Grund genug, sich diesen Brief mal näher anzuschauen.

„Meine lieben Schwestern, [wir können jeden Menschen so anreden] Sie wissen alles dieses selbst sehr gut, was wir zu tun und zu lassen haben, was uns den Frieden des Herzens und des Hauses bringt und auch, wodurch der Friede im Herzen und im Haus gestört wird“, so beginnt sie ihren Brief. Hand aufs Herz! Hat sie nicht recht? Eigentlich merken wir sofort, wenn wir etwas getan oder gesagt haben, was Unbehagen, letztlich Unfrieden sät. Aber es ist nicht einfach das Unterlassen dieser Taten oder Worte, die Frieden schaffen. Es gehört doch noch mehr dazu. Katharina drückt es so aus:

„Bestreben wir uns der Reinheit des Herzens und der Seele; sind wir rein in unsern Gedanken, Worten und Werken; rein in unserem Gedächtnis, Verstand und Willen sowie in unsern Sinnen, im Charakter und Natur.“ Unsere Gedanken und unser Herz prägen uns und unser Tun und Reden. Wenn unser Herz, unsere Seele, unsere Gedanken rein sind, nur Gutes wollen, dann wird unser ganzes Sein entsprechend geprägt. Da ist kein Platz für Ungutes, für Unfrieden.

„Ist dieses allezeit unsere Absicht und gute Meinung, frei zu werden von aller ungeordneten Liebe gegen alle Geschöpfe und geschaffenen Dinge und auf der anderen Seite nur das Wohlgefallen Gottes zu erstreben und nur zu leben, zu leiden für Gott, mit Gott und weil es Gott so will; alles Gute zu üben und alles Böse zu meiden, so werden wir hienieden schon genießen eine große Seligkeit in Gott, ja dann wird in allem und überall der Friede in Gott gefunden, und unsere Seele wird glücklich …“ Bei der ungeordneten Liebe muss ich an Eifersucht und Leidenschaft denken. Wir wissen, wie unfrei beides macht, wie wenig Raum da für Gott bleibt. Wenn ich Raum für ihn schaffe – Katharina drückt dies wunderbar aus -, dann hat nur noch das Gute, das Wahre Platz, und ganz automatisch wird Frieden und Glück.

(twinlili/pixelio.de)

„Meine lieben Schwestern, wir wollen uns als geistige Schwestern lieben, wollen miteinander wirken, arbeiten, aber auch ertragen und entsagen. Gerne ‘trage eine der anderen Lasten’ (Gal 6,2) in gesunden und kranken Tagen. Das sind so einigermaßen die Mittel und Wege bezeichnet, die uns in dieser Welt das Glück finden lassen. Suchen wir nun mit Ernst dieselben zu benutzen, damit wir in der Zeit und in der Ewigkeit glücklich werden und jenen Frieden finden, den die Welt nicht geben und nicht nehmen kann (Phil 4,7).“  Katharina spricht hier selbst von Mittel und Wege, wie wir zum Frieden beitragen können. Der Frieden im eigenen Herzen und im eigenen Haus ist die Voraussetzung für den Frieden am Arbeitsplatz, in meiner Stadt, in meinem Land, in der Welt.

Aber – und das zeigt ja unsere Erfahrung bei allem Bemühen – es ist eben ein Friede, den die Welt nicht geben kann. Wir brauchen Gott, um Frieden zu schaffen – sowohl im eigenen Herzen als auch im eigenen Haus, erst recht darüber hinaus. Wir brauchen Gott. Darum müssen wir beten – ohne Unterlass, unnachgiebig – nicht zuletzt um die eigene Bekehrung …
STH


Samstag, 11. Oktober 2014

Frieden – bewahren wir den Frieden!

Kein Wort wird heutzutage so oft benutzt wie dieses – Frieden.  Nichts fehlt heute in so vielen Teilen der Welt so sehr wie der Friede. Nichts wird so sehr ersehnt wie der Friede.
Auch Katharina Kasper war er ein großes Anliegen. In vielen ihrer Briefe spricht sie vom Frieden. Sie hat ja selbst Kriegszeiten erlebt. Und sie ist ganz sicher, dass Gott uns den Frieden schenkt, wenn wir ihn darum bitten. Genau so sicher ist sie, dass wir etwas dazu tun können, damit es Frieden wird.

„Wandeln wir so in Gottes Gegenwart, dass Sie alle Ihre Berufspflichten gut verrichten und der liebe Gott alles sehen kann. Suchen wir dem lieben Gott allein gefallen zu wollen, Seine Ehre zu fördern, so gelangen wir zur Vereinigung mit dem lieben Gott. Wir finden Frieden, Ruhe in unseren Seelen, Ergebung in den göttlichen Willen. Ja, dann leben wir in Frieden miteinander, mit unseren Pflegebefohlenen und mit allen Menschen, mit denen wir durch unseren Beruf zusammengeführt werden. … O möge der liebe Gott doch helfen und den langersehnten Frieden geben.“ (Brief72)

Unsere Ausrichtung auf Gott, unsere eigene Lebenshaltung tragen dazu bei, dass es Frieden geben kann. So leben, dass Gott es sehen kann, ihm gefallen wollen, seine Ehre fördern – da haben schräge Gedanken und Wünsche keinen Platz, da finden negative Vorstellungen keinen Raum. Damit ist Zufriedenheit da, eine Voraussetzung für den Frieden. Da können wir ganz ruhig sein, ein Standbein des Friedens. Deshalb kann sie sagen:

„Halten wir uns ruhig und bewahren unter allen Verhältnissen den Frieden unserer Seele. Auf Regen folgt Sonnenschein.“ (Brief17)

Den Frieden bewahren – ganz oft fordert Katharina ihre Mitschwestern dazu auf. Den Frieden bewahren - unter allen Umständen soll man das tun und sich den Frieden auch etwas kosten lassen. Den Frieden bewahren – wir können das, davon ist Katharina überzeugt, weil wir wissen, dass alles vorüber geht, mag es noch so schwer sein.

Ja, und immer gilt:
„Der liebe Gott, der diese [oder jene] Prüfung zugelassen, muss weiter helfen. Möchten wir nun allezeit das unsrige tun und treu mit der Gnade Gottes mitwirken. Leben und streben wir doch allezeit schwesterlich miteinander und bewahren den Frieden. Dieses Leben in Gott und im Dienste Gottes sein Glück suchen, ist der Himmel schon hier auf Erden.“ (Brief 73)

Und das gilt für alle, die mit Gott leben wollen …
STH




Samstag, 4. Oktober 2014

Fliegt auch ihr in der Höhe!

„Vergesst den Adler nicht! Der Adler vergisst sein Nest nicht, aber er fliegt in der Höhe. Fliegt auch ihr in der Höhe! Erhebt euch!“

Diese Worte sprach Papst Franziskus in der Predigt dem albanischen Volk zu. Die Albaner haben den Adler in ihrem Wappen. Das war der Bezugspunkt. Aber diese Worte haben ja immer Sinn und Bedeutung. 

Wappen von Albanien
Ob Katharina Kasper das Bild des Adlers für sich präsent hatte, weiß ich nicht. Dass sie sich wie ein Adler verhalten hat, das habe ich schon oft aufzuzeigen versucht.

„Der Adler vergisst sein Nest nicht.“ Katharina vergaß ihr „Nest“ nie. Ihr „Nest“ ist zum einen Dernbach, zu ihren Lebzeiten ein kleines, armes Westerwalddorf im Westerwald. Durch ihren Einsatz und ihr Wirken bekam Dernbach eine Eisenbahn und ein Krankenhaus, und der Name dieses Dorfes war schon zu ihren Lebzeiten in vier Ländern bekannt.

„Der Adler vergisst sein Nest nicht.“ Katharinas „Nest“ ist zum anderen ihre Gemeinschaft, die sie liebevoll „Mutter“ nennt. Für diese „Mutter“ lebt sie, betet sie, setzt sie sich ein. Und ihre Liebe vermittelt sie auch ihren Schwestern.

„ … aber er fliegt in der Höhe.“ Papst Franziskus sagt nicht: Er fliegt in die Höhe. Nein, er ist schon oben und fliegt in der Höhe. Und genau das hat auch Katharina gemacht: Sie ist mit ihrem ganzen Herzen bei Christus, und sie bleibt bei ihm, lässt sich durch nichts beirren – nicht durch Unannehmlichkeiten, Widerständen oder Kreuzen -, sie bleibt bei ihm und fliegt in dieser Höhe, entspricht so der Bestimmung des Adlers.

„Erhebt euch!“ Das ruft Papst Franziskus auch uns zu. Erhebt euch und fliegt der Sonne Christus entgegen; und dann fliegt auch ihr in der Höhe! Ihr seid nicht für den Hühnerhof bestimmt.

Katharina Kasper glaubte dieser Zusage, und scheinbar Unmögliches wurde ihr möglich.

(STH)

Samstag, 27. September 2014

Der „Kampf gegen Dummheiten“

Was mich an Katharina Kasper so fasziniert? Unter anderem sind es ihre Natürlichkeit und Nüchternheit, die ihr Leben geprägt haben. Sie war ein tiefgläubiger Mensch, aber da war nichts von Überschwenglichkeit oder Frömmelei. Sie stand mit beiden Beinen fest auf der Erde.

Ganz realistisch betrachtete sie sich und ihre Mitmenschen und scheute sich nicht, die Dinge beim Namen zu nennen. Ich denke, dass gerade auch die jungen Menschen, die sich ihrer Gemeinschaft anschlossen, davon beeindruckt und begeistert waren.

Katharina Kasper hatte mit der wachsenden Gemeinschaft und den immer größer werdenden Aufgaben genug zu tun. Aber sie ließ es sich bis ins hohe Alter nicht nehmen, für die Postulantinnen und Novizinnen Konferenzen zu halten. (Alle Zitate sind aus einer der Konferenzen.) Irgendjemand hatte erkannt, welchen Wert diese Stunden bei der Ehrwürdigen Mutter hatten und hatte sie mitgeschrieben. So sind sie uns erhalten geblieben - einfache, oft kernige, in ihrer Tiefe und Bedeutung große Worte einer weisen Frau, die Erfahrungen gesammelt hat mit Gott und den Menschen.

„Allein, weil wir nicht sind, wie wir sein sollen, darum haben wir Kampf mit Dummheiten.“ Das sagt sie 1894 zu den jungen Postulantinnen, die drei Tage später in Exerzitien gehen, die sie auf den Tag ihrer Einkleidung vorbereiten.

Was ist damit gemeint, mit diesem „Kampf mit Dummheiten“? - Katharina Kasper wird sehr konkret: „Wenn wir denken, eine andere hätte eine feinere Arbeit, dann regt sich unser Stolz. Oder wenn eine der anderen mehr ein freundliches Gesicht macht, gegen die andere abstoßender zu sein scheint, dann macht uns das zu kämpfen.“ Unwillkürlich fallen einem da noch viele andere Dinge ein, die uns den Alltag erschweren, die uns zu schaffen machen.

Katharina Kasper bezeichnet all das als „Kampf mit Dummheiten“. Warum? Empfindungen, Emotionen, Neigungen sind Auslöser solcher Gedanken, und wir alle wissen, wie unbeständig unsere Gefühle, wie abhängig unsere Wahrnehmung ist. Stolz, Eitelkeit, Eifersucht verbergen sich häufig hinter diesen Grübeleien. „Wo viele Menschen zusammenkommen“, so Katharina Kasper, „da sind auch die verschiedensten Charaktere beisammen; man lernt so recht das Allzu-Menschliche kennen, und man erfährt, dass wir hier noch in der streitenden Kirche leben.“ Aus ihren Worten sprechen Weisheit und Lebenserfahrung. Und sie weiß, wie wir mit diesen „Dummheiten“ umgehen können, wie wir sie bezwingen können.

(Uwe Steinbrich/ pixelio.de)
 „Alles ist groß, was man zur Ehre Gottes tut, da gibt es gar nichts Kleines.“ Es geht um meine Haltung, meine Einstellung, mit der ich die Arbeiten verrichte, die mich fordern.
„Erwarten Sie keinen irdischen Lohn. Die Welt kann uns ja doch kein wahres Glück geben ...“ Es gibt einen, der alles sieht, was ich tue, auch wenn es vielleicht von meinen Mitmenschen nicht gesehen wird. Sein „Lohn“ ist wichtiger als das flüchtige Lob.
„Wenn uns etwas nicht gut scheint, so sollen wir das erst an uns verbessern. Überhaupt Fehlerhaftes nicht so sehr an andern als an uns selbst sehen!“ Oft tadeln wir am anderen, was wir an uns selbst nicht leiden können. Oft ist das Verhalten meines Gegenübers eine Reaktion auf mein eigenes Betragen.
„Wir müssen die Eigenliebe ein wenig in den Hintergrund stellen, denn diese nimmt das beste Licht fort. Wenn man seinen menschlichen Gefühlen folgt, hindert dies die himmlische Erleuchtung.“ Selbstliebe ist wichtig. Wenn ich mich nicht selbst liebe, kann ich auch meinen Nächsten nicht lieben. Egoismus aber macht blind, auch blind für den eigenen Wert, die eigenen Fähigkeiten, die ich in Freude bejahen darf, weil sie mir geschenkt sind.

„Allein, weil wir nicht sind, wie wir sein sollen, darum haben wir Kampf mit Dummheiten.“ Dieser Kampf mit den Dummheiten des Alltags - kostet er nicht wahnsinnig viel Energie, die wir anders viel sinnvoller einsetzen könnten? Aber wie sollen wir sein? Katharina Kasper ist sich da ganz sicher: Wir sollen Menschen sein, die „Gott durch jeden Gedanken, jedes Wort, jedes Werk“ dienen.
STH


Samstag, 20. September 2014

... nicht dabei stehenbleiben, - abgeben!

„Oh, diese Menschlichkeiten!“ Diesen Ausruf hat Katharina Kasper sicher nicht nur einmal getan, sondern immer wieder; denn unser Alltag ist ja nun mal geprägt von vieler dieser „Menschlichkeiten“. Und sind es nicht gerade diese Menschlichkeiten, die unser Leben so schwer machen? Wie sollen wir damit umgehen? Ich würde sagen: Geben wir sie ab, - und ich habe mich sehr gefreut, als ich einen ähnlichen Gedanken bei Katharina Kasper fand. In einem Rundbrief schreibt sie einmal:

„Wenn in einem jeden Hause der Gemeinschaft … eine jede … sich als Nachahmerin des lieben Jesus betrachtet und die kleinen Kreuze, die sich für jede ergeben, als von Gott kommend ansieht und auf sich nimmt und nicht dabei stehen bleibt und sich beschäftigt, unterhält in ihren Gedanken: sie kommen von dieser und jener Person oder den Verhältnissen, so zieht eine jede Seele großen Nutzen daraus.“ (Rundbrief vom 3.2.1886)

Sie alle kennen viele, viele Situationen, in denen Sie verletzt wurden. Oft ist es eine unbedachte Äußerung, die uns tief trifft. Es kann sogar ein Wort sein, dass gut gemeint ist, uns aber in einem Augenblick begegnet, in dem wir - aus welchen Gründen auch immer - empfindlich reagieren. Selbst eine Geste, die wir nicht verstehen oder falsch interpretieren, kann uns verunsichern oder weh tun; ganz zu schweigen von irgendwelchen Handlungen.

Im Blick auf Katharina Kaspers Aussage sollte man mal fragen: Wie würde Jesus reagieren? Er würde verzeihen, da ja das Geschehene Zeichen Gottes ist. 


 Wahrscheinlich geht es Ihnen wie mir: Eine Verletzung soll ich als Zeichen Gottes annehmen? Das scheint doch etwas viel verlangt. Aber warum eigentlich? Bei den schönen Dingen, die uns begegnen, ist uns ganz klar: Das ist ein Geschenk; wenn uns irgendwelche Arbeiten gelingen, danken wir, dass Gott es hat gelingen lassen. Wenn das Erfreuliche von Gott kommt, warum nicht auch das, was uns irritiert, das, was uns betroffen macht, das, was uns weh tut? Vielleicht hat Er mir diese Äußerung geschickt, damit ich darüber nachdenke, damit ich selbst mein Handeln einmal hinterfrage.

Katharina Kasper warnt davor, bei den „kleinen Kreuzen, die sich für jede ergeben“, stehenzubleiben. Wie recht sie mit dieser Warnung hat, haben wir sicher alle schon erfahren. Jede Verletzung, die wir festhalten, engt uns ein, macht uns unfrei, lässt uns bitter werden. Wenn wir selbst scheinbar nichts tun können, ist uns das noch möglich, was alle Verhärtung verhindert, was alle Wunden heilt: das Abgeben. Geben wir das, was uns schwerfällt, das, was uns wehtut, ab in Gottes barmherzige Hände. Er macht uns wieder frei, indem er heilt, was verwundet wurde.

Was sind das eigentlich für „Menschlichkeiten“, für „kleine Kreuze“, die Katharina Kasper meint? Ich denke, es sind unsere Schwächen, Begrenzungen, Behinderungen; denn sind sie es nicht, die uns zu schaffen machen und den anderen? Das vergessen wir ja sehr gerne: sooft wir uns verletzt fühlen, sooft verletzen auch wir - und meist ebenso unbewusst und unbeabsichtigt, wie wir verletzt werden.

Die kleinen Kreuze als von Gott kommend ansehen, nicht dabei stehenbleiben, sondern abgeben - ich bin sicher, Gott freut sich über diese Geschenke, denn sie sind Ausdruck eines tiefen Vertrauens. Und dieses Vertrauen beschenkt er mit seiner befreienden Liebe.
STH



Samstag, 13. September 2014

„Unterwegs mit Katharina“

Unter diesem Titel fand die diesjährige Wallfahrt der Menschen mit Behinderung des Bistums Limburg nach Dernbach statt. Eine kleine Gruppe kam schon zwei Tage vorher, um Tage der Besinnung mit Katharina Kasper und im Kloster zu machen. Da ging es unter anderem um die Frage: „Was ist das Wichtigste an einem Kloster?“ Einige meinten: Natürlich die Klosterkirche; schließlich müssen die Schwestern beten. Andere meinten: Alles schön und gut. Aber wenn ich nicht schlafen kann, dann kann ich auch nicht beten. Also ist das Wohnhaus das Wichtigste. Herrlich, nicht wahr?

Am Donnerstag, dem eigentlichen Tag der Wallfahrt, war uns das Wetter hold. Eine Gruppe machte sich auf den Weg nach Wirges, wo Katharina mit ihren ersten Gefährtinnen ihre ersten Gelübde ablegte und das Ordenskleid empfing. Eine Gruppe machte sich auf den Weg zum Heilborn, der wichtigen Gebetsstätte Katharina Kaspers, wo sie auch den Namen für ihre Gemeinschaft empfing.

Pünktlich zum Gottesdienst waren alle Pilger aus allen Ecken des Bistums eingetrudelt. Da war eine wirklich überschäumende Freude im Gottesdienst! Sie steckte an. Es fiel gar nicht auf, dass der Gottesdienst einiges länger als gewöhnlich war. Anschließend gab es ein einfaches Mittagessen im Park. Sowohl die Behinderten als auch die Betreuer fühlten sich sichtlich wohl.


Die Pilgergruppe brachte ein neues Lied mit – wieder ein Ohrwurm, wenn man es einmal gehört hat, und so einfach!


Samstag, 6. September 2014

„Keine Kunst ist´s, alt zu werden ...“

Sie kennen diesen Spruch, nicht wahr? „Alt werden will jeder, alt sein will keiner.“ Ich brauchte lange, um den Unterschied zu verstehen. Inzwischen habe ich oft und oft erfahren, wie wahr dieses Wort ist. „Alt werden will jeder ...“ - na klar, wer möchte schon gerne „vor der Zeit“ diese schöne Welt verlassen. „ ... alt sein will keiner“ - auch klar, wem passen schon die eigenen Grenzen, die immer enger gezogen werden, die Krankheiten und Behinderungen, die das Leben plötzlich in wenig sympathischem Licht zeigen? Der alte Goethe hat wieder mal recht: „Keine Kunst ist´s, alt zu werden; es ist Kunst, es zu ertragen.“

Vor kurzem begegnete ich vor dem Mutterhaus einer unserer hochbetagten Schwestern. Sie stützte sich schwer auf ihren Stock. Sehen und Hören kann sie kaum noch. Ich ging nahe zu ihr heran, damit sie mich erkennen konnte. Während des Gespräches sagte sie: „So alt habe ich eigentlich nicht werden wollen ...“ Und ich entgegnete: „Aber Sie sind es, und dann hat es sicher auch einen Sinn.“ - „Das sage ich mir auch immer“, entgegnete sie. „Der liebe Gott will ja wohl, dass ich noch hier bin. Dann wird er auch für mich sorgen.“ Eine solche Haltung findet man selten; sie beeindruckt mich sehr.


Katharina Kasper war ihr Leben lang ein schwächlicher, kränkelnder Mensch, und sie wurde - nach damaligen Begriffen - alt. Sie wusste, wovon sie sprach, wenn sie warnte: „Wenn wir uns ... zu sehr von dem Gedanken und Gefühl leiten lassen, man sei schon alt oder zu kränklich, so ist und bleibt man schwach, alt und armselig und bringt nichts mehr fertig, wenn es noch so gering ist, was wir zu tun haben. Auch sind wir in solchen Zuständen nicht glücklich und zufrieden.“ (Brief 95)

Haben wir nicht alle schon die Erfahrung gemacht, wie unfähig wir zum Leben sind, wenn wir uns gegen eine Krankheit oder eine Begrenzung körperlicher oder seelischer Art auflehnen? Wie viel Kraft und Energie verwenden wir oft darauf, dagegen anzugehen und werden dann tatsächlich krank und schwach und armselig, unfähig, aus unserem selbst gezimmerten Käfig auszubrechen. Wenn es aber gelingt, trotz allem Schwerem Ja zu sagen zu dieser Begrenzung, sie abzugeben in Gottes Hände - er weiß ja um mich -, dann kann man es tragen, und es erscheint einem gar nicht einmal mehr so schwer, und Glück und Zufriedenheit gewinnen Raum in uns.


„ ... wenn es noch so gering ist, was wir zu tun haben“, sagt Katharina Kasper, und damit meint sie sicher: wenn es auch nicht mehr viel ist, was es zu tun gibt, wenn es auch nicht mehr so sehr an die Öffentlichkeit tritt, wie in jüngeren Jahren. Denn es gibt ja nichts, was nicht groß wäre, was man zur Ehre Gottes tut. 

„Alt werden will jeder, alt sein will keiner.“ Sind wir bei dem Wort Alter nicht zu sehr fixiert auf Schwächen, Begrenzungen, Krankheiten? Aber ist Alter nicht viel mehr als das? Da sind die Erfahrungen, da ist die Ruhe und Gelassenheit, da ist die Weisheit vieler Jahre. Da ist der gelebte Glauben, das bestätigte Vertrauen, die erlebte Liebe vieler Jahre. Und all das brauchen wir jüngeren. Und damit hat das Alter einen tiefen Sinn.

„Die Liebe ermüdet nicht und ist in und mit uns wirksam in kranken und in unsern alten Tagen; denn solange wir leben und den Verstand haben, können wir das Gute üben.“ (Brief 95)    

STH

Samstag, 30. August 2014

„Was uns die selige Katharina Kasper heute sagt …“

Seit langer Zeit ist es üblich, dass die Schwestern jeden Tag ein Wort ihrer Gründerin Katharina Kasper mit auf den Weg bekommen. Allen Interessierten – Schwestern wie Nicht-Ordensmitgliedern – ist es möglich, die Gedanken Maria Katharinas im Originalton kennen- zulernen. „Mit Maria Katharina Kasper durch das Jahr“ – so heiß das Büchlein, das dafür zur Verfügung steht.


„Was unsere selige Mutter Maria Katharina uns heute sagt …“ – Jeden Morgen nach dem Tischgebet leitet die Vorbeterin mit diesen Worten über zu dem Tagesspruch. Ein schöner Brauch, der einen tiefen Sinn hat. Je nachdem, wie dieser Einleitungssatz gesprochen wird, verändert sich die Bedeutung – vielleicht nur geringfügig, und doch nicht unwesentlich.

„Was unsere selige Mutter Maria Katharina uns heute sagt …“: Die Briefe stammen alle aus dem 19. Jahrhundert. Ihre Adressaten sind Oberinnen und Schwestern dieser Zeit. Alles hat sich geändert – die Oberinnen, die Schwestern, die Zeit. Aber – das wird deutlich – Katha-rina Kaspers Aussagen sind zeitlos. Sie passen genauso in das 21. Jahrhundert, in dem es uns gibt. Und sie passen ebenso zu Nicht-Ordensleuten, die im Geiste Maria Katharinas leben wollen. Und uns heute spricht sie diese Worte zu.

Uns spricht sie Mut zu, wenn sie sagt: „Schlägt der Herr auch Wunden, so heilt er sie auch wieder; so wollen und müssen wir denken.“ (Brief Nr. 163) Uns fordert sie auf – und wer würde die Aktualität nicht empfinden?: „Beten wir doch viel für alle Menschen, damit Gott erkannt und geliebt werde, und wieder alle so recht einfach leben.“ (Brief Nr. 160) Uns ermahnt sie: „Worte bewegen ja nur, aber das Beispiel reißt fort.“ (Brief Nr. 179)

 „Was unsere selige Mutter Maria Katharina uns heute sagt …“: Es geht um das Heute, um den heutigen Tag, der noch ganz unberührt, rein und frisch vor uns liegt. Das meiste liegt noch verborgen vor uns. Wie gehen wir mit diesem Tag um? Katharina Kasper rät: „Alles für Jesus, so zu denken ist genug.“ (Brief Nr. 139) – „Halten wir immer gut still, damit der liebe Gott machen kann, was er will.“ (Brief Nr. 141) Sie ist ganz realistisch im Blick auf die Probleme des Alltags: „Das Vollkommene ist einmal nicht beisammen; es muss immer etwas fehlen. Jedoch müssen wir weiter gehen bei allem Unvollkommenen und Mangelhaften.“ (Brief Nr. 182)

„Was unsere selige Mutter Maria Katharina uns heute sagt …“ – dieses Wort, das uns heute zugesprochen wird, bleibt nicht ohne Ant-Wort. Wir antworten: „Selige Mutter Maria Katharina, hilf uns, wie du im Willen Gottes zu leben.“ Diese Antwort von unserer Seite ist ein Gebet. Gebete tragen und geben Sicherheit. Auf unserem Weg durch den Tag sind wir nicht allein. Allein dieses Wissen sollte uns Ansporn sein, unser Denken, Reden und Tun von unserer Mutter Maria Katharina prägen zu lassen, um wie sie ein gottverbundenes Leben zu führen. 

Übrigens, unsere Antwort ist ein Gebet, das Katharina Kaspers Grundanliegen „auffängt“: „O möge der heilige Wille des Allerhöchsten in allem und überall erfüllt werden wie im Himmel so auch auf Erden.“ (Brief Nr. 23)
STH



Samstag, 23. August 2014

Dürfen wir nicht müde sein?

„Wenn man in der Nacht durch eine Gasse spazieren geht, und ein Mann, von weitem schon sichtbar - denn die Gasse vor uns steigt an und es ist Vollmond - uns entgegenläuft, so werden wir ihn nicht anpacken, selbst wenn er schwach und zerlumpt ist, selbst wenn jemand hinter ihm läuft und schreit, sondern wir werden ihn weiter laufen lassen.
     Denn es ist Nacht, und wir können nicht dafür, dass die Gasse im Vollmond vor uns aufsteigt, und überdies, vielleicht haben diese zwei die Hetze zu ihrer Unterhaltung veranstaltet, vielleicht verfolgen beide einen dritten, vielleicht wird der erste unschuldig verfolgt, vielleicht will der zweite morden, und wir würden Mitschuldige des Mordes, vielleicht wissen die zwei nichts von einander, und es läuft nur jeder auf eigene Verantwortung in sein Bett, vielleicht sind es Nachtwandler, vielleicht hat der erste Waffen.
     Und endlich, dürfen wir nicht müde sein, haben wir nicht so viel Wein getrunken? Wir sind froh, dass wir auch den zweiten nicht mehr sehn.“

Franz Kafka
Diese Parabel von Franz Kafka stammt aus dem Jahre 1908. Ist sie nicht hochaktuell? Können wir uns nicht wiederfinden in dem Mann, der sich heraushalten will und unendlich viel Ausreden, Entschuldigungen, Rechtfertigungen findet, damit ihm das gelingt?
Das ist sicher: Katharina Kasper hat den armen, schwachen, leidenden Menschen gesehen. Und sie dankte dafür, dass sie sah und packte an.
Kafka kritisiert die Haltung des Sich-heraushaltens, des Sich-nicht-einmischens. Aber diese Haltung ist doch ganz menschlich. Was könnte, sollte uns bewegen, es anders zu machen? Vielleicht hat der Jude Kafka jenes große Gebot im Hinterkopf gehabt: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken und deinen Nächsten wie dich selbst.“ (Dtn 6,5, Lev 19,18) Und Katharina Kasper? Ihr ganzes Leben ist ein Zeugnis für ihre Motivation, so zu handeln, wie sie es getan hat. Und viele ihrer Briefe machen deutlich, woher sie ihre Kraft und - ja, und auch die Legitimation des Eingreifens nahm. Im März 1890 schreibt sie z.B. an Schwester Martha in den USA:

„Ich gebe Ihnen den Rat für jede Stelle und jede Handlungsweise: dem lieben Gott sich überlassen, alles aus Liebe und zur Ehre Gottes tun zu wollen, so wird der liebe Gott Ihnen allezeit zu Hilfe kommen. Er wird Sie erleuchten, das Rechte zu erkennen, und stärken, dasselbe auszuüben; aber auch tröstet uns Gott. So gehen Sie denn in aller Demut und im Vertrauen auf Gott mit kindlicher Liebe von einem Tage zum andern weiter, und Sie werden sehen und erfahren, dass es besser geht und dass alles Schwere leicht wird.“ (Brief 169)

Wir leben in einer Zeit, in der die Nacht schon weit fortgeschritten ist. Aber es ist Vollmond. Wir sehen. Wir sehen z.B. den zunehmenden Werteverlust, die zunehmende Missachtung des menschlichen Lebens, die zunehmende Glaubenslosigkeit. Wir sind müde, - ja, natürlich. Aber ist das ein Grund, sich nicht einzumischen? Haben wir der Nacht nicht unendlich viel entgegenzusetzen? Nur - sind wir überhaupt selbst noch davon überzeugt?

Dürfen wir nicht müde sein? Nein, denn es geht um mehr als darum, dass es dem einzelnen gut geht. Es geht um den Menschen und seine Würde. Es geht um Gott, den Freund des Lebens, der Mensch wurde, damit wir als Menschen leben können.

STH

Samstag, 16. August 2014

Wer ist denn nun Gründer?

Maria Himmelfahrt – das Fest haben wir gestern gefeiert; und mit diesem Fest haben wir den Gründungstag der Armen Dienstmägde Jesu Christi begangen. 163 Jahre alt ist die Gemeinschaft jetzt. Eine stolze Zahl, nicht wahr?

Wie kam Katharina Kasper eigentlich auf die Idee, eine Klostergemeinschaft zu gründen?
Die Antwort ist furchtbar einfach: Sie kam gar nicht auf diese Idee. Das hätten Sie nicht erwartet, oder? Zu ihrer Zeit gab es hier in der Gegend gar keine Klöster, die ihr ein Vorbild hätten sein können. Die waren der Säkularisation zum Opfer gefallen. Und über die Grenzen Nassaus – in dieses Gebiet gehörte Dernbach – kam Katharina sicher nie hinaus. Katharina sagte immer: Der eigentliche Gründer ihrer Gemeinschaft ist Gott.

Wieso konnte sie das sagen, fragen Sie jetzt wahrscheinlich.

Nach einer Generalbeichte im Jahre 1842 – damals war Katharina Kasper 21 Jahre alt - erkannte sie immer klarer, wozu Gott sie berufen hatte. Sie erkannte sowohl die mangelnde Moral unter der Bevölkerung als auch Not und Armut, die damals herrschten; in vielen Bevölkerungsgruppen wurde das als Strafe Gottes oder als Besserungsmittel angesehen. Katharina fühlte sich von Gott gerufen, sich der armen Menschen anzunehmen, ihre Not zu erleichtern und – so drückte sie es selber aus - ihren Seelen nützlich zu werden. Von innen her gedrängt besuchte sie die Kranken ihres Geburtsortes, erwies ihnen kleine Liebesdienste, tröstete sie und half ihnen, ihre Krankheit in geistlicher Weise zu verstehen, und die Sterbenden begleitete sie. Soweit es ihre Familienverhältnisse zuließen, blieb Katharina bei den Kranken, pflegte sie, verrichtete ihre häuslichen Arbeiten und wachte bei ihnen während der Nacht. Auch belehrte sie die Leute, wo immer nur sie Gelegenheit fand, in den Wohnungen, auf den Wegen, bei den Arbeiten, wie sie ein gottgefälliges Leben führen könnten und wie sie ihre Seelen retten könnten. Und jeder erkannte, dass der Geist Gottes durch sie, das armselige Werkzeug, redete und ihren Worten stets einen außerordentlichen Eindruck verlieh.

Die ersten fünf Frauen bekommen ihr Ordenskleid
und legen vor dem Bischof in Wirges ihre Gelübde ab.
Durch Katharinas Beispiel und ihre Worte wurden andere Frauen angesprochen und schlossen sich ihr an. Jede blieb in ihren Familien. Aber  an Sonn- und Feiertagen kamen sie zusammen und suchten sich je neu zu ermutigen in dem Leben und Streben nach Vollkommenheit. Außerdem heiligten sie die Sonn- und Festtage durch Gebet und Empfang der Sakramente und gemeinsame Bibellesung. So lebten sie mehrere Jahre.  Katharina erkannte immer mehr, dass Gott mehr von ihr wollte; und der Bischof sagte bei einem Besuch: „Wenn Gott Gefallen an diesem Werk hat, dann kann noch ein Koster daraus werden.“

Ja, und das war dann am 15.08.1851 soweit. Da bekamen die ersten fünf Frauen ihr Ordenskleid vom Bischof und legten vor ihm ihre Gelübde ab. Dieses Ereignis gilt als Gründungstag der Gemeinschaft.

Wieso konnte Katharina sagen, dass Gott der eigentliche Gründer ihrer Gemeinschaft ist – das war die Ausgangsfrage. Die Antwort ist eigentlich ganz einfach. Katharina reagierte immer „nur“ auf Gottes Anrufungen. Sie tat, was er von ihr wollte, und alles andere kam von selbst. 25 Jahre später schreibt Katharina:

„Dem lieben Gott wollen wir danken, dass er in seiner unendlichen Liebe, Güte und Barmherzigkeit unsere Gemeinschaft hervorgerufen durch seine heilige Kirche, uns zu derselben berufen durch seine Gnade und Liebe und mit der Fülle seiner Gnade überhäufte im allgemeinen und eine jede insbesondere.“ (Brief 50)

STH

Samstag, 9. August 2014

Kennen Sie Sr. Aloysia Löwenfels?

Klar, ist das eine rhetorische Frage. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Sie diese Frau kennen. Obwohl – ich bin wirklich immer wieder erstaunt, wo man ihr überall begegnet.

Der Name verrät schon, dass es sich um eine Jüdin handeln muss. Luise Löwenfels – so ihr bürgerlicher Name – wurde 1915 geboren. Luise besuchte die Höhere Mädchenschule sowie die Höhere Handelsschule,  und anschließend absolviert sie die Ausbildung zur Kindergärtnerin. In beiden Fällen wird sie – wie das damals oft der Fall war – von katholischen Ordensfrauen unterrichtet. In der Zeit zwischen 1933 und 1935 ist der erste Konvertitenunterricht bezeugt.

Nach ihrer Ausbildung arbeitet sie eine kurze Zeit in Recklinghausen. Hier lernt sie in der katholischen Kirche Familie Eppmann kennen; in Hedwig Eppmann findet sie eine gute Freundin.

Inzwischen haben die Repressalien gegen die jüdischen Mitbürger erheblich zugenommen.
Luise wechselt nach Frankfurt, wo sie eine Stelle in einem jüdischen Kinderheim findet. Dank der Vermittlung von Herrn Eppmann, selbst Nazigegner, und seiner Schwester, die eine Arme Dienstmagd Jesu Christi ist, kommt sie dort auch in Kontakt zu unseren Schwestern.  Auch in Frankfurt bleibt sie nur kurze Zeit.
Durch Vermittlung der ADJC kommt sie zu unseren Schwestern nach Mönchengladbach, wo sie in der Haushaltsschule, vor allem aber im Kindergarten arbeitet.


Am 25.11.1935 wird Luise auf den Namen Maria Aloysia getauft. Als im März 1936 eine der Haushaltungsschülerinnen sie als Jüdin identifiziert und mit Denunziation droht, flüchtet sie zu unseren niederländischen Schwestern nach Geleen. Hier ist sie zunächst geschützt.
Im Dezember 1937 bittet  Aloysia um Aufnahme in die Gemeinschaft der ADJC. 1938 beginnt sie das Noviziat und erhält das Ordenskleid. 1940 legt sie ihre erste Profess ab.

Nachdem die Deutschen im Mai 1940 die Niederlande besetzt haben, darf  Sr. Aloysia nur noch  innerhalb des Klosters arbeiten.

Am 26.07.1942 wird ein Protestbrief der katholischen Bischöfe gegen die Verfolgung der Juden von den Kanzeln verlesen. Und dann überschlagen sich die dramatischen Ereignisse.

Am 02. August wird Sr. Aloysia wie eine große Zahl getaufter katholischer und evangelischer Juden von der SS verhaftet und in das Lager Westerbork gebracht.
Am 07. August wird sie nach Auschwitz abtransportiert.
Am 09. August wird sie mit Edith Stein und anderen Ordensleuten vergast.

Heute ist der 09. August, und die Kirche begeht den Gedenktag der heiligen Edith Stein. Die Gemeinschaft der ADJC begeht auch den Gedenktag der Sr. Aloysia Löwenfels.

Katharina Kasper schreibt 1883 in einem Rundbrief an ihre Schwestern: „Ich bitte so sehr, als ich es nur vermag, suchen wir alles, alle Gnade, Hilfe und Trost in den Hl. Herzen Jesu und Mariä und lieben wir Gott und suchen ihn allein, allein.“

Genau so hat Sr. Aloysia gelebt, und in dieser Haltung ist sie in den Tod gegangen …

STH